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Neues Gesetz zu Sprechzeiten Spahns Pläne: Schnellere Arzttermine, mehr Sprechstunden

Einen Arzttermin zu bekommen – das kann ziemlich frustrierend sein. Egal, ob in der Großstadt oder auf dem Land. Facharzttermine sind nur schwer zu bekommen und selbst bei Hausärzten muss man oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Das soll sich ändern.

Von: Katrin Schirner

Stand: 23.07.2018

Frau am Empfang in Arztpraxis | Bild: Bayerischer Rundfunk 2018

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will Ärzte dazu bewegen, mehr Termine anzubieten. Zwar arbeitet die Mehrheit der Ärzte deutlich mehr als die bisher vorgeschrieben 20 Wochenstunden für gesetzlich Versicherte. Aber in einigen Praxen investieren die Mediziner trotz Kassenzulassung ihre Zeit lieber in die Behandlung der privat Versicherten – das ist deutlich lukrativer. Deshalb will Spahn die vorgeschriebenen Sprechzeiten für gesetzlich Versicherte von bisher 20 Stunden pro Woche auf 25 ausweiten.

Mehr Sprechstunden – auch ohne Termin

Ärzte der unmittelbaren Versorgung vor Ort - wie Haus- und Kinderärzte - sollen zudem mindestens fünf Sprechstunden pro Woche ohne Terminvergabe anbieten. Minister Spahn hofft, dass diese Maßnahme wie ein "Überlaufventil" wirkt, wenn die Wartezeit auf einen Arzttermin zu lange dauert. Im Gegenzug will der Bundesgesundheitsminister Ärzte, die mehr arbeiten, auch belohnen.

"Ärzte, die neue Patienten annehmen, die mehr Patienten annehmen, die helfen, das es schneller zu Terminvergaben kommt, die sollen nicht finanziell bestraft werden, sondern eine entsprechende Unterstützung bekommen." Jens Spahn, CDU, Bundesgesundheitsminister

Krankenkassen gegen höhere Ausgaben

500 bis 600 Millionen Euro zusätzlich würde das pro Jahr kosten, schätzt der Minister. Die Krankenkassen sperren sich allerdings gegen eine Ausweitung der Ausgaben.

 "Die Ärzte erhalten pro Arztpraxis im Schnitt 380.000 Euro pro Jahr von der gesetzlichen Krankenversicherung. Mit dem Geld sollte man eigentlich ordentliche Sprechstunden organisieren können." Florian Lanz, Gesamtverband Gesetzliche Krankenversicherungen

Ausbau der Terminservicestellen

Apropos bessere Organisation: die Terminservicestellen sollen ausgebaut werden. Bisher helfen sie bei der Vereinbarung eines Facharzttermins, in jedem Bundesland gilt eine andere Telefonnummer. Über die bundesweit einheitliche Nummer 116117 soll es nach den Wünschen von Gesundheitsminister Spahn in Zukunft rund um die Uhr möglich sein, auch Hausarzttermine und Akutsprechstunden zu vermitteln.

Das würde übrigens auch helfen, die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu entlasten. Der Gesundheitsminister hofft, dass das neue Gesetz im Frühjahr 2019 in Kraft treten kann.


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KVB-Pressestelle, Mittwoch, 25.Juli, 15:08 Uhr

12. Falsche Zahlen der Krankenkassen

Zu den Aussagen von Herrn Lanz ist eine Richtigstellung notwendig: Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nicht im Durchschnitt 380.000 Euro pro Jahr an jede Arztpraxis. Diese Zahl entspricht laut dem Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) den durchschnittlichen Gesamteinnahmen einer Gemeinschaftspraxis, in der zwei und mehr Ärzte tätig sind, aus dem Jahr 2015. Nachdem nur ein Drittel aller Praxen Gemeinschaftspraxen sind, ist diese Zahl als Durchschnittswert deutlich zu hoch. Ein Arzt in Einzelpraxis hatte laut Zi-Auswertungen im Jahr 2015 lediglich Einnahmen aus der gesetzlichen Krankenversicherung von durchschnittlich 210.600 Euro. Dass es sich dabei auch nicht um den Gewinn, sondern um die Einnahmen vor Steuern und allen anderen Abgaben handelt, kann man weiter unten hier auch lesen.

PKV-Geschädigt, Dienstag, 24.Juli, 06:25 Uhr

11. Boden der Realität

@Vers.Angestellter
Ganz so leicht, wie Sie hier tun, geht der Umstieg aus der PKV in die GKV dann doch nicht!
Beamten ist dies z.B. gar nicht möglich, vielen Selbstständigen auch nicht und außerdem verweigern viele GKVs schlicht die Aufnahme. Die wollen oft auch keine Kinder mit versichern, wenn ein Elternteil privat versichert ist.
Bei der PKV muss ich nämlich, wie bei allen anderen Versicherungsarten auch, jede Person und jede Leistung und jedes Familienmitglied einzeln versichern, zu einem festen Betrag, der sich z.B. durch Teilzeitarbeit oder anderweitig geringeres Einkommen nicht ändert. Kann passieren, dass man eine Weile nur für die KV arbeitet, aber nicht raus kann.
Der GKVler gibt einen Pronzentsatz seines Lohns ab und da sind dann Kinder und Ehepartner mit drin und wenn er weniger verdient, werden denen dewesgen auch nicht die Leistungen gekürzt. Also bitte nicht dauernd meckern!
Meine PKV erhöht mal locker die Beiträge um 12% und ich habe das einfach zu zahlen!

