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Haftbefehl nach Bahnunfall mit zwei Toten Fahrdienstleiter von Aichach vorerst wieder frei

Nach dem Zugunglück von Aichach ist gegen der 24-jährigen Fahrdienstleiter wegen des dringenden Verdachts der fahrlässigen Tötung Haftbefehl erlassen worden. Gleichzeitig wurde der Mann unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Die Unfallstelle wurde inzwischen für die Bergung der Züge freigegeben.

Von: Beate Mangold, Till Erdtracht, Roswitha Polaschek

Stand: 08.05.2018

Aichach: Bahnmitarbeiter stehen vor einem Personenzug und einem Güterzug nahe des Bahnhofs. | Bild: dpa-Bildfunk/Karl-Josef Hildenbrand

Menschliches Versagen: Das ist wohl der Grund für das verheerende Zugunglück in Aichach, bei dem zwei Menschen ums Leben gekommen und 14 weitere verletzt worden sind. Ein Fahrdienstleiter wurde zunächst vorläufig festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat inzwischen Haftbefehl erlassen. Gleichzeitig wurde der Mann unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, konnte der Haftgrund der Fluchtgefahr mit den Auflagen in ausreichender Form ausgeräumt werden.

Die Ermittler versuchen nun die Unfallursache zu klären. Gegen den Mann bestehe der dringende Verdacht der fahrlässigen Tötung, teilte das Polizeipräsidium Schwaben Nord in Augsburg mit.

Der von Augsburg nach Ingolstadt fahrende Regionalzug war am späten Montagabend wenige hundert Meter vor dem Bahnhof Aichach frontal auf die Lok eines stehenden Güterzugs gefahren. Dabei kamen der 37 Jahre alte Lokführer und eine 73 Jahre alte Passagierin ums Leben. 14 Menschen wurden teils schwer verletzt.

Technischer Defekt ausgeschlossen

Der Fahrdienstleister soll dafür verantwortlich sein, dass die beiden Züge auf demselben Gleis unterwegs waren und zusammenstießen. Ein technischer Defekt könne nach ersten Ermittlungen ausgeschlossen werden, hieß es.

Die Untersuchungen der Kriminalpolizei Augsburg zum Unfallhergang dauern an. Ein externer Gutachter wurde beauftragt, die Unglücksstelle in Augenschein zu nehmen. Zugleich bitten die Ermittler um Zeugenhinweise. Etwa 15 Passagiere, die offenbar ohne größere Blessuren blieben, hatten den Einsatzort verlassen, bevor die Beamten die Personalien feststellen konnten. Die Fahrgäste könnten wichtige Hinweise für das Ermittlungsverfahren geben, erklärte die Polizei.

Parallelen zum Unglück in Bad Aibling

Das Unglück weckt Erinnerungen an die Katastrophe von Bad Aibling im Februar 2016. Damals waren aufgrund eines Fehlers des Fahrdienstleiters zwei Züge kollidiert, zwölf Menschen starben. Der Fahrdienstleiter wurde wegen fahrlässiger Tötung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Ein Polizeisprecher betonte mit Blick auf das Aichacher Unglück, es sei zwar klar, dass Vergleiche zum Zugunglück in Bad Aibling nahelägen. Allerdings könne noch nicht gesagt werden, was der 24-Jährige konkret falsch gemacht hat. "Dafür ist es noch viel zu früh."

Unfallstelle ist für Bergung der Züge freigegeben

Inzwischen sind die Aufräumarbeiten laut Bahn angelaufen. Die Staatsanwaltschaft Augsburg und die Kripo haben die Unfallstelle für die Bergung der kollidierten Züge freigegeben. Dafür ist ein Hilfszug mit Hydraulikhebern an der Unfallstelle.

Der Bahnhof Aichach bleibt der Bahn zufolge gesperrt, ein Ersatzverkehr wurde durch die Bayerische Regiobahn eingerichtet. Die Strecke wird laut Bahn voraussichtlich nicht vor Mittwoch freigegeben.

Pro Bahn: Stellwerkstechnik veraltet

Vielleicht könnte mehr Technik helfen, das Risiko von Zugunfällen wie dem in Aichach zu verringern - das zumindest meint Winfried Karg vom Fahrgastverband Pro Bahn, wie er dem Bayerischen Rundfunk sagte: "Gerade in Aichach ist die Stellwerkstechnik sehr sicher, aber halt auch alt."

Karg zufolge gehört die Bahnstrecke, auf der die beigen Züge kollidiert sind, - genau wie die parallel laufende Bundestraße B300 - der Bundesrepublik Deutschland. Der Bund habe entschieden, die B300 massiv auszubauen, die eingleisige Bahnstrecke jedoch nicht, so Karg. Er betonte aber auch, Passagiere müssten trotz der Unfälle in Aichach und Bad Aibling keine Angst vor eingleisigen Strecken haben.


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