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Skandal weitet sich aus Regensburger Domspatzen: Missbrauch auch unter Schülern

Der Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen ist möglicherweise größer als bislang bekannt. Das hat das ARD-Politikmagazin "Report Mainz" berichtet. Demnach liegen Hinweise vor, dass es im Knabenchor auch sexuelle Übergriffe von älteren Schülern auf jüngere Schüler gegeben habe.

Von: Christine Kerler

Stand: 21.03.2018 06:00 Uhr

Das Gymnasium der Domspatzen in Regensburg. | Bild: pa/dpa/Armin Weigel

In dem Politikmagazin erzählte ein ehemaliger Schüler, er sei jahrelang im Internat bei den Regensburger Domspatzen von älteren Schülern sexuell missbraucht worden. Ihm zufolge sei es gängige Praxis gewesen, dass sich ältere Schüler an jüngeren vergingen.

Der Schüler hatte fünf Jahre seiner Kindheit bei den Domspatzen verbracht. Während dieser Zeit habe er immer wieder Übergriffe durch ältere Schüler erlebt – im Internat selbst in den Zimmern, in Toiletten, Duschen und im Schwimmbad sowie auf Konzertreisen, so der Schüler. Seinen Eltern hatte er sich nach eigenen Aussagen aus Scham nie anvertraut.

Zwei Jahre Haft für ehemaligen Schüler

Die Recherchen des Politikmagazins ergaben weitere Hinweise auf mögliche Missbrauchsfälle unter den Sängerknaben. So wurde ein ehemaliger Domspatzenschüler 2016 wegen sexuellen Missbrauchs zu zwei Jahren Haft verurteilt. Dieser soll sich bei jüngeren Schülern, die beispielsweise Heimweh hatten, Vertrauen erschlichen haben und sie dann – in den meisten Fällen nach der gemeinsamen Domspatzenzeit – etwa bei privaten Übernachtungen auf dem Campingplatz missbraucht haben.

Übergriffe auf Konzertreisen

Bislang öffentlich bekannt und aufgearbeitet wurden lediglich Fälle von Gewalt und Missbrauch durch Priester und Erzieher. Im Juli vergangenen Jahres wurde der Abschlussbericht des Bistums vorgelegt. Nach Recherchen von "Report Mainz" heißt es darin, die sexuelle Gewalt unter Mitschülern sei nicht Bestandteil der Aufklärungsarbeit gewesen. Ebenfalls nicht berücksichtigt wurden demnach Meldungen zu Vorfällen sexueller Gewalt, die sich nach entsprechender Prüfung nicht im Verantwortungsbereich der Domspatzen abspielten – etwa Übergriffe bei Gasteltern auf Konzertreisen.

Bistum Regensburg schweigt

"Report Mainz" wollte vom Bistum Regensburg wissen, welche Kenntnisse es über Missbrauchsfälle durch älteren Domspatzen hat und ob es eine Mitverantwortung sieht. Die Redaktion erhielt vom Bistum keine Antwort.

Im Juli vergangenen Jahres hatte der eingesetzte Sonderermittler Ulrich Weber seinen Abschlussbericht zum Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen vorgelegt. Demnach waren bei den Domspatzen über Jahrzehnte mehr als 500 Chorknaben Opfer von Gewalt, Misshandlung und sexuellem Missbrauch durch Priester und Erzieher geworden. Die Dunkelziffer wird auf rund 700 Fälle beziffert.

Kritik an Ex-Erzbischof Gerhard Ludwig Müller

Deutliche Kritik hatte der Sonderermittler am früheren Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller geübt. Dieser habe eine "klare Verantwortung" für die "strategischen, organisatorischen und kommunikativen Schwächen" des von ihm 2010 initiierten Aufarbeitungsprozesses. Abgeschlossen wurde die Aufarbeitung erst unter Müllers Nachfolger Rudolf Vorderholzer im Jahr 2017.

