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Absurde Tierliebe Protest gegen Einschläferung von Kampfhund

In Hannover biss Hund Chico zwei Menschen tot. Hunderttausende unterschrieben eine Petition gegen seine Einschläferung. Nun wurde der Hund dennoch eingeschläfert. Der Protest ist groß. Was sagt das über das Verhältnis von Mensch zum Tier aus?

Von: Niklas Nau

Stand: 18.04.2018

In den letzten zwei Wochen verletzten gleich zwei Hunde Menschen tödlich. Ein sieben Monate altes Baby starb nach einem Biss in den Kopf. In einem anderen Fall biss der Hund seinen Halter und dessen Mutter tot. Beide Male war es ein Staffordshire-Mischling.

Petition gegen Einschläferung des Kampfhundes

Hund Chico, der in Hannover seinen Halter und dessen Mutter tot biss, sollte zunächst eingeschläfert werden. Doch dagegen formierte sich vehementer Protest. Mehrere Hunderttausende unterschrieben die Online-Petition "Lasst Chico leben!" Die Ursache für die Beißattacken läge "am anderen Ende der Leine", also beim Mensch.

Behörden werden attackiert

Während die Behörden überlegten, den Kampfhund einzuschläfern, protestierten Dutzende mit "Free Chico"-Plakaten vor dem zuständigen Veterinäramt in Hannover. In das Tierheim, in dem der Hund untergebracht ist, wurde versucht einzubrechen. Womöglich, um den Hund zu befreien. Protest formiert sich auch im Netz, darunter auch viele Hasskommentare.

Kampfhund eingeschläfert, Proteste gehen weiter

Nun wurde Hund Chico eingeschläfert. Die Entscheidung ist "unter Betrachtung der Gesamtsituation" von der Veterinärbehörde in Hannover getroffen worden. Das Tierheim wurde weiter im Netz attackiert, die Vereinsvertreter als "Heuchler", "Lügner" und "Mörder" beschimpft. Die Facebook-Seite des Tierheims ist mittlerweile deaktiviert.

Protest gegen Einschläferung als soziologisches Phänomen

Soziologe Marcel Sebastian von der Universität Hamburg forscht zum Verhältnis Mensch und Hund. Seiner Meinung fällt der Protest für den gefährlichen Hund so groß aus, weil viele in ihm ein Opfer seiner Abrichtung sehen. Beim Tierschutz gebe es außerdem einen kulturellen Wandel. Er sei in unserer Gesellschaft ein reelles Bedürfnis, das an Bedeutung gewinne - gerade in den letzten zehn Jahren. Das zeigten auch Umfragen.

Widersprüchliches Verhältnis Mensch zu Tier

Das Verhältnis vom Menschen zum Tier bezeichnet der Soziologe Marcel Sebastian als ambivalent. Denn beim Thema Massentierhaltung oder Tierversuchen reagierten die Menschen anders. Der Grund liegt aus Sicht des Soziologen darin, dass man dort eigene Verhaltensweisen, wie etwa die Ernährung, ändern müsste. Die Hürde scheint dafür höher.

Halter bestimmt überwiegend Verhalten des Hundes

Bei tödlichen Angriffen auf Menschen wie im Fall Chico sei das Einschläfern die richtige Lösung, so der Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal, Leiter der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle, zumal weil solche gefährlichen Tiere oft nur schwer artgerecht gehalten werden könnten.


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Karin Jonas, Donnerstag, 19.April, 13:57 Uhr

6. Chico - hier geht es nicht um absurde Tierliebe

Natürlich ist es schlimm, wenn ein Hund Menschen tötet. Nur - in diesem Fall lag die Schuld definitiv nicht bei dem Hund, sondern bei diversen Menschen, die alle komplett versagt haben!
Die Besitzer des Hundes waren behindert - sie waren nicht in der Lage, den Hund artgerecht zu halten und auszulasten. Sie hätten niemals einen solchen Hund halten dürfen!
Der arme Hund hatte die ganzen Jahre lang kein artgerechtes Leben: völlig überforderte Halter, kaum Spaziergänge, zum kacken auf den Balkon (!), oftmals weggesperrt in eine winzige Metallbox (die sind normalerweise für den Transport im Auto!), keinerlei Sozialkontakte zu anderen Hunden und anderen Menschen, offenbar keine regelmäßigen Gesundheitschecks, und, und , und... daß ein Tier unter solchen Bedingungen irgendwann durchdreht ist normal!
Nachbarn hatten mehrmals auf diese Haltungsbedingungen hingewiesen - es gab Besuche vom Veterinäramt und vom Tierschutzverein - angeblich ist denen nichts aufgefallen! Nur die sind schuld!!!

