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Ein Herz für männliche Küken Bio-Hühnerhof lässt Bruderhähne leben

In der Hühnerhaltung gelten männliche Küken als nutzlos, weil sie keine Eier legen, und werden deshalb in vielen Betrieben direkt nach dem Schlüpfen umgebracht. Einen anderen Weg geht der Hasenberghof in Adelsried (Landkreis Augsburg). Zwei junge Landwirte geben den Bruderhähnen eine Chance.

Von: Veronika Scheidl

Stand: 23.07.2018

Ein Hahn zwischen Hühnern auf dem Hasenberghof in Adelsried (Landkreis Augsburg) | Bild: Hasenberghof

Es sind Bilder, die vielen Verbrauchern zu Herzen gehen: Junge männliche Küken werden gleich nach dem Schlüpfen aus dem Ei geschreddert, also getötet, weil sie für die Industrie keinen Nutzen haben. Doch es gibt Landwirte, die den männlichen Küken, den sogenannten Bruderhähnen, eine Chance geben.

Aufzucht auch für Bruderhähne

Das junge Landwirt-Ehepaar Anna und Jörg Ostermeier aus Adelsried betreibt seit Herbst 2017 einen Bio-Hühnerhof. Sie haben sich bewusst dafür entschieden, auch die männlichen Küken aufzuziehen, obwohl das anstrengend und teuer ist. In ihrem Hofladen auf dem Hasenberg gibt es deswegen nicht nur die frischen Eier der Hennen. Bio-Bäuerin Anna Ostermeier verkauft hier auch das Fleisch der Bruderhähne. Die sind kleiner als ein gewöhnliches Hähnchen, allerdings ist das Fleisch sehr geschmackvoll, bestätigen Kunden.

Die Biohof-Kunden haben ein ruhiges Gewissen

Bei den Kunden kommt die Idee, Bruderhähne aufzuziehen gut an, beobachtet auch Bio-Bäuerin Ostermeier: "Es hat Hand und Fuß, ich kann ruhigen Gewissens sagen, wir haben hier unsere Henne, und jeder Bruder, der ausgebrütet wurde, den gibt’s bei uns zu kaufen, es ist kein Bruder im Schredder gelandet."

Die schwäbischen Bruderhähne leben in Österreich

6.000 Hennen haben die Ostermeiers auf ihrem Bio-Hof. Etwa genauso viele Bruderhähne lassen sie gerade in Österreich bei einem Partner-Biohof aufziehen – denn die Ostermeiers haben keinen Platz, die Gockel selber aufzuziehen. Dem Betrieb in Österreich vertrauen sie, die Hähne werden dort doppelt so lang aufgezogen wie ein normales Huhn und auch vor Ort geschlachtet. Und das merkt man am Preis: 5,50 Euro kostet ein tiefgefrorener Bruderhahn im Hofladen.

Idealismus für den Gockel

Abgedeckt werden diese Kosten über den Eierpreis. "Der Gockel ist einfach Idealismus für uns", sagt Bio-Bäurin Anna Ostermeier, "Die Eier müssen laufen, beim Gockel bin ich froh, wenn sich die Kosten einigermaßen decken."

Ob die Idee Bruderhähne aufzuziehen langfristig eine Zukunft hat, liegt jetzt an den Kunden, sagt Landwirt Jörg Ostermeier. Die müssten bereit sein, ein wenig mehr für das Fleisch zu bezahlen und mit einem etwas kleineren Gockel rechnen. Bisher klappt es ja gut, und mit jeder Woche gewinnen die Ostermeiers neue Kunden für die Bruderhähne.


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norosl, Dienstag, 31.Juli, 07:25 Uhr

2. Bio? Nix für Trottel?

Solange soviele Trottel Geiz geil finden wird sich leider nie etwas ändern.

Rosl, Montag, 30.Juli, 18:42 Uhr

1. Solange der Bauer genug Trottel findet, ...

... die ihm die mageren Hinkel abkaufen, ist die Bio-Welt in Ordnung. Hühnerrassen, die auf Eierproduktion optimiert sind, taugen nämlich nicht für die Bratpfanne.

  • Antwort von Leonia, Montag, 30.Juli, 20:59 Uhr

    Es stellt sich die Frage, wer hier der Trottel sein soll? Derjenige, der bewusst mehr dafür zahl, dass nicht sinnlos Küken im Schredder landen, oder diejenige, die sich mit unangemessenen Invektiven darüber meint lustig machen zu können.

  • Antwort von Wertz, Dienstag, 31.Juli, 04:43 Uhr

    Es gibt Zweinutzungshühner. Die Hähne setzen durchaus Fleisch an, wachsen langsamer als die Turbogockel, schmecken aber viel besser und haben ordentliche Knochen.