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Pläne werden konkreter Seilbahn soll Lücke im Münchner Nahverkehr schließen

Eine viereinhalb Kilometer lange Seilbahn über dem Frankfurter Ring im Münchner Norden könnte in den kommenden Jahren für einen Lückenschluss im Nahverkehr sorgen. Entsprechende Pläne wurden heute in München vorgelegt.

Von: Anton Rauch und Stefanie Wagner

Stand: 11.07.2018

Die Bayerische Verkehrsministerin Ilse Aigner und der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter haben gemeinsam mit dem Vorstand der Münchner Schörghuber-Unternehmensgruppe Jürgen Büllesbach Pläne für eine Seilbahn im Münchner Norden vorgestellt. Die Seilbahn soll für eine "schnelle und umsteigefreie Direktverbindung zwischen dem Osten und dem Westen der Landeshauptstadt" sorgen.

Seilbahn wäre Teil des MVV-Netzes

Diese Seilbahn wäre laut der Projektpartner "europaweit die erste, die nicht touristischen Zwecken dienen würde, sondern in das öffentliche Nahverkehrssystem integriert werden könnte." Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, sagte, er finde die Idee einer Seilbahn spannend, weil sie ganz neue Perspektiven biete: "Eine Seilbahn könnte überraschend viele Passagiere in kurzer Zeit transportieren und wäre gleichzeitig schnell und verhältnismäßig kostengünstig zu realisieren. Zu unserer bereits gestarteten Offensive für den Öffentlichen Nahverkehr, mit neuen U- und Trambahnlinien und Expressbus-Routen gehört auch, neue Mobilitätsformen zu prüfen und München für die Zukunft gut aufzustellen." so Reiter. Damit wäre die Seilbahn ein Verkehrsmittel im MVV.

Vier Seilbahn-Haltestationen im Entwurf

Das Projekt wurde von der Schörghuber Unternehmensgruppe vorgeschlagen. Die Teststrecke soll die Umsetzbarkeit einer Seilbahn im urbanen Raum nachweisen und zeigen, wie städtebauliche und projektspezifische Herausforderungen gemeistert werden könnten - heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung der Projektpartner. Nach den Plänen könnten vier Stationen auf der Strecke entstehen, die alle Anschlüsse an bereits bestehende U-Bahn- und Tram-Strecken hätten: Von der östlichen Endstation Studentenstadt (Anschluss an die U6) ginge es zur ersten Zwischenstation Schwabing Nord mit Anschluss an die Tram 23. Im weiteren Verlauf könnte die Station Frankfurter Ring mit Anschluss an die U2 erreicht werden. Das Ende der Strecke könnte schließlich die Station Oberwiesenfeld bilden, mit Anschluss an die U3. Die beiden Zwischenstationen könnten über dem Straßenraum errichtet werden.

Die gesamte, 4,5 Kilometer lange Strecke Oberwiesenfeld nach Studentenstadt würde die Seilbahn in 15 Minuten zurücklegen. Etwa 4000 Fahrgäste könnten so pro Stunde befördert werden, pro Kabine 32 – ohne Stau und Verspätungen. Die Kosten würden sich Stadt und Freistaat teilen, auch der Bund soll mitfinanzieren. Die reine Bauzeit schätzt Oberbürgermeister Reiter auf gut zwei Jahre, deutlich kürzer also als vergleichbare Verkehrsprojekte. "Eine Seilbahn hat gleich mehrere charmante Ecken: Sie fährt weitestgehend lautlos, sie hat keine Emissionen und ist natürlich schon etwas, was eine Hightech-Stadt wie München ganz gut verträgt", erklärte Reiter.

Münchner Stadtrat will Seilbahn-Pläne prüfen

Bislang handelt es sich um eine Ideenskizze, die nun von den zuständigen Stellen geprüft und dem Stadtrat vorgelegt werden soll. Auch für andere bayerische Städte wie Würzburg, Augsburg oder Regensburg werden kleinere Seibahnprojekte diskutiert. "Jede kreative Idee, die uns hilft, Verkehrsinfarkte zu verhindern, verdient eine ernsthafte Prüfung", erklärte Verkehrsministerin Aigner bei der Vorstellung des Projekts. Die bisher vor allem im alpinen Raum und bei besonders großen Höhenunterschieden eingesetzten Seilbahnen rücken in letzter Zeit weltweit verstärkt in den Blick der Verkehrsplaner auch in Städten.


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