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Rückzug bei G7-Gipfelerklärung Doch noch der Eklat

So etwas gab es in der G7-Geschichte noch nie: US-Präsident Trump hat seine Zustimmung zum Abschlusspapier wieder zurückgezogen. Der Grund: Kanadas Premier Trudeau hatte ihn offenbar in Rage versetzt.

Von: Kai Küstner

Stand: 10.06.2018

dpatopbilder - HANDOUT - 09.06.2018, Charlevoix, La Malbaie, Quebec, Kanada: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, M) spricht mit US-Präsident Donald Trump (r) während der Beratungen am Rande der offiziellen Tagesordnung. Emmanuel Macron (2.v.l), Präsident von Frankreich, Shinzo Abe (4.v.r), Ministerpräsident von Japan, und John Bolton, Nationaler Sicherheitsberater der USA, verfolgen das Gespräch. Foto: Jesco Denzel/Bundesregierung /dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Jesco Denzel

Für einen kurzen Moment sah es so aus, als würde diesem G7-Gipfel die ganz große Schmach erspart bleiben - doch da hatten die Staatenlenker die Rechnung ohne Donald Trump gemacht. Im Nachhinein - und per Tweet - entzog der US-Präsident der mühsam zu Papier gebrachten Abschluss-Erklärung seine Zustimmung - weil er sich über Aussagen des kanadischen Premiers und Gipfel-Gastgebers Justin Trudeau aufregte. Der hatte in seiner Abschluss-Pressekonferenz, wie zuvor auch schon, die US-Zölle auf Stahl und Aluminium kritisiert:

"Für die Kanadier, die Schulter an Schulter mit US-Soldaten in fernen Ländern und Konflikten gestanden haben, seit dem Ersten Weltkrieg, ist das in gewisser Weise verletzend."

Justin Trudeau, kanadischer Premier

Kanada kündigte Gegenwehr an

Trudeau kündigte auch an, die beschlossenen Gegenzölle auf US-Waren ab dem 1. Juli in Kraft zu setzen. Und mahnte, Kanadier seien höflich und vernünftig, aber "wir lassen uns nicht herumschubsen".

Das muss den in seiner Air-Force-One-Maschine auf dem Weg nach Singapur sitzenden Trump so in Rage versetzt haben, dass er sogleich erbost zu twittern begann: "Basierend auf den falschen Aussagen von Justin bei seiner Pressekonferenz und der Tatsache, dass Kanada den amerikanischen Bauern, Arbeitern und Firmen massive Zölle berechnet, habe ich unsere US-Unterhändler angewiesen, die Abschlusserklärung nicht zu unterstützen." Und fügte drohend an: "Wir werden uns Zölle auf Autos anschauen, die den US-Markt fluten."

Papier war schwer erarbeitet

Damit reißt Trump nachträglich jenes Papier in Stücke, an dem seit Tagen so emsig gearbeitet worden war und stößt nicht nur Trudeau, sondern auch die Europäer vor den Kopf. Das Büro des kanadischen Premiers reagierte zunächst gelassen: Trudeau habe nichts gesagt, was er nicht vorher auch schon gesagt habe.

Dabei hatte Trump kurz vor seiner - verfrühten - Abreise vom Gipfel noch die persönlich so glänzenden Beziehungen zu Merkel und Co gepriesen. Auf einer Skala von 1 bis 10 gebe er seinem Verhältnis zur deutschen Kanzlerin und übrigens auch dem kanadischen Premier die Höchstpunktzahl: "Wir haben eine großartige Beziehung: Angela, Emmanuel, Justin - das ist eine 10."

Großer Streitpunkt Handel

Trump hatte vor seinem Abflug aus Kanada den Pressevertretern einen ausführlichen Vortrag darüber gehalten, wie ungerecht zum Beispiel die Europäer sein Land bei den Zöllen behandeln würden. Eine Lehrstunde, die schließlich in der handfesten Drohung mündete, dass das aufhören werde. "Oder wir hören auf, mit ihnen zu handeln."

