14

Internet und Kaffeeklatsch für Senioren Schüler erklären Senioren die digitale Welt

Viele ältere Menschen fühlen sich ausgeschlossen aus der digitalen Welt: Sie finden sich alleine im Netz nicht zurecht. Schüler des Käthe Kollwitz-Gymnasiums in München helfen nun Senioren, das Internet für ihre Bedürfnisse zu nutzen und schaffen so generationsübergreifende Begegnungen, auf Initiative der mildtätigen Koch-Ebersperger-Stiftung.

Von: Astrid Uhr

Stand: 15.07.2018

Eines der Senioren-Schüler-Tandems bei der Arbeit... | Bild: BR

Für viele scheinen es selbstverständliche Kleinigkeiten zu sein, die das Internet für die Senioren wichtig macht: Ein Foto vom blühenden Garten, aus dem Urlaub, von der Enkelin. "Ich freu mich immer so, wenn meine Tochter mir ein Bild schickt – dann bekomme ich einfach mehr von ihrem Alltag mit." Elisa Brenk-Schulte ist 70 Jahre alt. Vor kurzem hat sie von ihrer Familie ein IPad geschenkt bekommen. Ihre Tochter lebt in einer anderen Stadt - digitale Kommunikation ist oft der schnellste und direkte Weg zueinander.

"Internet und Kaffeeklatsch für Senioren"

Wie das Internet funktioniert, lernt die Seniorin von Schülern des städtischen Käthe-Kollwitz-Gymnasiums (KKG) in München-Neuhausen. Und lernt dabei Gleichgesinnte kennen. An jedem zweiten Dienstag im Monat treffen sich Alt und Jung beim Sozialprojekt "Internet und Kaffeeklatsch für Senioren" der Koch-Ebersperger-Stiftung und ihres Kooperationspartners KKG mit Kaffee, Kuchen und Tablet-Computer in der Schule. Für fünf Euro üben die Senioren drei Stunden mit Schülern im Schüler-Senioren-Tandem im Netz, dazu noch generationsübergreifende Begegnungen bei Kaffee und Kuchen.

Nina Böheim und Valerian Wassmer sind mit dem Internet aufgewachsen. Ihr Wissen geben sie jetzt an Senioren weiter.

Die Schüler erhalten ein warmes Mittagessen von der Stiftung, die auch alle Arbeitsgeräte und Internetanschlüsse stellt. Die monatlichen Treffen finden auf Initiative der Koch-Ebersperger-Stiftung statt, der das verständnisvolle Miteinander von Alt und Jung ein großes Anliegen ist. "Gerade in einer Großstadt wie München fühlen sich viele Menschen alleine. Ihnen wollen wir helfen," erklärt Eva-Sophie Koch, Vorsitzende der Stiftung. "Wenn eine Seniorin es geschafft hat, online mit ihren Enkeln zu kommunizieren, dann haben wir einen Menschen glücklich gemacht!"

Senioren wollen sich in der Digitalen Welt zurechtfinden

Nina Böheim, Schülerin am Käthe-Kollwitz-Gymnasium, hilft Gerd Bergmann bei der Online-Buchung einer Reise

Wie mache ich einen Screenshot von einer Straßenkarte? Wie reserviere ich online Theaterkarten oder ein Abendessen in meinem Lieblingsrestaurant? Wie finde ich in der Mediathek bestimmte Sendungen? "Die jungen Leute geben uns das Gefühl, dass es keine blöden Fragen gibt", freut sich Gerd Bergmann. "Sie haben viel Geduld mit uns." Er ist 79 Jahre alt- Hilfe bekommt er von Nina Böheim, Schülerin der 10. Klasse des KKG und Mitinitiatorin des Projekts. Sie hilft ihm zum Beispiel online Zugtickets zu buchen oder Hotels zu reservieren. Selbst mal in die Lehrerrolle schlüpfen, ihr Wissen weiterzugeben, ist für Nina eine tolle Erfahrung. "Ich habe, ehrlich gesagt, gemerkt, dass die Senioren da so ein bisschen Angst davor haben. Und mir macht es Spaß, den Leuten ein bisschen die Angst davor zu nehmen."

Demnächst möchte Gerd Bergmann mit Freunden nach Wien reisen. Alleine fühlt er sich im Netz verloren. Viele Jahre hat er sich geweigert, ein Smartphone zu nutzen. Jetzzt bemerkt er, dass er das Netz für viele Erledigungen brauchen und es den Alltag erleichtern kann.

Alt-OB Christian Ude ist Schirmherr des Schüler-Senioren-Projekts

Alt-OB Christian Ude ist Schirmherr des Projekts

Für den ehemaligen Münchner Oberbürgermeister ist es das erste Senioren-Projekt mit einer digitalen Zielsetzung, das er als Schirmherr betreut. Seiner Meinung nach bringt das Projekt beide Seiten in eine Win-Win-Situation. "Alte Menschen sind oft einsam in der Großstadt, und Schüler sind gerne mal in der Rolle des Lehrers. Das tut allen Beteiligten gut." Seit November nimmt er an fast jedem Treffen teil und fragt auch gerne mal nach, welche neuen Apps sinnvoll sind. "Mit jedem BackUp gibt es Neuerungen, da komme ich alleine gar nicht hinterher."

Anmeldung für Herbst 2018 jetzt möglich

"Internet und Kaffeeklatsch für Senioren" der Koch-Ebersperger-Stiftung richtet sich an Menschen ab 65 Jahren. Das Projekt wird sehr gut angenommen, die Nachfrage von Senioren ist sehr hoch. Von den 83 Teilnehmern, die seit Beginn des Projekts im November 2017 mehr über die digitale Welt erfahren haben, waren zwei Drittel Frauen. Die bisher älteste Teilnehmerin war 94 Jahre alt. Durchschnittlich sind die Senioren drei bis vier Mal dabei.

Anmeldungen für die Veranstaltungen (am zweiten Dienstag im Monat ab Oktober) im neuen Schuljahr sind jetzt möglich. Einzig die Auftaktveranstaltung am 9. Oktober 2018 ist bereits ausgebucht. Die Stiftung hat noch weitere Pläne: Sie möchte für die Senioren Leihgeräte mit Internet-Flat-Rates organisieren, damit sie dann auch zuhause auf dem Tablet üben können. Noch fehlt dazu aber das Geld. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Unternehmen lieber für den Nachwuchs als für Senioren spenden", sagt Doro Hartmann, Pressesprecherin der Koch-Ebersperger-Stiftung München. "Doch die älteren Menschen wollen auch teilnehmen am digitalen Wandel, um sozial und digital nicht abgehängt zu sein."


14