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"Qualzucht" Tierrechtler zeigen Tierzüchter an

Die Tierrechtsorganisation PETA hat Strafanzeige gegen acht Betriebe aus den Bereichen Schweine-, Hühner,- Puten- und Milchviehzucht erstattet. Das geht aus Unterlagen hervor, die BR Recherche und der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Unter den angezeigten Züchtern ist auch ein bayerischer Betrieb. Der Vorwurf der Tierschützer lautet: Qualzucht und Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Von: Von Eva Achinger

Stand: 04.02.2017

Schweinemast | Bild: picture-alliance/dpa

Sie heißen "Piétrain", "COBB" oder "BUT BIG Six" – Schweine-, Hühner- oder Putenrassen, deren Zucht auf Hochleistung abzielt. Hier ein kurzer Auszug des züchterischen Fortschritts: Eine Kuh gibt heute doppelt so viel Milch wie in den 60er Jahren. Ein Mastschwein legt heute durchschnittlich 780 Gramm zu. Pro Tag. In den Achtziger waren es noch circa 200 Gramm weniger. Für ein Schwein bedeutet das konkret: Das jugendliche Skelett trägt enorme Fleischmassen.

Turbo-Mast mit schwerwiegenden Folgen

Und diese Turbo-Mast kann die Gelenke der Schweine belasten, sagt Bernhard Hörning, Professor für ökologische Tierhaltung an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung. Knorpel veränderten sich, sagt Hörning, als Folge dessen entzündeten sich die Gelenke - und das wiederum sei für die Schweine sehr schmerzhaft, könne sogar zur Lahmheit führen.

Es geht um die Krankheit Osteochondrose, auch Beinschwächensyndrom genannt. Studien zeigen, dass die Züchtung auf schnelles Wachstum und Fleischmenge als Ursache für diese Erkrankung des Schweins bekannt ist. Auf derartige wissenschaftliche Erkenntnisse stützen sich auch die Strafanzeigen der Tierrechtsorganisation PETA, so Edmund Haferbeck, Leiter der Rechtsabteilung. Am Donnerstag haben die Tierrechtler bundesweit Anzeige gegen acht Zuchtbetriebe erstattet, darunter einer in Bayern. Die Unterlagen liegen BR Recherche und der Süddeutschen Zeitung vor.

"PETA will erreichen, dass eines der Basisprobleme der sogenannten landwirtschaftlichen Nutztierhaltung – nämlich die Qualzucht – tatsächlich endlich mal aufs Tapet kommt. Und deswegen haben wir einige Unternehmen angezeigt."

Edmund Haferbeck, PETA Deutschland

PETA geht davon aus, dass diese Betriebe unter anderem gegen Paragraph 11b des Tierschutzgesetzes verstoßen – es geht um sogenannte "Qualzucht". Vereinfacht heißt das: Die Zucht ist verboten, wenn zu erwarten ist, dass es zu erblich bedingten Schmerzen oder vermeidbarem Leid kommt.

Auch die Tierärzte sind alarmiert

Der Grünen-Politiker Friedrich Ostendorff

Allerdings ist der Gesetzestext nicht nur sperrig, sondern auch schwammig formuliert. Denn die Leitlinien, was genau unter Qualzucht fällt, bleibt das Bundeslandwirtschaftsministerium seit Jahren schuldig. Schon 2003 forderte der Bundesrat dringend eine entsprechende Rechtsverordnung. Der Grünen-Politiker Friedrich Ostendorff hat auch schon etliche Anfragen zum Thema gestellt – bislang erfolgslos. Er erwartet im Namen seiner Partei, dass Tierhaltungsverordnungen gemacht werden, die beschreiben, wo auch Grenzen des züchterischen Fortschrittes liegen:

"Damit wir eben nicht regelmäßig Überschreitungen haben, Extremzuchten haben, die sich dem Vorwurf ausgesetzt sehen auch Richtung Qualzucht zu tendieren. Qualzuchten müssen definiert werden im Tierschutzgesetz."

