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Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung Studie: Vor allem Industrieländer profitieren von Globalisierung

Aus den Industrieländern kommt oft die lauteste Kritik an der Globalisierung. Doch gerade sie ziehen den größten Nutzen daraus, zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Deutschland landet unter den Profiteuren auf Platz 6.

Von: Tobias Brunner

Stand: 08.06.2018

Symbolbild: Globalisierung | Bild: picture-alliance/dpa

Donald Trump gilt nicht unbedingt als Freund der Globalisierung. Der US-Präsident setzt lieber auf Protektionismus als auf freien Handel. Immer wieder betont er, sein Land sei bei Freihandelsverhandlungen über den Tisch gezogen worden. Sein Argument, wie das anderer Kritiker: Die Globalisierung bringe vor allem Verlierer hervor.

Schweiz profitiert am meisten

Dass sich diese Aussage nicht pauschal unterschreiben lässt, zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung: der diesjährige Globalisierungsreports. Das Ergebnis: Die Globalisierung nutzt am meisten jenen Menschen, die in Industrieländern leben. Unter den Profiteuren liegt Deutschland international auf dem sechsten Platz. Spitzenreiter ist die Schweiz, vorne mit dabei sind auch Japan, Finnland, Irland und Israel. Auf den letzten Plätzen landen Russland, Argentinien, China und Indien.

Studie vergleicht insgesamt 42 Länder

Die Studie vergleicht insgesamt 42 Industrie- und Schwellenländer und misst dabei, welche Folgen ihre Vernetzung für den Wohlstand hat. Demnach nahm in Deutschland das reale Bruttoinlandsprodukt von 1990 bis 2016 dank der Globalisierung um 1.150 Euro pro Einwohner und Jahr zu. Beim Spitzenreiter Schweiz waren es 1.900 Euro, beim Schlusslicht Indien hingegen nur 20 Euro.

Einzelne Branchen benachteiligt

Die Autoren haben allerdings nur den Durchschnitt der Länder berechnet. Auch unter den Gewinnern kann sich die Globalisierung auf einzelne Branchen trotzdem negativ ausgewirken.

"Für Deutschland ist bekannt, dass zum Beispiel die Textil- und Teile der Elektronikbranche und auch einige Regionen Verlierer der Globalisierung sind."

Cora Jungbluth, Autorin der Bertelsmann-Studie

Handys zum Beispiel würden längst in Asien hergestellt und nicht mehr hierzulande.

USA landen mit Platz 25 nur im Mittelfeld

Für Aart De Geus, den Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann-Stiftung, sprechen die Ergebnisse dennoch eine klare Sprache:

"Globalisierung kann eindeutig Wohlstandsgewinne schaffen. Protektionismus ist der falsche Weg. Doch die Globalisierung muss so gestaltet werden, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Nur so können wir ihr Erfolgsversprechen einlösen."

Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung

Donalds Trump wird das in seiner Kritik allerdings kaum besänftigen. Denn die USA landen mit 445 Euro nur auf Platz 25 und damit im Mittelfeld: "Ausgehend von einem hohen Globalisierungsgrad bauten die USA ihre internationalen Verflechtungen seit 1990 kaum aus", heißt es in der Studie. Und mit Trump dürfte sich das auch künftig nicht ändern.


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