Im Bistum Regensburg hatte es nicht nur bei den Domspatzen Misshandlungen gegeben, sondern auch in anderen kirchlichen Einrichtungen. Im Januar dieses Jahres teilte das Bistum mit, dass im vergangenen Jahr insgesamt 178.000 Euro an Opfer körperlicher Gewalt durch damalige Kirchenmitarbeiter gezahlt wurden.


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Herbert Turetschek, Dienstag, 27.März, 20:26 Uhr

14. Missbrauch auch unter Schülern

Als ich mich offenbarte und berichtete, ich bin von anderen Jungen unter der Dusche in Etterzhausen festgehalten worden und mir wurde Seife über den Kopf gekippt und mir im Gesicht verrieben, wurde ich scharf angegriffen: "Andere Jungen sind nie und nimmer am Missbrauch beteiligt gewesen" und "Wie soll denn das funktionieren, denn ein sexueller Missbrauch von Jungen untereinander funktioniert doch gar nicht" (was natürlich totaler Unsinn ist, denn natürlich kann ein Junge auch einen andern Jungen vergewaltigen). Natürlich sah ich danach nichts mehr und ich kann auch gar nicht berichten, was genau mit mir geschah, aber nach dem sexuellen Missbrauch, der durch Leiter in Etterzhausen geschah (Neffe beschuldigt 1984 gestorbenen Musikdirektor Georg Zimmermann der Vergewaltig, um ein Beispiel zu nennen), musste man sicher etwas machen, um ein erkennen der Täter auszuschließen und da wollte man eben verschleiern und nicht mehr direkt missbrauchen. So sehe ich das.

Heidi Dentar, Mittwoch, 21.März, 17:45 Uhr

13. Missbrauch Regensburger Domspatzen

Ich hoffe von ganzem Herzen, dass alle Spatzen, auch die, die nicht mehr dort sind und schon älter sind, dass die jeden einzelnen Täter anzeigen! Traut Euch, die Täter sind die, die sich schämen sollten und in der Hölle schmoren sollen! Und liebe Eltern, auch die, deren Kinder nicht da sind, fragt sie und unterstützt sie! Ich hoffe, das der Blitz ordentlich einschlägt und alles an den Tag legt, was dort an Sünde begangen wurde! Ich würde meine Peiniger auch noch anzeigen, es ist leider verjährt, nur weil ich mich auch geschämt habe! Man schämt sich für das, was einem angetan wurde. IST DAS NICHT SCHLIMM - Danke an alle, das man nun so offen darüber reden kann! Schließt diese Pädophilenanlage!!! RÄUMT DORT und in allen anderen kirchlichen Institutionen endlich auf!!!

Proll, Mittwoch, 21.März, 13:52 Uhr

12. Domspatzen

In einem repressiven System aus Druck und Angst neigen die Betroffenen dazu, ähnlich repressive Strukturen auch untereinander auszubilden.
Ich war Anfang der 80er jahrelang mit einem Choristen befreundet, der nur unter Alkoholeinfluss und andeutungsweise solche Verhältnisse ansprechen konnte.
Als "Nestbeschmutzer" wäre sein Status dort unhaltbar gewesen und er hätte sein komplettes soziales Umfeld verloren.

Leo, Mittwoch, 21.März, 13:35 Uhr

11. Es gab Übergriffe älterer Schüler

Ich war zur besagten Zeit bei den Domspatzen. Ja es gab Übergriffe von älteren und auch von gleichaltrigen Schülern.

Fam Mayer, Mittwoch, 21.März, 10:04 Uhr

10. Regensburger Domspatzen

Regensburger Domspatzen - Missbrauch
Was sagt den die Partei der Ordnung dazu? Nichts? Man kennt sich, man schätzt sich. Oder fühlt man sich nicht zuständig?

  • Antwort von Manfred, Mittwoch, 21.März, 11:01 Uhr

    Das gehört zur Leitkultur.