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Sekte scheitert in Straßburg Wegnahme von Kindern der Zwölf Stämme kein Menschenrechtsverstoß

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) sieht keine Menschenrechtsverletzung im Fall des Sorgerechtsentzugs bei der Sekte Zwölf Stämme. Vier Familien hatten in Straßburg geklagt.

Von: Judith Zacher

Stand: 22.03.2018

Außenansicht des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg | Bild: picture-alliance/dpa/Alexander Stein

Das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens der Europäischen Menschenrechtskonvention ist aus Sicht der Richter durch die Trennung der Eltern von den Kindern nicht verletzt worden. Denn, so begründet der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sein Urteil, nur so hätten die Behörden die Kinder schützen können. Die Eltern hatten ihre Kinder regelmäßig mit der Rute geschlagen – und wollten von ihren brutalen Erziehungsmethoden auch nicht ablassen.

Gericht: Kinder unmenschlich und erniedrigend behandelt

Deshalb sei das Risiko zu hoch, dass die Kinder weiterhin systematisch und regelmäßig körperlich gezüchtigt würden, wenn sie bei ihren Eltern blieben. Eine solche unmenschliche und erniedrigende Behandlung aber sei durch die Europäische Menschenrechtskonvention verboten.

Selbst wenn die Eltern sich bereit erklärt hätten, ihre Kinder nicht mehr zu schlagen, hätten das möglicherweise andere Mitglieder der Gemeinschaft übernommen. Aus diesem Grund hätten die deutschen Gerichte, die jeden Einzelfall geprüft haben, mit ihren Entscheidungen eine richtige Abwägung zwischen den Interessen der Eltern und dem Wohl der Kinder getroffen. Die deutschen Gerichte hätten detaillierte Gründe genannt, dass man die Kinder anders nicht hätte schützen können.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

42 Kinder aus Klosterzimmern und Wörnitz aus Familien genommen

Den Eltern war nach einer Razzia im September 2013 teilweise das Sorgerecht entzogen worden, 42 Kinder wurden zu Pflegeeltern und in Heime gebracht. Die Sekte hatte Niederlassungen in Klosterzimmern bei Nördlingen in Schwaben und in Wörnitz bei Ansbach in Mittelfranken.

Es folgte eine Reihe an Gerichtsprozessen – einige Kinder durften zurück, entweder, weil höhere Instanzen das so entschieden, oder, weil sie volljährig waren. Heute leben noch sieben Kinder getrennt von ihren Eltern bei Pflegefamilien, teilte das Landratsamt Donau-Ries auf BR-Anfrage mit. Vier Familien hatten in Straßburg geklagt. Die Kinder einer Familie sind bereits zurück bei den Eltern. Vier Kinder der drei anderen Familien sind noch in staatlicher Obhut. 

Die Sekte verließ Bayern vor gut einem Jahr und zog nach Tschechien.


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Selim, Donnerstag, 22.März, 15:39 Uhr

8. Vergleich

Es gibt hier eine Religion, deren Mitglieder mit dem Tod bestraft ( bedroht ) werden, wenn sie dieser Religion den Rücken kehren wollen.
Solche Leute bekommen in Deutschland manchmal Polizeischutz.
Manchmal werden sie auch getötet - hier bei uns, im friedlichen Deutschland!

Natürlich hebt das eine Unrecht das andere nicht auf. Unrecht kann man nicht aufrechnen. Man sollte es verhindern..

Barbara, Donnerstag, 22.März, 14:59 Uhr

7. Erziehungs-Methoden, die Gewalt anwenden, können sich nicht auf das Evangelium

berufen, weil nirgends im Evangeliujm von Gewalt-Anwendung die Rede ist.

Squareman, Donnerstag, 22.März, 14:02 Uhr

6. Gut so.

Da sieht man mal wieder, Religionsfreiheit hat anscheinend doch Grenzen. Vielleicht sollte man auch anderen Religionen Grenzen setzen.

  • Antwort von Oliver M., Donnerstag, 22.März, 15:01 Uhr

    Wieso? Die Grenzen sind für alle eh schon gleich! Oder was konkret hätten Sie bei welcher Religion gerne eingeschränkt? Oder ist das ein subtiler Angriff gegen die ach so böse katholische Kirche?

    Wobei, stimmt schon!
    - Beschneidung von Buben = Körperverletzung und Verstümmelung,
    - Verschleierung von Frauen = Diskriminierung.
    Wird beides aber sogar in Deutschland unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit geduldet. Da passt was nicht ...

  • Antwort von faktendiver, Donnerstag, 22.März, 15:01 Uhr

    @ Squareman:

    Welche "anderen Religionen" können ohne irgendwelche gestzlichen Grenzen in Deutschland tun und lassen was sie wollen? Bitte nennen Sie konkrete Namen. Alles andere ist nur populistische Hetze und klingt wenig intelligent.

  • Antwort von winfried, Donnerstag, 22.März, 17:13 Uhr

    @Oliver M. ... >>Beschneidung von Buben = Körperverletzung und Verstümmelung,<< ... davon sind in DE mindestens zwei Religionen betroffen.
    @Squareman ... Meines Wissens wurden für die "Gebräuche" - Knaben-Beschneidung und Tiere-schächten - die Gesetze passend "gemacht".
    Wenn ich Ihnen jetzt die betreffenden Religionen nennte, käme ich in den Verdacht "islamophob" UND "antisemitisch" zu sein. Darum lass' ich das.

  • Antwort von Squareman, Donnerstag, 22.März, 17:54 Uhr

    @faktendiver Die Liste würde aber lang. Aber fangen wir mal an. Keine Kriegspropaganda in Moscheen. Keine Hassprediger in Moscheen. Keine rituelle Beschneidung bei Jungs, das ist und bleibt Körperverletzung., wurde in Deutschland aber erlaubt. Schächten ist aus religiösen Gründen erlaubt, wieso werden da Ausnahmen beim Tierschutz gemacht. Keine Sonderrechte der katholischen Kirche bei den Arbeitnehmerrechten. Trennung von Kirche und Staat nicht nur auf dem Papier . Der Islam kennt keine Religionsfreiheit, ein Muslim der zu einer anderen Religion wechseln wird zumindest mit dem Tode bedroht. Der Islam nimmt aber bei uns die Religionsfreiheit für sich in Anspruch. Usw usw usw

Helga, Donnerstag, 22.März, 13:05 Uhr

5. Danke für dieses Urteil

Ich kenne ein Kind von den 12 Stämmen Das lebt bei einer tollen Pflegefamilie ist im Ort integriert und GLÜCKLICH !

Es wollte von Anfang nicht mehr zurück !

Georg L. , Donnerstag, 22.März, 12:59 Uhr

4. Gutes Urteil

Über dieses Urteil bin ich wirklich froh. Derartig fanatische Menschen richten unermessliches Unheil in den Kinderseelen an. Unglaublich finde auch, dass so eine mittelalterlich eingestellte Sekte in Deutschland so lange ihr Unwesen in Bayern treiben durfte.