  • Antwort von Vers.Angestellter, Dienstag, 24.Juli, 10:21 Uhr

    Das es einfach ist, habe ich nicht behauptet. Die umsteigen wollen,
    sind aber sehr erfindungsreich, dass dürfen Sie mir glauben.
    Ich finde es einfach umverschämt, sich aus der Solidargemeinschaft
    zu verabschieden und wenn es an den eigenen Geldbeutel geht, oder sich
    die Umstände verändert haben, wieder nach der Solidargemeinschaft zu schreien.
    Beamte meine ich ausdrücklich nicht !

steamtrain, Dienstag, 24.Juli, 05:31 Uhr

10. Fachkompetenz

Ein Ex-Bänker soll sich um das Gesundheitswesen kümmern, es reformieren. Schuster bleib bei deinem Leisten heißt es doch. Warum also werden immer Personen als Minister vereidigt die keine Ahnung von der Materie haben über die sie zu bestimmen haben. Hier wird wie auch sonst immer mit der Führung von Krankenkassen und Ärzte verhandelt die ihre ganz eigenen Interessen haben während über das "Fußvolk", ohne es zu befragen einfach bestimmt wird. 5 Stunden zusätzlich für freie Sprechstunden heißt auch 5 zusätzliche Stunden für den "Papierkram". Doch der Tag hat nun einmal nicht mehr als 24 h. Ein Arzt hat auch ein eigenes Leben, muß sich ständig weiterbilden. Die Kassen deckeln zudem die Zahlungen, sprich begrenzen die Anzahl der zu behandelnden Patienten. Aber woher soll das ein Bänker auch wissen wenn er die Betroffenen nicht befragt.

Cosi , Dienstag, 24.Juli, 01:56 Uhr

9. Patienten sollten auch mitdenken!

Wenn ich in meiner Einrichtung sehe wie viele Kollegen immer wieder krank sind, dann muss man auch die Schuld bei Patienten suchen.Es gibt Kollegen die sind jeden Monat mehrmals Krank und fehlen deshalb .So kommen leicht 30-50 Krankheitstage im Jahr zusammen.Auffällig sind die Monragskranken mit 1-2 Tagen. Natürlich brauchen diese auch jedesmal ein Attest.
Mein Arzt sieht mich nur zu den Vorsorgeterminen und wenn ich krank bin.Das waren bisher 5 Termine und 4 Krankheitstage.Nun ich habe keine cronische Krankheit wo ich öfter zum Arzt müsste.
Vielleicht sollten diese Patienten sich mal überlegen ob sie den richtigen Beruf haben, dass würde auch die Krankheitstage minimieren.

  • Antwort von Per, Dienstag, 24.Juli, 15:04 Uhr

    @Cosi, Sie sind ja lustig!
    Das Überlegen allein, ob man den richtigen Beruf hat, mindert die Krankheitstage noch in keinster Weise. Gut - Sie können als Überleghilfe eine Psychotherapie beginnen. Die kostet auch erst mal und braucht Zeit, um Erfolg zu zeigen.
    Gerade bei Montagskrankheiten könnte es sich auch lohnen, darüber nachzudenken, ob man die richtige Freizeitgestaltung hat.
    Wie Sie schon so schön gesagt haben: Sie haben keine chronische Krankheit. Seien Sie dankbar dafür! Und wenn Sie eine hätten, müssten Sie dies den Kollegen nicht auf die Nase binden, nur damit die mehr Verständnis haben könnten.
    Vieles andere wird im Alter auch nicht besser.
    Und wenn Sie feststellen, dass ein anderer Beruf schöner wäre? Kriegen Sie dann so schnell einen neuen? Eine Umschulung? Noch mal ein paar Jahre Ausbildung? Ein Zweitstudium? Eine Neuanstellung nach all diesen Jahren? - Vor allem dann, wenn Sie gesundheitlich angeschlagen sind?
    Sorry, aber ich finde Ihre Aussagen echt anmaßend!

Dr. mett. Wurscht, Facharzt für Formularwesen, Montag, 23.Juli, 22:43 Uhr

8. Ich bin dann mal weg...

„Johann-Magnus v. Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, begrüßt entsprechende Pläne des Bundesgesundheitsministers, lehnt aber eine zusätzliche Honorierung der ambulant tätigen Ärzte ab.“ (Quelle: GKV-Spitzenverband.de)
Damit keine Missverständnisse entstehen: Die im Artikel zitierten 380.000 Euronen sind Einkommen - nicht Gewinn. Und pro Praxis, nicht pro Arzt. Davon müssen Mitarbeiterinnen, Investitionen, Miete, eigene Krankenversicherung, Ärzteversorgung (Pensionskasse), Steuer etc. bezahlt werden. Mehr Arbeit für das gleiche Geld ist eine todsichere Methode, um den Knochenjob eigene Praxis für die jungen Kolleginnen und Kollegen NOCH attraktiver zu machen! Also Ihr Lieben: Nur zu! Ich jedenfalls werde keine Sekunde zögern, die landärztliche Bude in diesem Fall für immer zu schließen. Minister Spahn, Johann-Magnus v. Stackelberg und die ganze Verwaltungs-Mafia können dann ja meine spärliche Sprechstunde machen...