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Mangel an Hallenbädern Wasserwacht in Not: Zu wenig Training für Rettungsschwimmer

Rettungsschwimmer der Wasserwacht müssen im Winter regelmäßig in Hallenbädern trainieren, um im Sommer fit zu sein, wenn sie an Seen ihren Dienst tun. Mittlerweile gibt es dafür aber zu wenig kommunale Schwimmbäder.

Stand: 12.04.2018

Ein Teil der Wasserwacht Ortsgruppe Füssen beim Schwimmtraining in Nesselwang. Vorne links Max Achatz, Technischer Leiter der Wasserwacht Füssen, vorne rechts Madita Lang, stellvertretende Vorsitzende Wasserwacht Bayern. | Bild: BR/Katharina Reichart

Training der Füssener Wasserwacht: Immer wieder müssen die Ehrenamtlichen üben, wie sie Ertrinkende retten können: ziehen, schleppen, schieben - es gibt verschiedene Rettungsgriffe, gleichzeitig müssen sie genügend Kondition dafür haben.

"Auch wenn man im Wasser leichter ist, man braucht trotzdem die Kraft in den Beinen."

Max Achatz, Vorsitzender der Wasserwacht Füssen

Die Wasserwacht Füssen trainiert viel zu wenig

Deswegen sollten die Rettungsschwimmer jetzt vor der Badesaison so viel wie möglich trainieren. Doch das ist kaum möglich. Das Bad in Füssen hat seit 2005 geschlossen, die frühere Trainingsmöglichkeit in Pfronten gibt es auch nicht mehr. Die Füssener können nur einmal in der Woche für eine Stunde ins Nesselwanger Schwimmbad.

"Früher haben wir immer knapp 2, 2,5 Stunden in der Woche gehabt, ob es in Pfronten war oder in Füssen, jetzt haben wir nur noch eine Stunde, das ist viel zu knapp zumal auch noch Badebetrieb ist."

Max Achatz, Vorsitzender der Wasserwacht Füssen

Immer mehr Hallenbäder schließen

Füssen ist da kein Einzelfall kritisiert Madita Lang aus Marktoberdorf. Über 500 Ortsgruppen gibt es in ganz Bayern, viele haben mit diesem Problem zu kämpfen, sagt die stellvertretende Vorsitzende der Wasserwacht in Bayern.

"Es schließen immer mehr Bäder, ungefähr 300 sind auch sanierungsbedürftig in Bayern. Und für uns ist es immer schwieriger, Möglichkeiten zu finden für Training. Und dann es ist natürlich auch eine Sache des Geldes, der Fahrtkosten, der ganzen Organisation, was es für uns natürlich nicht leichter macht."

Madita Lang, stellvertretende Vorsitzende der Wasserwacht in Bayern

Der Aufwand für das Training der Wasserwacht wird immer größer

Die Füssener fahren einfach knapp 20 Kilometer nach Nesselwang. Ein zeitlicher und finanzieller Aufwand für die Ehrenamtlichen - für eine Stunde Training, das aber so wichtig ist. An die bevorstehende Badesaison, in der die Füssener wieder regelmäßig Dienst an Forggen- und Bannwaldsee schieben müssen, denkt Max Achatz nicht gerne: "Man würde schon gerne 1, 2, 3 mal in der Woche auch mehrere Stunden trainieren, dass die Leute fit sind, dass sie wissen was sie machen, es ist schade, dass das nicht mehr geht."

Die Wasserwacht stellt Forderungen an die Politik

Die Wasserwacht Bayern hat deshalb gemeinsam mit Schwimmvereinen der Staatskanzlei einen Besuch abgestattet, um über die prekäre Situation zu informieren. "Wir haben mehrere Forderungen, zum Einen der Bereich Bäder, dass es wieder mehr gibt, dass die auch finanziell unterstützt werden, dass wir da reinkönnen, aber natürlich ist auch die Forderung jetzt zum Beispiel an den Lehrerverband, im Bereich der Schulen, dass auch da wieder verbindlich Schwimmen gegangen wird," sagt Madita Lang

Staatsregierung auf der Suche nach Geld für Schwimmbäder

Doch auch dafür braucht es Schwimmbäder, die gut und schnell zu erreichen sind. Um das Problem zu lösen, hat die Staatsregierung daher eine Arbeitsgruppe Schwimmbadförderung gegründet. Die soll ausloten, wo Geld für die Sanierung der Bäder herkommen könnte und ob es möglich ist, bestehende Bäder zum Beispiel auszubauen. Ein Ergebnis gibt es bislang allerdings noch nicht.


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