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Chronik Die zehn dem NSU zugeschriebenen Morde

Der Zwickauer Terrorzelle werden zehn Morde angelastet. Acht der Opfer waren türkisch-, eines griechischstämmig. Außerdem wurde eine Polizistin getötet. Eine Chronik.

Von: Ernst Eisenbichler

Stand: 16.11.2012

  • September 2000
    Enver S. | Bild: picture-alliance/dpa

    September 2000

    Enver Simsek, Nürnberg

    Zwei Täter überraschen am 9. September 2000 den türkischen Blumengroßhändler Enver Simsek vor einem Stand am Rande Nürnbergs. Sie geben acht Schüsse aus zwei Pistolen ab und verletzen den 38-Jährigen. Er verliert das Bewusstsein, zwei Tage später stirbt er im Krankenhaus. Es ist der erste Mord, für den die Neonazis Mundlos und Böhnhardt verantwortlich sein sollen. Bei beiden Tatwaffen handelte es sich neben der in allen Fällen benutzten Česká 83 um eine nicht näher identifizierbare Pistole des Kalibers 6.35. Simsek war 1986 aus der Türkei gekommen, er galt als erfolgreicher Geschäftsmann.

  • Juni 2001
    Abdurrahim Ö. | Bild: picture-alliance/dpa

    Juni 2001

    Abdurrahim Özüdogru, Nürnberg

    Der Türke Abdurrahim Özüdogru wird am 13. Juni 2001 in einer Änderungsschneiderei in der Nürnberger Südstadt mit zwei Schüssen in den Kopf getötet. Kriminaltechnische Untersuchungen ergeben, dass die beim Mord an Simsek benutzte Česká 83 auch hier verwendet wurde. Der zum Tatzeitpunkt 49-jährige Özüdogru war 1980 nach Deutschland gekommen. Er hatte zunächst als Maschinenarbeiter gearbeitet, bevor er die Änderungsschneiderei betrieb.

  • Juni 2001
    Süleyman Tasköprü | Bild: dapd; picture-alliance/dpa

    Juni 2001

    Süleyman Tasköprü, Hamburg

    Der aus der Türkei stammende Obst- und Gemüsehändler Süleyman Tasköprü wird am 27. Juni 2001 in Hamburg-Bahrenfeld im Laden seines Vaters mit drei Schüssen ermordet. Die beiden benutzten Pistolen können als die bereits beim Mord am Simsek verwendeten identifiziert werden: neben der Česká auch die nicht identifizierte Waffe. Tasköprü war 31 Jahre alt, als er starb. Erst im April 2001 hatte er das Lebensmittelgeschäft der Familie übernommen.

  • August 2001
    Mordopfer Habil K. | Bild: picture-alliance/dpa

    August 2001

    Habil Kilic, München

    Am 29. August 2001 wird der 38-jährige Obst- und Gemüsehändler Habil Kilic im Münchner Stadtteil Ramersdorf im Laden seiner Frau mit drei Schüssen in den Kopf getötet. Im Unterschied zu den drei vorangegangenen Morden finden die Ermittler an diesem, wie an allen weiteren Tatorten, keine Patronenhülsen. Hauptberuflich war Kilic als Staplerfahrer auf dem Münchner Großmarkt beschäftigt.

  • Februar 2004
    Mehmet Turgut | Bild: dapd; picture-alliance/dpa

    Februar 2004

    Mehmet Turgut, Rostock

    Der aus der Türkei stammende Mehmet Turgut wird am 25. Februar 2004 an einem Dönerimbiss im Rostocker Ortsteil Toitenwinkel mit drei Kopfschüssen ermordet. Der 25-Jährige, der eigentlich in Hamburg lebte, war nach Rostock gekommen, um einen Freund zu besuchen. Für diesen sprang Turgut spontan als Aushilfe am Dönerstand ein.

  • Juni 2005
    Ismail Yasar | Bild: picture-alliance/dpa

    Juni 2005

    Ismail Yasar, Nürnberg

    Der 50-jährige Dönerbudenbesitzer Ismail Yasar wird am 9. Juni 2005 in Nürnberg mit fünf Schüssen in Kopf und Herz getötet. Zeugen beobachten zwei sich auffällig verhaltende Männer mit Fahrrädern in der Nähe des Tatorts. Ermittler fertigen daraufhin Phantombilder an. Bei allen anderen Morden gibt es keine Zeugen, obwohl alle Taten am helllichten Tag begangen werden. Yasar lebte seit 1978 in Deutschland. Er hatte zunächst als Schweißer gearbeitet, bevor er sich mit dem Imbissstand selbständig machte.

  • Juni 2005
    Theodoros Boulgarides | Bild: dapd; picture-alliance/dpa

    Juni 2005

    Theodoros Boulgarides, München

    Der aus Griechenland stammende Theodoros Boulgarides ist Mitinhaber eines Schlüsseldienstes. Am 15. Juni 2005 wird der 41-Jährige vor seinem Laden im Münchner Stadtteil Westend ermordet. Drei Schüsse treffen ihn in den Kopf. Boulgarides, der 1973 nach München kam, hatte das Geschäft erst zwei Wochen vor seiner Ermordung mit einem Kompagnon eröffnet. Davor hatte er mehrere Jahre für die Deutsche Bahn AG gearbeitet.

  • April 2006
    Mehmet Kubasik | Bild: picture-alliance/dpa

    April 2006

    Mehmet Kubasik, Dortmund

    Der 39-jährige Kioskbesitzer Mehmet Kubasik wird am 4. April 2006 in seinem Geschäft in der Dortmunder Nordstadt ermordet. Der Kiosk befindet sich nahe eines damaligen Treffpunkts der Dortmunder Neonazis. Kubasik war 1991 aus der Türkei nach Dortmund gekommen, wo er als kurdischer Asylbewerber anerkannt wurde. 2003 wurde er eingebürgert. Kubasik hatte keinen Beruf erlernt, der Kiosk diente als Lebensgrundlage für seine fünfköpfige Familie.

  • April 2006
    Halit Yozgat | Bild: dapd; picture-alliance/dpa

    April 2006

    Halit Yozgat, Kassel

    Halit Yozgat, Betreiber eines Internetcafés, wird am 6. April 2006 in seinem Kasseler Geschäft durch zwei Kopfschüsse getötet. Er ist 21 Jahre alt und Deutscher türkischer Abstammung. Yozgat verblutet in den Armen seines herbeigeeilten Vaters, der seinen Sohn gerade im Geschäft ablösen wollte. Zur Tatzeit befindet sich auch ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes im Internetcafé. Er wird später als mutmaßlicher Täter ins Visier der Fahnder geraten, das gegen ihn eingeleitete Ermittlungsverfahren wird jedoch eingestellt.

  • April 2007
    Bild der ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter | Bild: picture-alliance/dpa

    April 2007

    Michèle Kiesewetter, Heilbronn

    Am 25. April 2007 wird die 22-jährige Polizeivollzugsbeamtin Michèle Kiesewetter in Heilbronn mit einem gezielten Kopfschuss getötet. Ein weiterer Polizeibeamter erleidet mit einem Kopfschuss lebensgefährliche Verletzungen. Am 7. November 2011 wird das Verbrechen aufgrund von Waffenfunden dem NSU zugeordnet.


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