Erwin Weber, Donnerstag, 19.April, 07:17 Uhr

5. Free Chico

Armer Chiko, armes Deutschland, versagende Behörden, geldgierige Manager und untätige Politiker!
1. Warum hat eine solche Familie, mit all ihren Gesundheitlichen Problemen, so einen Hund ?
2. Die Behörden wussten von diesem Hund und werden erst aktiv, wenn es zu spät ist. Wie so oft!
3. Die Verantwortlichen in den Behörden, werden nun durch den tollen Tarifabschluss noch belohnt und die Schere zwischen Arm und Reich wird noch grösser.
4. In Passau wird ein 15 jähriger geschlagen und stirbt. Täter sind Jugendliche aus anderen Ländern.
5. In Berlin werden Menschen jüdischen Glaubens, von Jugendlichen aus Muslimischen Ländern geschlagen.
6. Fahrverbote wird es nicht geben. Die Zeche zahlt der Kunde, da sonst Arbeitsplätze in Gefahr sind, so unsere geldgierigen Industriebosse!

Mit freundlichen Grüßen

Erwin Weber

Sibylle Brandt, Mittwoch, 18.April, 21:03 Uhr

4. Gefährliche Hunde

Was ist ein gefährlicher Hund?
Da sitzt ein Sachbearbeiter in einem bayerischen Ordnungsamt. Er hat erkennbar Angst vor Hunden. Und ein Hundehalter hat eine Olde English Bulldogge. Die ist verspielt, menschenfreundlich und mit anderen Hunden verträglich. Dieser Hund springt beim Spielen mit Kindern an einem anderen Kind hoch. Die Krallen der Pfoten kratzen das Kind oberflächlich am Bein. Der Vorfall wird dem Ordnungsamt gemeldet, jenem Sachbearbeiter mit Hundeangst. Für den ist das Tier aggressiv und gefährlich. Es wird auferlegt, dass der Hund nur noch an der Leine und mit Maulkorb geführt wird.
Ein Gutachter testet denselben Hund. Er kommt im Gutachten zu dem Ergebnis, dass der Hund keine Aggressivität oder Gefährlichkeit aufweist. Eher weicht der Hund vor Angriffen zurück.
Wer hat nun Recht? Ein wegen seiner Hundeangst subjektiv urteilender Sachbearbeiter im Ordnungsamt oder ein objektiver Gutachter, der von der Regierung des Bezirks beglaubigt ist?

Renate Märtl-Balk, Mittwoch, 18.April, 20:41 Uhr

3. Diskussion Chico

Schade, dass durch den Titel schon alle, die sich für Chico eingesetzt haben, in die Ecke der empathielosen und fehlgeleiteten Menschen gesteckt werden. So schlimm der Vorfall ist, es kann wohl nicht bestritten werden, dass der Hund zu dem gemacht wurde, was letztendlich dieses Unglück ausgelöst hat. Er hätte eine Chance verdient gehabt. Über die Lebensumstände der beiden Getöteten wird nicht berichtet. Und Chico hat nicht mit Vorsatz oder aus Berechnung getötet. Das können Hunde nicht. Aber Menschen können Hunde mit Vorsatz zu Kampfmascinen machen. Ich hoffe, der Beitrag ist neutraler als der Titel.
Gruß, Renate Märtl-Balk

Sibylle Brandt, Mittwoch, 18.April, 20:39 Uhr

2. Einschläfern von Pittbull Chico in Hannover

Die Menschen, die Chico gehalten haben, haben mit der Art und Weise der Haltung gegen viele Vorschriften des Tierschutzgesetzes verstoßen. Das ist freilich keine Entschuldigung dafür, dass der Hund sie totgebissen hat. Aber es ist fast eine logische Folge. Mein Sohn hat elbst zwei Olde English Bulldoggen. Die beiden dürfen sich frei in der Wohnung bewegen und werden in der Zeit von 8 Uhr morgens bis 23 Uhr nachts ca fünf Mal ausgeführt und bekommen reichlich Möglichkeit, Kontakt mit anderen Menschen und auch Hunden zu bekommen. Sie sind freundlich zu Menschen und verträglich mit anderen Hunden.
Dies hat Chico gefehlt, was wohl beabsichtigt war und seine Halter haben das mit dem Leben bezahlt.
Leider haben wir aus den Medien sehr widersprüchliche Infos bekommen. Einmal hieß es, dass der Mann eines natürlichen Todes gestorben wäre, weil er sehr krank gewesen wäre. Dann hieß es, dass beide, Mutter und Sohn, von Chico totgebissen worden seien. Was soll man glauben?