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Notbremse nach Kosten von einer halben Milliarde SAP-Softwareumstellung bei Lidl nach sieben Jahren gestoppt

Lidl hat die Umstellung auf ein SAP-gesteuertes Warenwirtschaftssystem gestoppt - nach sieben Jahren und Kosten von geschätzt einer halben Milliarde Euro. Der Grund: Das System hat nicht reibungslos funktioniert. Experten zufolge scheitern Firmen häufiger bei der Einführung einer neuen Betriebssoftware von Anbietern wie SAP, Oracle und Microsoft.

Von: Ralf Schmidberger

Stand: 17.07.2018

SAP-Logo an der Zentrale der SAP AG in Walldorf | Bild: picture-alliance/dpa

Mit einer Software das ganze Unternehmen steuern vom Einkauf über den Kapitalbedarf, der Lagerhaltung bis hin zum Verkauf – dies misslingt immer wieder. Die über 3.000 Mitgliedsbetriebe des Interessensverbands DSAG, der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe, können ein Lied davon singen.

Firmen wollen oft zu viel für wenig Geld

Laut dem DSAG-Vorstand Jean-Claude Flury liegen die Schwierigkeiten aber oft beim Unternehmen selbst. Sie würden schon anfangs zu wenig Mittel bereitstellen, den Umfang der Umstellung unterschätzen, unklare Vorgaben machen und zu viele Sonderwünsche haben. Doch eine Standardsoftware passt oft nicht mit den alten Abläufen in einer Firma zusammen, so Flury gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

Externe Berater raten oft zum Weitermachen bei Softwareumstellung

Der Betriebssoftware-Spezialist wundert sich allerdings, dass es bei Lidl sieben Jahre gedauert hat, bis das Projekt gestoppt wurde. Oft liege so etwas an externen Beratern, die meinen, man würde die Schwierigkeiten noch in den Griff kriegen. Dann könne die Einführung einer Betriebssoftware schon mal zu einem teuren Endlosprojekt werden, so Flury – vergleichbar mit der Elbphilharmonie.

Juwelierkette gab SAP Mitschuld für Pleite

So wie jetzt Lidl hatte vor drei Jahren auch die Deutsche Post die Notbremse gezogen. Eine Juwelierkette in den USA gab SAP sogar die Mitschuld an der eigenen Pleite. Andere Firmen stöhnen, dass die Einführung eines Betriebssystems länger dauert und teurer wird als geplant und dabei oft noch Abstriche gemacht werden müssen.


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Martin, Donnerstag, 19.Juli, 06:56 Uhr

6. Klaus Gehrig hat Lidl nicht mehr im Griff

Meine Tochter arbeitet bei Lidl. Und sieht die Schuld klar nicht bei SAP. Stattdessen ist die Lidl Verwaltung außer Kontrolle geraten. Es ist ja kein Zufall, dass Lidl alle Projekte derzeit nicht hinbekommt. Da ist nicht nur Elwis. Da ist auch die Online Strategie, die als Antwort auf Amazon groß angekündigt wurde und dann in den Sand gesetzt wurde, die mßglückte USA Expansion und jetzt eben Elwis.
Grund ist, dass in den letzten 4-5 Jahren an dem Konzernlenker Gehrig vorbei Strukturen aufgebaut wurden, die nicht mehr handelbar sind. Wo andere Unternehmen HIrarchien haben wie z.B. Vorstand - Bereichsleiter - Abteilungsleiter - Gruppenleiter - Mitarbeiter, ist bei Lidl schon der Leiter einer ganz normalen Abteilung (z.B. Controlling etc) ein Vorstand. Danach geht es über 6-7 Stufen bis zum MItarbeiter. Projekte scheitern oft schon daran, dass die Entscheider überhaupt keinen Bezug mehr zu den Mitarbeitern. Und schlimmer: Gar nicht wissen, was die Leute überhaupt tun.

thorie, Mittwoch, 18.Juli, 19:24 Uhr

5. Typisch Firmen

man will eine neue Software, will aber sonst nichts ändern.
Oft sind daran "Bereichs(leiter)-Fürsten schuld, die an alten Zöpfen festhalten, weil sie das Neue nicht verstehen.

Rabe, Mittwoch, 18.Juli, 18:17 Uhr

4.

Mir war schon bewusst, dass manche mit wenig aufwand in Deutschland viel Geld verdienen, aber soviel?

Helmut, Mittwoch, 18.Juli, 16:06 Uhr

3. Standardsoftware

Die Firmen wollen oft preisgünstige Standard-Software einkaufen und dann doch alle selbstgestrickten Betriebsprozesse mit drin haben.
Das passt nicht recht zusammen.
Daß eine Firma das erst nach 7 Jahren merkt klingt schon merkwürdig.

R 3, Mittwoch, 18.Juli, 10:32 Uhr

2. Deutsche Wertarbeit

Was gäbe es für ein hämisches Getöse in den Medien, wenn so etwas beim STAAT passiert wäre.

Aber hier betrifft es eine Privatfirma
und dort ist es ja nicht soooo schlimm.