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Nach dem Zugunglück Politiker fordern Überprüfung der Bahnstrecke in Aichach

Zwei Tage nach dem Zugunglück in Aichach ist die Bestürzung in der Region noch immer groß. Gleichzeitig werden in der Politik die Forderungen lauter, die Sicherheit auf der Bahnstrecke zu überprüfen.

Von: Veronika Scheidl

Stand: 09.05.2018

Zugunglück in Aichach | Bild: Bayerischer Rundfunk 2018

Die Bahnstrecke, auf der sich das Unglück ereignete, ist zum großen Teil eingleisig. Klaus Metzger, der Landrat von Aichach-Friedberg, drängt jetzt darauf, dass die Sicherungstechnik dort überprüft wird. Er sagte dem BR:

"Ich würde noch nicht so weit gehen, gleich einen zweigleisigen Ausbau zu fordern. Auch wenn das natürlich wünschenswert wäre, denn die Achse Augsburg-Ingolstadt ist eine wichtige Verkehrsachse für das Wittelsbacherland. Wir müssen die Sicherheitsvorkehrungen ansehen und schauen, ob manuelles Stellen der Gleise und Weichen noch Stand der Technik ist."

Klaus Metzger, Landrat von Aichach-Friedberg

Politiker fordern Investitionen in die Sicherheit

Ähnlich äußerte sich der Landtagsabgeordnete Peter Tomaschko von der CSU. Er erklärte, dass die Sicherheit an oberster Stelle stehe - aber alleine der Ausbau zu zwei Gleisen würde nicht ausreichen für mehr Sicherheit. Nötig sei vielmehr eine bessere und modernere Stellwerkstechnik.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr, die selber oft mit dem Zug auf der betroffenen Strecke unterwegs ist, sieht ebenfalls Handlungsbedarf:

"Natürlich wären zwei Gleise besser, aber Zweigleisigkeit erreichen wir nicht von heute auf morgen."

Simone Strohmayr, SPD-Landtagsabgeordnete

Darum sei es erforderlich, Warnsysteme aufzubauen, diese könnten schneller und zeitnäher realisiert werden. "Die Menschen an den Schaltanlagen müssen durch technische Warnsysteme unterstützt werden", sagte Strohmayr. Gleichzeitig forderte sie, dass der gesamte öffentliche Nahverkehr mehr in den Fokus der Politik rücken müsse. "Die Straßen in der Region um Augsburg und München sind verstopft, deswegen müssen wir den Nahverkehr zügig und schnell ausbauen und alles tun, damit er sicherer, komfortabler und günstiger wird."

Das sagt der Aichacher Bürgermeister

Der Bürgermeister von Aichach, Klaus Habermann, möchte das Zugunglück in Aichach nicht mit politischen Forderungen verknüpfen. Er kann sich allerdings durchaus vorstellen, die Bahnstrecke technisch nachbessern zu lassen. Dem BR sagte er: "Es ist immer wieder (…) davon gesprochen worden, die gesamte Strecke zu elektrifizieren – nur, ich denke, das sollte man jetzt nicht an so einem schlimmen Unfall festmachen."

Habermann betonte, dass es auf der Strecke, jahrzehntelang keine Unfälle gegeben hatte: "Wichtig ist, dass man alles dafür tut, um Wiederholungen von so schlimmen Unfällen zu vermeiden und zu verhindern."

Der SPD-Politiker sieht die Bahn jetzt in der Pflicht:

"Dass die Bahn Nachholbedarf hat, ist außer Frage. Man sollte sich nichts vormachen, auch Technik kann fehlen, es gibt auch technische Fehler, es gibt Störungen, es gibt menschliches Versagen, das sich dann wieder auf Technik auswirkt. Tausendprozentige Sicherheit wird es bedauerlicherweise nie geben."

Klaus Habermann, Bürgermeister von Aichach

Der Bürgermeister geht davon aus, dass die Bahn den Unfall analysieren und hoffentlich auch entsprechende Maßnahmen daran knüpfen werde. Er weiß aber auch, "sowas ist von heute auf morgen einfach nicht machbar."


