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Polizei nimmt NPD-Vize fest Sascha Roßmüller hinter Gittern

Seit Jahrzehnten ist der Niederbayer Sascha Roßmüller einer der aktivsten Neonazis im Freistaat. Jetzt sitzt er in Untersuchungshaft. Wegen einer Messerstecherei in Straubing nahm die Polizei Roßmüller fest.

Von: Thies Marsen

Stand: 24.10.2014 | Archiv

Der Neonazi Sascha Roßmüller | Bild: Robert Andreasch

Roßmüller ist für die Polizei kein unbeschriebenes Blatt. Mit 17 Jahren stieg er als Skinhead in die Szene ein - zuletzt amtierte der 41-Jährige als stellvertretender Landesvorsitzender der NPD. Nun sitzt Roßmüller hinter Gittern. Nicht wegen seiner Nazi-Umtriebe, sondern weil er als Mitglied der Rockergang Bandidos an einer Messerstecherei in Straubing beteiligt gewesen sein soll.

Karriere in der NPD

Roßmüller gehörte schon immer zum radikalen Flügel der rechten Szene. Er war Mitglied des "Nationalen Blocks", einer Neonazivereinigung, die 1993 in Bayern verboten wurde. Anschließend wechselte der Niederbayer zur NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN), deren Bundesvorsitzender er von April 1999 bis November 2002 war. Auch in der NPD selbst machte Roßmüller Karriere. Er stieg bis in den Bundesvorstand auf, zeitweise wurde er gar als Kandidat für den Posten des Parteichefs gehandelt.

Neonazi-Führungsfiguren in Bayern

Neonazi will für Sicherheit sorgen

Nebenbei betrieb Roßmüller eine Sicherheitsfirma an seinem Wohnort in Rain bei Straubing. Nachdem jedoch der Bayerische Rundfunk enthüllt hatte, dass der Niederbayer auch beim Motorradclub Bandidos aktiv ist, der regelmäßig mit kriminellen Geschäften in Verbindung gebracht wird, wurde ihm die Erlaubnis für das Bewachungsgewerbe entzogen - ein Beschluss der am 1. August 2013 vom Verwaltungsgericht Regensburg bestätigte wurde.

Messerstecherei in Straubing

Jetzt hat ihm seine Bandidos-Mitgliedschaft noch größeren Ärger eingebracht. Bei einer großangelegten Razzia am Mittwochmorgen wurde Roßmüller verhaftet und sitzt nun in Untersuchungshaft. Er soll an einem Überfall auf das Straubinger Vereinslokal eines rivalisierenden Motorradclubs beteiligt gewesen sein. Der Vorfall ereignete sich bereits im Dezember 2010, damals erlitten zwei Personen Stich- und Schnittverletzungen.

Scheinbar Law-and-Order

Sascha Roßmüller bei einer Neonazi-Veranstaltung im mittelfränkischen Scheinfeld

Dass Neonazis bei Motorradclubs mitmischen ist nichts ungewöhnliches. In seiner Partei NPD war Roßmüller wegen seiner Bandidos-Mitgliedschaft dennoch umstritten. Das passte nicht zu dem Saubermänner- und Law-and-Order-Image, mit sich die extrem rechte Partei gerne brüstet. Dennoch hatten sich mehrere hochrangige Parteifunktionäre dafür eingesetzt, Roßmüller wieder in den NPD-Bundesvorstand zu wählen. Mit seinem Knast-Aufenthalt dürfte Roßmüllers Parteikarriere aber vorerst gestoppt sein.


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