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Raritäten aus Bayern Bedrohte Nutztiere und ihre Halter: das Gelbvieh

Bayern hat gut drei Millionen Einwohner - zumindest wenn man die Rinder zählt. Der allergrößte Teil davon ist das bekannte Fleckvieh, also die weiß-braun gefleckten Rinder. Früher ging es deutlich bunter zu. Allein in Bayern gab es einst 35 Rinderrassen, die die Bauern in ihren Ställen gehalten haben. Jetzt fällt neben dem Fleckvieh höchstens noch das Braunvieh im Allgäu auf oder die Schwarzbunten, sprich die schwarzweiß gefleckten Kühe. Aber eine besondere Farbe gibt es noch in Bayerns Ställen: gelb! Doch es ist extrem selten geworden: das Gelbvieh.

Von: Tobias Chmura, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 16.03.2018

Eine Gelbvieh-Kuh schaut aus dem Stall | Bild: BR/Tobias Chmura

So selten wie das Gelbvieh ist, so selten findet man heutzutage in Bayern auch Kuhställe mitten im Dorf. Bei Heinz Kleemann fällt beides zusammen. Der Hof liegt mitten in Dittenheim, im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, dem südlichsten Zipfel Mittelfrankens. Wenn der Landwirt seine Kühe ins Melkabteil führt, muss er keine Unruhe fürchten.

"Der Hauptvorteil vom Gelbvieh ist die Gutmütigkeit, Unruhe gibt's fast nie da drinnen."

Heinz Kleemann

"Die halten länger ..."

Das Gelbvieh ist sehr selten geworden. Es gibt nur noch rund 2.000 Tiere, die bei den Zuchtverbänden erfasst sind. Das hat - wie so oft bei gefährdeten Nutztierrassen - einen kommerziellen Grund: andere Rassen bringen mehr Leistung. In Bayern gibt die durchschnittliche Fleckvieh-Kuh pro Jahr 7.600 Liter Milch, bei Schwarzbunten sind es sogar 9.000 Liter. Da kann das Gelbvieh nicht mithalten.

"Der Durchschnitt ist bei 5.800 [Litern], und ich bin bei 7.200. Also ich bin in der Spitzenklasse. Die Tiere brauchen auch Zuneigung, die wollen einfach ihren Bauern kennen. Die Rasse ist einfach stabiler, deswegen habe ich auch einen relativ hohen Altersdurchschnitt; die halten länger. Das ist ja das Problem mit den Höchstleistungskühen; da kommen viele nicht zum Schlachter, da wandern viele aufs blaue Auto."

Heinz Kleemann

Wenn Heinz Kleemann vom "blauen Auto" spricht, in das Hochleistungskühe wie etwa die Schwarzbunten wandern, ist damit die Fahrt in die Tierkörperbeseitigungsanlage gemeint. Der Bauer verdient dann nichts am Fleisch der Kühe. Beim Gelbvieh ist das aber sogar der wichtigste Grund, warum es die gutmütigen Tiere überhaupt noch gibt. Sie setzen viel und schön marmoriertes Fleisch an - genau so, wie es der Verbraucher haben will.

Kraftvoll und trotzdem gutmütig - das perfekte Arbeitstier

Neben Milch und Fleisch lieferte das Gelbvieh den Bauern früher auch seine Arbeitskraft - als Zugtier für Wagen oder den Pflug auf dem Acker. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand das Gelbvieh aus dem recht kleinen altfränkischen Rind, in das man andere Rassen einkreuzte. So kam das ruhige, aber kräftige Gelbvieh heraus: kraftvoll und trotzdem gutmütig, das perfekte Arbeitstier für die vielen Ackerflächen in Franken.

Heute gibt es nur noch vier Milchbauern in Dittenheim, und das fränkische Gelbvieh steht dort auch nur noch bei Heinz Kleemann im Stall. Sein Verhältnis zum selten gewordenen Gelbvieh lässt sich am besten am Beispiel seines uralten Traktors beschreiben.

"Der Traktor ist jetzt Baujahr 69, steht 365 Tage im Freien und springt jeden Tag an. Der hat mittlerweile seinen Kaufpreis wieder erreicht, den kann ich fürs gleiche Geld wieder verkaufen, was er gekostet hat."

Heinz Kleemann

Warum eine neue Maschine kaufen, wenn sich die alte bewährt hat und problemlos läuft? Nostalgisch ist Bauer Kleemann aber nicht. Neben den Kühen bewirtschaftet er noch 80 Hektar Ackerland, hat außerhalb des Dorfes eine Halle gebaut, in der auch moderne Schlepper stehen. Wenn er in Rente geht, wollen seine Tochter und deren Freund den Hof übernehmen. Findet das hochwertige Fleisch der Gelbvieh-Rinder genug Kunden, wird die Rasse überleben - da ist sich Heinz Kleemann sicher.

"Wenn das Jahr rum ist und ich habe Geld verdient, dann freue ich mich. Und wenn ich kein Geld verdient habe, dann bin ich nicht so dabei. Und das ist die Motivation von einem Landwirt, dass er auch Geld verdient und nicht nur Rassenpflege macht."

Heinz Kleemann

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