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Jürgen Martin, Sonntag, 13.Mai, 07:43 Uhr

12. In Bahn wird zu wenig investiert, In Straßen viel zu viel!!!

Ja, wieder haben wir den Beweis, dass unsere Auto-Politiker ständig Mist bauen, in dem sie zu viel in die Straßen investieren und in die Bahn viel zu wenig. Nur Blödsinn wie Gigaliner oder autonomes Fahren haben die im Kopf und im Bahnbereich wird immer gespart. So etwas kann man nicht verantworten. Endlich muß es eine Trendwende im Verkehr geben, zugunsten des Schienenvekehrs. Trotzdem ist die Bahn das sicherste Verkehrsmittel, denn auf der Strasse gibt es täglich viele Tote und Verletzte.

Wolfgang, Freitag, 11.Mai, 13:08 Uhr

11. Prioritäten...

Wenn an einer Feldwegbrücke ein irrer PKW-Fahrer in den Bach plumpsen könnte, Aleinunfall selbstverschuldet, dann werden Leitplanken angebaut.

Aber 120 Jahre alte Stellwerkstechnik aus der Zeit in der Güterzüge mit 40km/ und EILzüge 60km/h fuhren lässt man.

Das Schadenspotential aber mit 8-mal Doppelstock und 1400 Personen bei 120km/h und Chemiekesselwagenzüge mit 2000t gefährlichster Güter, das lässt man auf dem Stand von 1895....

Wolfgang, Freitag, 11.Mai, 13:00 Uhr

10. Markt-Schwaben-ampfing, München-Mühldorf ist viel schlimmer!

Die Stellwerke in Weidenbach, Schwindegg, Thann-Matbach oder Hörlkofen dort haben kein "Gedächtniss" dafür ob und auf welchem Gleis dort ein Zug im Bahnhof steht.. Es ist allein die Sorgfalt der örtlichen Fahrdiesntleiter die verhindert dß ein Zug mit 8 vollbesetzten Doppelstockswaggons ( 1400 Personen ) mit 120km/h auf einen Kesselwangenzug prallt mit 20-mal 60 t gefährlichster Cemikalien. Gekennzeichnet mit "flüssig, toxisch, explosiv, brennbar ätzend". Manche Züge in Doppeltraktion auch 40 Kesselwagen....

Ein Grund nicht auf den Ausbau in 10 oder 15 Jahren zu warten sondern UNVERZÜGLICH dort die Sicherheitslage zu erhöhen, z.B. mit sofortiger Doppelbesetzung der Fahrdienstleiterposten, die doppelt Gleisfreiprüfungen selbst ausühren und protokollieren.

Real mehr Verantwortung als die Doppelbesatzung eines A380 mit 650 Passagieren dort in den Stellwerken ein Mensch allein und einsam!

Barbara, Donnerstag, 10.Mai, 14:09 Uhr

9. Wenn der Stellwerks-Leiter erst anfang Zwanzig war, wie zu lesen war,

dann ist er für eine solch verantwortungsvolle Position viel zu jung. Verantwortungsbewußtsein und Lebenserfahrung muß sich jeder Mensch erst im Laufe seines Lebens erwerben. Auch beim Zug-Unglück in Bad Aibling war der Stellwerks-Leiter nicht verantwortungsbewußt genug, denn sonst hätte er nicht Computer-Spiele gespielt, anstatt auf seine Züge aufzupassen!

  • Antwort von Karl, Freitag, 11.Mai, 08:03 Uhr

    Verantwortungsbewusstsein hat nichts mit dem Lebensalter zu tun. Ich beobachte regelmäßig, dass es auch zu hauf Personen älteren Semesters gibt, bei denen Verantwortungsbewusstsein ein Fremdwort ist.

Manfred, Donnerstag, 10.Mai, 06:51 Uhr

8. Das Auto passt nicht in die moderne und die Bahn läßt man hängen

Und wieder ergießen sich Politiker im konjunktiv und man SOLLTE sich davor hüten die Schuld nun allein dem Fahrdienstleiter anzulasten .
Und wie Benny schon schrieb bin ich der Überzeugung das unsere Politiker die Handpuppen der Autoindustrie sind und das gilt leider auch in anderen Bereichen .
Früher dachten die Politiker in Generationszeiträumen heute in vier Jahresschritten .