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Söders Digitaloffensive Tablet und Tracht

Unter dem neuen Ministerpräsidenten Markus Söder soll Bayern zum Internet- und Technologie-Vorzeigeland werden. Dabei helfen sollen Blockchain, Bayern-Cloud, ein Supercomputer - und natürlich Flugtaxis.

Von: Christian Schiffer

Stand: 18.04.2018

Frau mit Laptop auf dem Brezen Rautenmuster zu sehen ist | Bild: picture-alliance/dpa/chromorange

"Laptop und Lederhose", dieser Slogan stand über Jahre exemplarisch für das bayerische Selbstverständnis, denn in Bayern sollten sie endlich zusammenfinden: die Tradition und die Technologiebegeisterung. Doch dieser Slogan aus der Stoiber-Ära benötigt mittlerweile dringend ein Update, denn statt Laptop benutzt man heute auch ganz gerne mal ein Tablet und: das tun nicht mehr nur lederhosentragende Männer, sondern auch trachtbegeisterte Frauen.

Von der Blockchain über KI bis zum Quantencomputer

Der neue Slogan könnte also "Tablet und Tracht" lauten und die Inhalte hierfür gäbe es auch schon. Denn heute hat Ministerpräsident Markus Söder in seiner Regierungserklärung einiges zum Bereich Technologie und Internet verkündet - und dabei kaum ein gehyptes Thema ausgelassen. Das Spektrum reichte von der Blockchain über künstliche Intelligenz bis hin zum Quantencomputer. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Vorhaben vor:

Infrastruktur

Soll es in Bayern flächendenkend geben: schnelles Glasfaser-Internet

Wenn es um schnelles Internet geht, steht Deutschland auf Platz 25 der Welt. In der Fußballweltrangliste steht auf Platz 25 Costa Rica. Etwas bösartig könnte man also sagen: Deutschland ist in Sachen Internet das Costa Rica der Welt, was zu wenig ist für eine führende Technologie- und Wirtschaftsnation. Auch in Bayern gibt es immer noch weiße Flecken, in denen es kein schnelles Internet gibt und manchmal nicht einmal ein Mobilfunk-Netz. Damit soll nun Schluss sein: Bis 2025 werden alle Haushalte in Bayern an das Gigabit-Netz angeschlossen, verspricht der Ministerpräsident. Außerdem werden bis 2020 zusätzlich 1.000 Mobilfunkmasten aufgestellt, so zumindest der Plan.

Verwaltung

Seit Jahren ist die Rede davon, dass die Verwaltung digitaler und damit für den Bürger transparenter werden soll und einfacher zu erreichen. Bayern hat sich hier ein sportliches Ziel gesetzt: Die Verwaltung soll in zwei Jahren komplett digital sein. "Das digitale 'Rathaus rund um die Uhr und an jedem Ort' soll als erstes in Bayern entstehen", sagte der Ministerpräsident in seiner Regierungserklärung. Die Staatregierung werde hierfür den Kommunen mit 100 Millionen Euro unter die Arme greifen.

Blockchain

Interessant, aber auch am schwammigsten war folgender Satz aus der Rede von Markus Söder: "Außerdem beginnen wir mit Blockchain in der Staatsverwaltung." Als Blockchain bezeichnet man eine bestimmte Form von verteilter Datenbank, diese Technologie sorgte vor allem im Zusammenhang mit Kryptowährungen wie etwa Bitcoin für Furore. Bisher fehlen in Sachen Blockchain sinnvolle Anwendungen, manch ein Experte hält den Wirbel um die Blockchain-Technologie deswegen für einen Hype ohne wirkliche Substanz. Es wird deswegen abzuwarten sein, ob die Blockchain für Bayern mehr ist, als nur ein modern klingendes Buzzword.

Cloud & Quantencomputer

Als erstes Bundesland möchte Bayern eine Cloud anbieten, in der kleine und mittlere Unternehmen sensible Daten ablegen können. Der Name: BayernCloud. Dies könnte eine Alternative sein zu entsprechenden Diensten von zum Beispiel Google, Microsoft oder Amazon. Für Schulen wiederum soll die Förderung erhöht werden, um 50.000 digitale Klassenzimmer zu entwickeln, in denen die Schüler digitale Geräte nutzen können. Markus Söder: "Wir brauchen mehr Tablets und weniger Büchertaschen."

Stichwort Computer: In Garching soll ein neuer Superrechner gebaut werden, der zu den schnellsten der Welt gehören soll. Und: Man möchte mit der Entwicklung eines Quantencomputers beginnen, "das ist der Computer von übermorgen", so Markus Söder. Tatsächlich sollen Quantencomputer irgendwann um ein vielfaches schneller rechnen können, als herkömmliche Rechner. Allerdings sind Quantencomputer zurzeit noch eher etwas für das Labor, bis Otto-Normalverbraucher einen solchen Computer werden nutzen können, dürften noch einige Jahrzehnte ins Land gehen.

Künstliche Intelligenz

Kürzlich hat der französische Präsident Emmanuel Macron dem Tech-Magazin WIRED ein bemerkenswertes Interview gegeben, in dem er Frankreichs Strategie in Sachen künstlicher Intelligenz vorgestellt hat. In Deutschland ist eine solche Strategie bislang kaum zu erkennen, obwohl diese Technologie nach Auffassung vieler Experten gewaltigen Einfluss auf Arbeit und Gesellschaft haben wird. Markus Söder hat in seiner Rede auch keine umfassende KI-Strategie skizziert, aber immerhin die Wichtigkeit dieser Technologie hervorgehoben. "Bayern muss besser werden." Deswegen soll ein Kompetenznetzwerk "Künstliche maschinelle Intelligenz" gegründet werden, in dem verschiedene Hochschulen zusammengeschlossen werden.

Flugtaxis

Flugtaxi in Dubai mit Scheich Hamdan bin Mohammed al Maktoum

Viel Häme hat die neue Digitalministerin Dorothee Bär dafür einstecken müssen, weil sie in einem Interview gesagt hatte, sich auch um Flugtaxis kümmern zu wollen. Die Häme war unangebracht, denn gerade in der Digital- und Technologiepolitik ist es nicht nur richtig, sondern sogar notwendig, dass Politiker über den Tag und, noch besser, die Legislaturperiode hinaus denken. Trotzdem ist es überraschend, dass Markus Söder das Thema in seiner Regierungserklärung ansprach und ankündigte, Bayern zur führenden Pilot- und Produktionsregion für Flugtaxis machen zu wollen.

Hyperloop

Präsentation des Hyperloop-Pod-Prototypen der TU München

Eine andere Ankündigung mit einem gewissen Science-Fiction-Potenzial betrifft das Hyperloop-System. Hyperloop ist ein elektromagnetisches Schwebesystem in luftleeren Röhren, die ein wenig an Rohrpost mit Menschen erinnert. Mit dieser Technik soll es möglich werden, Passagiere mit bis zu 1.000 Kilometern pro Stunde zu befördern. In Bayern soll innerhalb von zehn Jahren die europaweit erste Referenzstrecke für dieses Hightech-Verkehrsmittel entstehen. Gut für Horst Seehofer: Denn sollte Hyperloop irgendwann Wirklichkeit werden, soll man von München nach Berlin gerade einmal 30 Minuten benötigen.


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