9

Astronaut im Training So bereitet sich Alexander Gerst auf seine zweite ISS-Mission vor

Am 6. Juni ist es soweit: Dann wird der deutsche Astronaut Alexander Gerst mit einer "Sojus"-Rakete zur Internationalen Raumstation abheben. Auf seiner zweiten ISS-Mission wird der 41-Jährige an vielen Experimenten beteiligt sein und auch das Kommando übernehmen. Dafür trainiert er momentan hart.

Von: Stefan Geier

Stand: 17.04.2018

Alexander Gerst zeigt das Logo seiner neuen Weltraummission "Horizons" | Bild:  picture alliance / Oliver Berg/d

Mit Alexander Gerst sprechen heißt immer: Mit Alexander Gerst zwischen zwei Trainingseinheiten sprechen. Denn sein Terminkalender ist voll in den Monaten vor seinem zweiten Flug zur internationalen Raumstation. So auch an diesem Tag beim Notfalltraining im Johnson Space Center südlich von Houston.

"Ich bin fast durch mit dem Training – das ist ein tolles Gefühl", sagt Gerst. Aber eben nur fast, fügt Gerst mit einem leicht verschmitzten Lächeln hinzu. Er wartet in der Internationalen Raumstation. Oder besser: in der Kopie. Denn sie ist hier fast in Originalgröße nachgebaut. Auch das europäische Columbus Modul, in dem Gerst etliche seiner etwa 200 anstehenden wissenschaftlichen Versuche im All machen wird.

Harte Arbeit, kein Spaziergang

Notfalltraining heißt warten - bis die Trainer hier im Simulator ein Problem einspielen. Niemals ungeduldig werden. Das ist eine Fähigkeit, die die Astronauten auch bei ihrem sechsmonatigen Aufenthalt im All brauchen.

"Ja, das wird anstrengend, so ein Aufenthalt im Weltraum. Das ist jetzt kein Spaziergang, sondern das ist harte Arbeit, jeden Tag für über ein halbes Jahr."

Alexander Gerst, Astronaut

Gerst weiß, wovon er spricht. Schließlich war er schon mal sechs Monate auf der ISS.

Gerst läuft plötzlich los. Durch die Gänge der Station, schaut auf Bildschirme, durchsucht die Lagerräume und spricht immer wieder mit seinen beiden zukünftigen Mitfahrern, der Amerikanerin Serena Auñón-Chancellor und dem russischen Kosmonauten Sergei Prokobjew. Sie suchen das Problem. Nach ein paar Minuten ist es gefunden. Aus einer Toilette tritt eine merkwürdige gelbliche Flüssigkeit aus. Sofort beginnen die Astronauten mit dem Notfallprogramm. Heißt: ein genau festgelegtes Protokoll abarbeiten. Problem finden, verstehen, die Flüssigkeit isolieren und in sichere Behälter verpacken.

Vom Training zum Ernstfall

Es hätte auch ein Druckabfall sein können, ein Feueralarm oder der lebensgefährliche Austritt des Kühlmittels Ammoniak. Trainiert wird alles, immer wieder. "Man hat natürlich, wenn es eine wirkliche Situation ist, damit zu kämpfen, dass man weiß, das ist jetzt potentiell lebensbedrohlich. Man weiß erst mal gar nicht, was das jetzt eigentlich ist. Und das verändert es, das macht es schwieriger da oben", erklärt Gerst. Da sei es gut, dass man so viel Training hat, so dass man auf eine "automatisierte Antwort" zurückgreifen könne. So wisse der Körper schon, was zu tun sei - ohne viel nachzudenken.

Schließlich kann so ein Alarm kann auch nachts um 4 Uhr passieren, wenn die Astronauten schlafen. Gerst: "Wenn man aufwacht und noch etwas benebelt ist und dann ist es besonders wichtig, dass man schnell weiß, was zu tun ist."

Dass die Notfälle kommen, weiß Alexander Gerst noch gut von seinem letzten Aufenthalt. Zwei Mal habe es Feueralarm gegeben. In einem Fall sei eine Heizspule von einem Wasserkocher durchgebrannt. "Und da haben wir wirklich auch genau das Programm abgearbeitet, da kommt das Training wirklich gut rein", erinnert sich der Astronaut.

Gerst übernimmt das Kommando

Und obwohl er dieses Training nun schon zum zweiten Mal durchläuft – eines wird doch entscheidend anders sein für den deutschen Astronauten. Neben seinen wissenschaftlichen Experimenten wird er nach drei Monaten auch das Kommando auf der Station übernehmen. Er ist dann verantwortlich für den Rest der Crew, muss sie koordinieren und somit eine extrem wichtige Rolle im All einnehmen. Eine positive Herausforderung für Gerst, der sich spürbar auf seinen Aufenthalt in der Schwerelosigkeit freut.

Bei aller Vorfreude auf den Flug in All, bei allen neuen Herausforderungen – manche Sachen fallen ihm auch schwerer als beim ersten Flug - etwa "dass man schon realisiert, dass ein halbes Jahr im Weltraum nicht so ein kurzer Sprint ist, sondern eher ein Marathon".

Das Training ist zu Ende. Am nächsten Tag geht es weiter. So bleibt es – bis zum Start der Rakete Anfang Juni. Bis dahin wird Gersts Leben im Wesentlichen zwischen zwei Trainingseinheiten stattfinden.


9

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Max , Dienstag, 17.April, 16:23 Uhr

1. einen Preis

gebt ihm bitte einen Preis für Völkerverständigung.
anders als unsere Medien und Politiker kommt er ganz normal mit den Russen klar...

  • Antwort von Wolf, Dienstag, 17.April, 18:40 Uhr

    Ich komm mit meinen russischen Nachbarn auch klar,das sind ja auch keine Ex-Agenten und heißen Putin.