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Firma statt Rente Wenn "50Plusser" zu Unternehmern werden

Nicht alle Gründer sind jung, wenn sie sich als Gründerteam versuchen. Denn nicht das Alter, sondern die Idee und ihre Umsetzung sind entscheidend. Wir stellen zwei erfolgreiche Spätzünder vor.

Von: Reinhard Weber

Stand: 30.10.2016

Impressionen Start ups | Bild: BR

Herman Mendel aus Pyrbaum, 82, schreibt gerade seine Memoiren, denn sein Leben ist spannend. Mit 47 hat sich der gelernte Gärtnermeister als Handelsvertreter für Pflanzen selbständig gemacht. Im Rentenalter mit 70 wollte er es noch einmal richtig wissen und hat als Vorreiter der Branche einen großen Garten-Onlineshop mit Versandhandel mit 450 Artikel aufgebaut.

Er hat alles auf eine Karte gesetzt, sein Erspartes dafür investiert, denn Banken haben ihm wegen seines Alters keine Kredite gegeben. Die Pflanzen hat er alle selbst fotografiert, er hat alle Texte dazu geschrieben, sich eine spezielle Verpackung für den Versand ausgedacht mit Gebrauchsmusterschutz.

Hermann Mendel

Mit seinem Shop Garten-Mendel schlüpfte er dann um das Geschäft zu vergrößern unter das Dach der Marke Neckermann, machte einen Millionenumsatz bis zu dessen Pleite 2012. Da war Hermann Mendel 79, verkaufte dann Idee und Inhalte an eine große Baumarktkette und stieg aus.

Noch einmal durchstarten

Nils Högsdahl, Professor an der Medienhochschule in Stuttgart, beobachtet und analysiert die Start-up-Szene. Er erforscht Unternehmensgründungen. Seine Statistik: gerade im Süden Deutschlands in Bayern und Baden Württemberg gibt es viele ältere Gründer, die in der Lebensmitte oder sogar noch später durchstarten.

"Ältere Gründer minimieren meistens Risiken, und verpassen die ein oder andere Chance. Das heißt, sie wachsen nicht so weit, wie man wachsen könnte, stellen beispielsweise keine Mitarbeiter mehr ein."

Prof. Dr. Nils Högsdal, Coporate Finance, Hochschule der Medien, Stuttgart

Der Soloselbständiger

Dr. Thomas Wecker 62, ist so ein Soloselbständiger, keine Mitarbeiter, nur er selbst. Mit 40 hat er seinen sicheren IT-Job bei Siemens aufgegeben - unter Kopfschütteln der Kollegen.
Viele Jahre hat er als Webdesigner gearbeitet. Jetzt schreibt er Lehrbücher dafür, zum Beispiel wie man Webseiten für Smartphones programmiert. Dazu gibt er online Fernkurse an einer Fachschule in Hamburg, verkehrt mit den Studenten über das Internet. In seinen 20 Jahren Selbständigkeit hat er Höhen und Tiefen erlebt.

"Ich hab da auch Lehrgeld bezahlt, am Anfang hatte ich halt nur einen Kunden, BMW damals, und als das dann nicht mehr so gut lief, dann wurde es schon unangenehm. Und dann habe ich angefangen auf mehreren Beinen zu stehen."

 Dr. Thomas Wecker

Er nahm wieder eine Teilzeitbeschäftigung an. Acht Wochenstunden Informatikunterricht an einem Gymnasium. Das Modell bewährt sich seit fast zehn Jahren.
Der Lehrerjob endet mit der Rente. Als Webdesigner könnte er auch länger arbeiten, das will er abhängig machen von der finanziellen Situation.


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