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Integration in den Arbeitsmarkt Autisten im Beruf - ein Erfolgsbeispiel aus dem Allgäu

Sie sind oft sehr intelligent und begabt. Das soziale Miteinander ist für Autisten allerdings schwerer als für andere Menschen. Deshalb möchte die "bayerische Autismusstrategie" Autisten in den Arbeitsmarkt integrieren. Ein Erfolgsbeispiel im Allgäu zeigt, wie das geht.

Stand: 17.07.2018

Fabian Kirchmann ist Asperger-Autist. Er arbeitet beim Öl-Lieferanten All Organic Treasures in Wiggensbach, hier sitzt er am PC. | Bild: BR / Viktoria Wagensommer

Großraumbüros, viele soziale Kontakte und Multitasking – ein schwieriges Arbeitsumfeld für Autisten. Um sie trotzdem zu integrieren, hat das bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales eine "bayerische Autismusstrategie" beschlossen.

Erfolgsbeispiel aus dem Allgäu

Gemeinsam mit Betroffenen sollen dabei neue Maßnahmen entwickelt werden. Ein Beispiel, wo es bereits klappt: Der Öl-Lieferant All Organic Treasures in Wiggensbach im Allgäu. Dort arbeitet Fabian Kirchmann, der junge Mann ist Asperger-Autist.

Autisten sind detailgenau

Der Allgäuer Betrieb möchte für ihn eine möglichst geschützte Arbeitsatmosphäre schaffen. Kirchmann hat zum Beispiel ein Einzelbüro. Auf der anderen Seite kann er seine Stärken als Asperger-Autist in die Firma einbringen: Mit großer Detailversessenheit und Ausdauer konzentriert er sich auf seine Arbeit als Buchhalter, wie seine Chefin Franziska Breisinger berichtet.

Genauigkeit gefragt

Auf diese Genauigkeit kommt es zum Beispiel an, wenn der 26-Jährige die Öle des Unternehmens auf ihre Qualität überprüft. Feinste Geruchs- und Geschmacksnuancen sind dann entscheidend.

Ausgleich für den Druck

Natürlich arbeitet Fabian Kirchmann auch unter einem gewissen Druck. Vor allem Zeitdruck macht ihm zu schaffen.  Dann nutzt er die Mittagspause für einen Spaziergang, oder er nimmt sich im Büro eine kurze Auszeit. Trotzdem ist ihm wichtig, dass er möglichst wenig Arbeitszeit dafür braucht, er ist stolz auf seinen Job und möchte so effektiv wie möglich arbeiten.

Ministerium übernimmt Kosten

Für die Eingewöhnung im ersten Jahr hat das Sozialministerium die Hälfte seiner Personalkosten übernommen. Aber nicht nur deshalb lohnt es sich für das Allgäuer Unternehmen, Menschen mit Autismus einzustellen, sagt Chefin Franziska Breisinger. Ihr Mitarbeiter Fabian Kirchmann fühlt sich im Betrieb inzwischen so wohl, dass er die Mittagspause immer öfter mit den Kollegen verbringt.

Unternehmen ermutigen

Trotz seines Respekts vor Menschenmengen hält der Autist mittlerweile sogar Vorträge: Um weitere Unternehmer zu ermutigen, Menschen mit Autismus anzustellen. "Meine Vision ist es, dass man da irgendwann ganz offen drüber reden kann, und dadurch Akzeptanz schafft." Bei seinem Allgäuer Arbeitgeber ist das Normalität: Der 26-jährige Autist ist inzwischen unbefristet übernommen worden.


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