Friedrich Ostendorff, Bundestagsabgeordneter Bündnis90/Grüne

Bedarf sieht auch die Bundestierärztekammer und forderte im vergangenen Jahr rechtliche Regelungen: Die züchterisch bedingten Gesundheitsprobleme der Tiere seien kaum noch behandelbar. Das Bundeslandwirtschaftsministerium schreibt auf Anfrage von BR Recherche und SZ, man wolle den Vollzugsbehörden angemessenen „Handlungs- und Entscheidungsspielraum“ lassen.

Die Verantwortung wird also an die Länder abgeschoben. Die wiederum wenden das Gesetz aber bisher kaum an.


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Robinius, Montag, 06.Februar 2017, 13:52 Uhr

22. Landwirtschaft ist zur Industrie entartet

So wie es heute ist, stellt Landwirtschaft bei vielen Betrieben eine neue Industrieform dar.
Ich vergleiche das, Entschuldigung, mit Sklavenhaltung. Es ist OK, wenn man Leute anstellt und ihnen ein Auskommen gibt. Wenn man sie aber quält und ausbeutet, Gewalt anwendet, Schmerzen zufügt, und das immer schrecklichere Züge annimmt, dann muss man einschreiten.
Das machen die NGOs wie Peta oder die Albert-Schweitzer-Stiftung z.B.
Was tut Landwirtschaftsminister Schmidt? Der schreit nach Schweinefleisch in Schulkantinen und den Schutz des Namens "Wurst". Da sag ich nur: setzen, 6.
Für so einen Minister muß man sich wirklich schämen.

Pit, Sonntag, 05.Februar 2017, 22:08 Uhr

21. Qualzucht

In was für einem Land,Jahrhundert Leben wir denn um diese Misstände endlich in den Griff zu kriegen.?

kuster isabel, Samstag, 04.Februar 2017, 21:03 Uhr

20.

"Damit wir eben nicht regelmäßig Überschreitungen haben, Extremzuchten haben, die sich dem Vorwurf ausgesetzt sehen auch Richtung Qualzucht zu tendieren. Qualzuchten müssen definiert werden im Tierschutzgesetz."

Evergreen, Samstag, 04.Februar 2017, 17:26 Uhr

19. PETA Hala Schlachtung

Fuer Jahre habe ich fuer PETA gespendet, nach einem Anruf bei PETA Deutschland hat sich das geandert.
Die PETA Mitarbeierin hat mir als ich anbot eine Spende fuer eine Kampanie gegen Halaschlachtung zu machen gesagt, Halaschlachtungen waeren nicht schlimmer.
Das Eisen ist PETA Deutschland wohl zu heiss.

  • Antwort von Edmund Haferbeck, Samstag, 04.Februar, 20:01 Uhr

    PETA ist kein Eisen zu heiß. PETA hat unfassbare Undercover-Aufnahmen in Halal-Schalchthöfen gemacht und veröffentlicht, außerdem zur Schließung des Schächtschlachthofes in Aßlar beigetragen und kürzlich eine Verurteilung zweier Schächter in Salzgitter erwirkt. Das extrem tierquälerische Schächten steht jedoch quantitativ weit hinter den ca. 600000 Schweiner bzw. ca. 300000 Rindern, die in deutschen Schlachthöfen nicht ausreichend betäubt geschlachtet werden. Und genau das ist Ihnen mitgeteilt worden.

  • Antwort von Haferbeck, Samstag, 04.Februar, 21:15 Uhr

    PETA ist kein Eisen zu heiß - und das weiss auch Jeder. PETA als einzige Orrganisation als die grausamen und kriminellen Praktiken von Halal- und Schächtschlachthöfen durch unglaublich schwierige Undercover-Ermittlungen ans Tageslicht gebracht, hat mit dafür gesorgt, dass Deutschlands größter Schächtschlachthof in Aßlar aufgegeben wurde und hat kürzlich erreicht, dass 2 Schächter vom Amtsgericht Salzgitter rechtskräftig wg. Tierquälerei verurteilt wurden. Doch angesichts von ca. 600000 Schweinen und ca. 300000 Rindern, die in Deutschlands Schlachthöfen jährlich nahezu unbetäubt, extrem tierquälerisch und dazu legal geschlachtet werden, spielt rein quantitativ (!) das Schächten in Deutschland keine so große Rolle. Und genau das ist Ihnen mitgeteilt worden.

