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Liftpläne am Riedberger Horn Kabinett will Bürger vor Ort entscheiden lassen

Um das geplante, neue Skigebiet am Riedberger Horn im Allgäu zu ermöglichen, stellt die Staatsregierung eine Änderung des Landesentwicklungsprogramms in Aussicht. Voraussetzung ist ein positives Votum der Bürger in Obermaiselstein und Balderschwang.

Von: Hans Häuser

Stand: 19.07.2016

Jungvieh am Riedberger Horn | Bild: Gästeinformation Obermaiselstein

Sollten sich die Menschen vor Ort für die Skischaukel aussprechen, wird das Heimatministerium im Auftrag des Kabinetts die notwendigen Schritte zur Änderung der Zonenabgrenzungen am Riedberger Horn sowie am Wannenkopf einleiten. Alternativ soll eine Änderung des Landesentwicklungsprogramms mit dem Ziel geprüft werden, im Alpenplan C Seilbahnen, Lifte und Skiabfahrten landesplanerisch unter bestimmten naturschonenden Voraussetzungen zu ermöglichen.

"Wenn sich die Bürgerinnen und Bürger in den Gemeinden Obermaiselstein und Balderschwang für das Skigebiet aussprechen, werden wir eine Änderung des Landesentwicklungsprogramms einleiten. Klar ist dabei, dass die Belange des Naturschutzes berücksichtigt werden. Denn wir wollen den Menschen vor Ort helfen, ohne die Natur zu zerstören."

Heimatminister Markus Söder

Söder sagte, man unterstütze das Anliegen der Menschen vor Ort. Der Alpenraum sei Naturraum, aber auch Lebensraum. Das Projekt ist hoch umstritten, weil die Staatsregierung für den Bau der Skischaukel einen Eingriff in einen streng geschützten Bereich der Alpen ermöglichen müsste.

Mögliche Lösungswege

Seehofer hatte gestern in einem Interview mit dem BR die Überlegungen zu dem Thema angerissen. So könnte eine naturbelassene Buckelpiste eine Möglichkeit sein, den natürlichen Zustand des Berges in etwa zu erhalten. Auch die Eingriffe durch die geplante Seilbahn beschrieb Horst Seehofer. Für die Masten müsse kein Wald gerodet werden, sagt er.

"Wenn jemand ein lokales Anliegen hat und maßgebliche Landtagsabgeordnete das Anliegen unterstützen, und zwar nachdrücklich seit vielen Monaten, dann ist es die Aufgabe einer Regierung, ernsthaft zu überlegen, wie man solche Wünsche erfüllen kann."

Ministerpräsident Horst Seehofer

Natürlich dürfe man den Naturschutz dabei nicht auf den Kopf stellen, sagte Seehofer.

Geteilte Reaktionen nach der Entscheidung

Der Obermaiselsteiner Bürgermeister Peter Stehle freut sich über den Kabinettsbeschluss

Das Skigebiet Grasgehren und die Gemeinden Obermaiselstein und Balderschwang begrüßen den Ausbau. Sie halten eine geplante Liftverbindung für zwingend notwendig, um zukunftsfähig zu sein. Der Landesbund für Vogelschutz hat allerdings angekündigt, im Fall einer positiven Bürgerbefragung gegen den Bau der Skischaukel zu klagen.

DAV-Vizepräsident Rudolf Erlacher zufolge komme die Genehmigung der Skischaukel einer Abschaffung des Alpenplans gleich. Er kritisiert bereits die geplante Befragung.

"Was nach Bürgerbeteiligung klingt, ist in Wahrheit eine Nebelkerze. Die Bürgerbefragung soll verschleiern, dass sich die Bayerische Staatregierung in eine Klemme manövriert hat, aus der sie alleine nicht mehr herauskommt."

Rudolf Erlacher, DAV-Vizepräsident

Streit um das Riedberger Horn

Über das Riedberger Horn im Allgäu wird schon lange gestritten. Seit 1968 gibt es die Pläne, das kleine Skigebiet Grasgehren zu erweitern. Alle Naturschutzverbände lehnen das Vorhaben strikt ab. Der Deutsche Alpenverein betrachtet die am und um das Riedberger Horn gefundenen Regelungen zum naturverträglichen Tourengehen als modellhaft. Insgesamt über vier Kilometer neue Skipisten und eine gut 1,5 Kilometer lange Kabinenbahn würden großteils durch das von der Kernzone C geschützte Gebiet führen.


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Gerald Allgaier, Mittwoch, 20.Juli 2016, 09:26 Uhr

21. Was für eine Farce

Da stiehlt sich der Landtag jämmerlich aus der Verantwortung. Die Bürger vor Ort, also die mutmaßlichen Nutznießer, darüber entscheiden zu lassen, ob gebaut wird oder nicht ist so, als ob man die Bürger eines Ortes darüber entscheiden ließe, ob sie von der Steuer befreit werden.
Die Abgeordneten sind gewählt um solche Dinge zu entscheiden und dann dafür gerade zu stehen. Nichts gegen direkte Demokratie, Bürgerentscheide sind manchmal ein gutes Mittel eine Entscheidung herbei zu führen, in diesem Fall ist die Abstimmung nur das Herausstehlen aus der Verantwortung.