Wie er dieses Handelsverbot für US-Unternehmen im Ernstfall durchsetzen will, erläuterte Trump ebenso wenig wie seinen Vorschlag, dass doch am besten alle Sieben auf sämtliche Zölle, Handelsbarrieren und Subventionen verzichten sollten.

Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass dieser G7-Gipfel den transatlantischen Graben nicht würde verkleinern können. Obwohl sie davon ausging, dass es eine Abschlusserklärung geben werde, hatte Kanzlerin Angela Merkel gewarnt, dass dieses Papier nicht die offenen Probleme löse, gerade beim Thema Handel: "Da gibt es zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union unterschiedliche Auffassungen. Die sind nicht aus der Welt."

Keine Annäherung bei Iran, Klima und Putin

Keinen Schritt näher kam man sich auch im Streit um das Iran-Atomabkommen und das Weltklima. Die der Umwelt gewidmete Sitzung schwänzte der US-Präsident. Und dann ist da noch der russische Präsident Putin, den sich Trump so sehnlich zurückwünscht. Die Europäer jedoch halten wenig davon, Russland wieder an den Treffen teilnehmen zu lassen und die G7 wieder in G8 zurück zu verwandeln - außer Italien. Nicht nur mit einem transatlantischen Graben hat es die krisengeschüttelte EU also zu tun, nun muss sie auch noch mit einem G7-Trümmerhaufen umgehen. Die westliche Welt ist aus den Fugen - und der Trump’sche Wutausbruch ist dafür der beste Beweis.


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Politikwissenschaftler, Montag, 11.Juni, 11:27 Uhr

55. Dann so ! @ Dieter Falsch !

Müller, Sonntag, 10.Juni, 18:24 Uhr

36. Trump
Ein Trumpel im porzelanladen...nicht mehr aber auch nicht weniger

Antwort von Dieter, Sonntag, 10.Juni, 19:29 Uhr
@ Müller
Sie schreiben sowas über die größte Militärmacht der Welt und den größten Binnenmarkt der Welt und wollen mit ihrer Meinung ernst genommen werden. Lachhaft, nicht mehr und nicht weniger.
M.f.G

Die EU ist der größte Binnenmarkt der Welt !

Anton B., Montag, 11.Juni, 08:57 Uhr

54. Konsequenz

Was macht man mit einem "dreijährigen in der Trotzphase"? Ignorieren!
Vielleicht sollte man einen Psychologen zu Rate ziehen wie man mit derartigen Zeitgenossen umgeht.

Eines ärgert mich allmählich gewaltig. Egal welche Nachrichten ich im Fernsehen anschaue - fast immer kommt als erste Nachricht irgendetwas von Trump.
Warum bieten wir diesem Mann so viel Aufmerksamkeit und eine Plattform zur Selbstdarstellung.
Europa und Deutschland sollten sich mehr auf sich selbst konzentrieren.
Die USA ist schon lange nicht mehr unser Freund! Freunde spähen sich gegenseitig nicht aus und ziehen sich nicht durch den Dreck!

Rosi, Montag, 11.Juni, 07:45 Uhr

53. Alles vorkalkuliert?

Trump meint alle vera.... zu können. Eine solche Entscheidung sollte per Tweet gar nicht anerkannt werden. Trump hatte die Möglichkeit seine Meinung vor dem Gremium zu vertreten. War der "Mann von Format" vielleicht zu feige? Er benimmt sich wie ein schmollender Fratz der nur Chaos stiftet!

Wanda, Montag, 11.Juni, 01:47 Uhr

52. historisch und hysterisch

Trumpeltier macht Geschichte: an den wird man sich noch erinnern, wenn alle anderen Teilnehmer an G7, auch unsere aussitzende Merkel, längst vergessen sind. In welchem Sinne, ist eine andere Frage...

Röckelein, Sonntag, 10.Juni, 23:55 Uhr

51. Es ist schon bezeichnend,

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