  • Antwort von Evergreen, Sonntag, 05.Februar, 02:33 Uhr

    Danke, das freut mich sehr.
    Vor einem Jahr als ich mit der PETA Mitarbeterin gesprochen habe, hatte diese noch keine Bedenken.

  • Antwort von Rumplhanni, Sonntag, 05.Februar, 09:42 Uhr

    PETA Mitstreiter haben Mut - weltweit partei-/religionsneutral.

    Gilt für mich „teils“ auch für Politiker, die im Ausland unterwegs sind - gewisse Wertschätzung für andere Völker und Lebensarten, Verständnis, was feine Kritik nicht ausschließt. „Nahost“ hat z.B. kaum Kühlschrank, bereits dadurch eine andere „Sicht“ nötig, was wiederum Tierschutz nicht ausschließt.

    Bei UNS wäre manches anders - wir haben Tierschutzgesetze. „Raupe Nimmersatt“/„Shaun, das Schaf“, die unsere Kinder (noch)lieben dürfen(sollen), kollidieren mit veralteten Regeln - einer der vielen Widersprüche Rot-Grün(?)-Röterer Politik. Warum hat die Türkei auch einen Kinderkanal verboten? Fleisch/Fisch gehören zu den Grundnahrungsmitteln - nicht täglich, warum für jeden Lachs. Eine fremde sozial-politische Lehre wird regelrecht hofiert, die eigene „diskriminiert“. Real-Politiker, oft „mittleren Alters“ gehören unterstützt. Sie sehen klarer, was die Älteren (aktuell) für die nächsten Jahre/Generationen verpfuschen.

  • Antwort von Rumplhanni, Sonntag, 05.Februar, 09:49 Uhr

    Ich selbst kenne kaum strikte Veganer, es gibt überzeugte, meist „Oaschichtige“, die auf niemanden Rücksicht nehmen müssen. Als Fleischesser kann ich trotzdem Barbara Rüttings V-Partei³ - ehemals Grüne - bewerben, weil sie ihre Überzeugung gelebt hat - ein langer Weg - diese Partei durch ihr Vorbild den Menschen hoffentlich differenzierter, „natürlicher“ sieht, nicht mit Protest, hoffentlich Argumenten punktet. Ein Teilprogramm wiederum passend dem der Freien Wähler, die Koalition mit CSU angeboten, DE-weit vertreten, also auch CDU einschließen. Das Stück Fleisch auf dem Teller, Leder, Schaffellmantel, auch einen alten Film mit !!!!!Persianer!!!!! durch ----- Abstand zu betrachten, ist sicher vielen möglich, was ich als „Mitte“ empfinde. Wie Union bodenständig, vielleicht etwas „lockerer“, aber ebenso wenig kleinkariert

    Warum schließen sich Landwirte genossenschaftlich zusammen, um für ein Volk der Fleischesser, zu denen unbestritten die Europäer gehören, den Tierschutz einzuhalten?

B.Dieter, Samstag, 04.Februar 2017, 17:16 Uhr

18. Tierschutz

Seit Jahrzehnten fahre ich von München über die Landstraße zum Chiemsee. Seit den letzten ca.10 Jahre sehe ich alle Jahre einen neuen rissen großen Rinder oder Schweinestall in der Landschaft stehen. Wer bezahlt diesen Wahnsinn wenn diese Bauern angeblich nicht genug Geld erwirtschaften um überleben zu können. Ich hoffe ja nicht Brüssel, also von unseren Steuergeldern. Aber wer sonst??Das geht so weit das in Holland die Tiere bereits im ersten und zweiten Stock eines Stalles gehalten werden. Dieser Brüsseler – Bürograten- Wahnsinn gefördert durch die Landwirtschaftsminister der EU-Länder muss ein Ende haben.
M.f.G.

  • Antwort von RobertH, Samstag, 04.Februar, 18:02 Uhr

    "Wer bezahlt diesen Wahnsinn" Ganz einfach, die Bauern welche ihn bauen, und falls Sie Steuern bezahlen kann es ein das ein Mikroanteil davon in Form von Ausgleichszahlungen mit einfliesst. Aber wie gesagt, immer nur in dem Fall das Sie Steuern bezahlen!!!