Hans Rebhuhn, Mittwoch, 20.Juli 2016, 08:03 Uhr

20. Riedberger Horn

Ach Gott, was für ein Drama. Es würde mich mal interessieren, wie viele Allgäuer hier schreiben. Nur die sind doch unmittelbar davon betroffen. Jetzt gibt es einen Bürgerentscheid. An den muss man sich übrigens nicht halten - siehe 3. Startbahn. In Sachen Flughafen-Ausbau wird übrigens auf MENSCHEN keine Rücksicht genommen, da macht sich der Bund Naturschutz nicht so in die Hose.

AllgäuFreund, Dienstag, 19.Juli 2016, 22:55 Uhr

19.

Was man mal bedenken sollte, eine intakte reizvolle Natur ist nicht nur für den Menschen von grundlegender Bedeutung gerade auch was das Bestehen und die Gesundheit angeht nein sie ist auch etwas nachhaltiges und sehr wertvolles. Ist die Natur mal zerstört lässt sie sich nicht wieder in den ursprünglichen Zustand versetzen man kann sie maximal wieder zu einem der Ursprünglichkeit nahen Zustand hin entwickeln. Ich finde das auch manche Lokalpolitiker und Tourismusfachleute im Allgäu da zunehmend falsche Prioritäten setzen und sich auf einen immer mehr fragwürdigen Wettbewer einlassen, wer hat die besten tollsten udn sensationallsten Attraktionen. Dieser Trend ist nicht wirklich vorteilhaft und setzt falsche Ziele. Der wichtigste Schatz des Allgäus wie in vielen Teilen Bayern ist die sehr reizvolle und gepflegte Natur. Das hat Bestand. Während man bsp. bei Skigebieten davon ausgehen muss, dass diese schon Klimabedingt keine große Zukunft haben. Das sollte man berücksichtigen.

Waldgott Gottwald, Dienstag, 19.Juli 2016, 22:12 Uhr

18. Meine Worte...

"Wenn sich die Einwohner gegen die Natur entscheiden sollten, bleibt man als Skitourist oder Bergwanderer der
Region (leider) einfach fern.
Was meint ihr, wie schnell sich das dann umkehrt, falls keine Touristen mehr dorthin kommen?"

Finger weg vom Riedberger Horn! Wenn diese Skischaukel gebaut wird, komm ich nie wieder hierher zum Urlaub machen!!!

  • Antwort von Ernst Kunkel, Donnerstag, 21.Juli, 09:56 Uhr

    Ich kann dem Kommentar vom Walter Wolf nur zustimmen.
    Bleiben Sie nur weg, dafür kommen andere für die das Skigebiet wieder interessant ist.
    Übrigens ich komme seit 1992 regelmäßig nach Balderschwang und konnte feststellen, dass derade die Tourengeher in dem so geschützten Gebiet bei den Tieren für Unruhe sorgen.

  • Antwort von Gier frisst Hirn, Donnerstag, 21.Juli, 22:59 Uhr

    @ Kunkel: Haha, Skigebiet. In ein paar Jahren könnt ihr froh sein, wenn ihr nicht von Murenabgängen verschüttet werdet. Nix Schnee, dafür Dauerregen.

Walter Wolf, Dienstag, 19.Juli 2016, 21:43 Uhr

17. Skigebiet Grasgehren -Balderschwang

Diese Liftverbindung ist längst überfällig. Grasgehren und Balderschwang beweisen seit vielen Jahren professionellen Umgang und Verantwortungsbewusstsein. Mit diesem geplanten Projekt wird der teilweise gefährliche und sicher überhaupt nicht umweltschonende Pkw und Busverkehr deutlich zurückgehen. Das Skigebiet erfährt eine deutliche Aufwertung und wird für viele treue Familien auch in Zukunft interessant bleiben. Für die Menschen im Allgäu , vor allem für die vielen jungen Leute, ist dieses Projekt richtungsweisend für deren Zukunft. Alle, vor allem externe Kritiker, sollten mal darüber nachdenken. Ich begrüße es ausdrücklich, dass eine Landesregierung mit Vernunft und Weitsicht die Dinge angeht. Die Allgäuer kennen ihre Berge und pflegen die Natur seit Generationen. Ich bin seit 30 Jahren Gast im Allgäu und kann aus Erfahrung berichten. Leider wurde ich auch schon von " sogenannten" Umweltschützern am Riedberger Horn belehrt worden. Echte Argumente hatten die keine...
Walter WOLF Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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  • Antwort von bergundtal, Donnerstag, 21.Juli, 20:22 Uhr

    Ich stimme ihnen voll zu. Die vielen Nörgler hier kommen nicht vor Ort, meinen aber hier mitreden zu müssen in einer Angelegenheit was ihnen nichts angeht.
    Die sogenannten Umweltschützern haben noch nie wirkliche Argumente gehabt die sind immer nur dagegen wie z.B. der DAV der hält sich aber auch oft nicht an den Naturschutz - komisch wo sind da dann die Umweltschützer. Achja die gehören ja irgendwie zusammen - kein Wunder das man da nicht laut schreit was der DAV alles so anstellt.

  • Antwort von Naturschutz geht uns alle an, Donnerstag, 21.Juli, 22:56 Uhr

    Umweltschutz geht alle an, nicht nur ein paar Hansel vor Ort. In ein paar Jahren sind eure Skilifte und Pisten sowieso nutzlos, denn dann kommt nur noch Regen und kein Schnee. Wenn ihr Pech habt, werden dann Teile der Orte von Muren verschüttet, in Ermangelung eines Bergwaldes. Aber dann könnt ihr ja wieder nach Hilfe von der öffentlichen Hand schreien.