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In Schwaben Wegen Hitze: Seltene Bachmuscheln in Gefahr

Temperaturen über 30 Grad - die brütende Hitze lässt kleine Bäche austrocknen. Darunter leiden nicht nur Fische, sondern auch eine vom Aussterben bedrohte Art: Die Bachmuschel. Um sie zu retten, werden jetzt ungewöhnliche Maßnahmen ergriffen.

Von: Judtih Zacher und Andrea Trübenbacher

Stand: 02.08.2018

 Bachmuschel, Kleine Flussmuschel | Bild: picture alliance/WILDLIFE

Die Bachmuschel hat es nicht leicht - ohnehin gibt es sie nur noch sehr selten in Bayern, sie steht auf der "Roten Liste" für gefährdete Arten. Und in diesem Sommer muss sie wegen der großen Hitze einmal mehr ums Überleben kämpfen. Im Landkreis Dillingen bekommt sie jetzt Hilfe.

Wasser für die Muscheln

Jede Nacht wird derzeit von einem Hydranten in Unterliezheim Wasser in den Nebelbach geleitet. Der Bach wäre sonst inzwischen völlig ausgetrocknet, sagt Susanne Kling von Donautal Aktiv. Die Bayerische Rieswasserversorgung stellt hierfür Trinkwasser zur Verfügung stellen. Gerne tut man das nicht, so Kling. Die Maßnahme sei ein absoluter Notbehelf, da die extra angelegten Rückhaltebecken bereits leer seien. Allein im Nebelbach gibt es mehrere hundert Exemplare der Bachmuschel. Einige sind bereits verendet, sagte Bachmuschelbetreuer Leonhard Schaudi dem BR. Er und seine Kollegen sind täglich an den Gewässern unterwegs, kontrollieren Kloster-, Brunnen- und Nebelbach.

Biberdämme geöffnet

Auch bei Eppisburg (Holzheim) haben sich im sogenannten "Storchenbiotop" Muscheln angesiedelt. Dort lebt die - nicht ganz so seltene - Teichmuschel. Weil die Gräben fast ausgetrocknet sind, hat das Landratsamt Dillingen eine besondere Maßnahme ergriffen: Zwei Biberdämme wurden geöffnet, damit wieder Wasser in das etwa ein Hektar große Biotop fließen kann. Für's Erste hat das geholfen. Hält die Hitze allerdings an, könnte es schwierig werden für die Teichmuschel.

Wassermangel auch im Allgäu

Doch nicht nur in Nordschwaben, sondern auch in den Unterallgäuer Bächen leiden die Bachmuscheln unter der Trockenheit. Vor allem die Muscheln im Stockerbächle bei Sontheim sind betroffen, sagte Michael Schneider vom Landschaftspflegeverband dem BR. Sie haben sich in die Gumpen, also Wasserlöcher, zurückgezogen oder in den Schlamm eingegraben. Im Schlamm überleben sie allerdings nur wenige Tage.

In die Bäche jetzt Trinkwasser einzuleiten, wie im Landkreis Dillingen, lehnt Michael Schneider aber ab - es sei nicht nachhaltig. Besser sieht es für die Bachmuscheln in den Gewässern rund um Erkheim, im Winterrieder Ried und in der Scharlach aus. Hier ist noch genug Wasser vorhanden und die Weichtiere haben gute Überlebenschancen.


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