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Schmuggel und Produktpiraterie weltweit Terroristen verdienen mit

Die Sicherheitsbehörden fangen erst an, das Netzwerk aus Fälschern, Händlern und Terroristen auszuleuchten. Dabei ist es nicht neu. Islamistische Terrororganisationen verdienen weltweit an Produktpiraterie und Zigarettenschmuggel - wie zuvor schon ETA und IRA. Unsere interaktive BR Recherche-Grafik zeigt, wer mit was wieviel verdient.

Von: Wolfgang Kerler und Sabina Wolf

Stand: 24.08.2016 | Archiv

Screenshot: Terrorattacke in Paris | Bild: BR

Der frühere Chef von Interpol, Ronald Noble, warnte Politik und Sicherheitsbehörden frühzeitig. Schon im Sommer 2003 präsentierte er dem US-Kongress Beweise dafür, dass Terrororganisationen mit Produktpiraterie Geld machten. Die radikal-islamische Hisbollah verfügte damals bereits über ein weltumspannendes Netzwerk: Sie verdiente am Verkauf von raubkopierter Software und Filmen in Südamerika, am Zigarettenschmuggel in den USA - und natürlich an illegalem Handel in ihrem Stammland, dem Libanon.

Gefälschte Autoteile deutscher Marken

Ein Jahr später berichtete der Interpol-Chef auch von einem Fall mit Bezug zu Deutschland: Sicherheitsbehörden im Libanon hatten gefälschte Bremsscheiben deutscher Automarken beschlagnahmt. Der Millionenerlös war für die Hisbollah bestimmt. Sie ist aber nicht die einzige Terrorgruppe, die schon seit Jahren immer wieder hinter Schmuggel und Produktpiraterie steckt.

Die interaktive Grafik zeigt dutzende Fälle, auf die BR Recherche und das ARD-Wirtschaftsmagazin plusminus in Gerichtsdokumenten, Polizeiberichten oder wissenschaftlichen Studien gestoßen sind. Für eine größere Darstellung bitte unten rechts auf "Zur Detailansicht" klicken.

Schon die älteste Terrororganisation der Welt, die Irish Republican Army (IRA), finanzierte sich  durch Zigarettenschmuggel. Aber nicht nur: 1991 flog im US-Bundesstaat Florida ein Labor auf, in dem zwei IRA-Mitglieder Medikamente für Tiere fälschten. 700.000 Tiere hatten die Injektionen, die keinerlei Wirkstoff enthielten, damals schon bekommen. Auch auf eine andere  Terrororganisation stießen Ermittler, als es um Zigarettenschmuggel ging: die baskische ETA. Auch sie verdiente am Fake-Verkauf auf spanischen Schwarzmärkten, wie private Ermittler im Auftrag der Industrie belegt haben.

Islamisten, die Zigaretten schmuggeln

Hinter der Geiselnahme auf einem algerischen Ölfeld, bei der 2013 39 Geiseln getötet wurden, steckte die Organisation "Al Qaida des Islamischen Maghreb". Einer ihrer Anführer hieß in Ermittlerkreisen "Mr. Marlboro", weil er Millionen mit Zigarettenschmuggel verdiente. Und er ist kein Einzelfall.

Weltweit haben Islamisten den illegalen Tabakhandel für sich entdeckt. In den USA gab es mehrere Gerichtsurteile, weil Schmuggler die Hisbollah oder die Hamas unterstützten. Außerdem geht die Bundesregierung davon aus, dass der sogenannte "Islamische Staat" an der syrisch-türkischen Grenze von Zigarettenschmugglern Gebühren kassiert - und damit ebenfalls davon profitiert. Die französische Regierung warnt: Viele der Dschihadisten, die aus Frankreich nach Syrien ausreisten, um den IS zu unterstützen, finanzierten sich die Reise dorthin mit dem Verkauf von Schmuggelzigaretten

Wenn organisierte Kriminalität in Terror umschlägt

Ein Beispiel dafür, wie organisierte Kriminalität in Terror umschlagen kann, ist die indisch-pakistanische D-Company. Sie verdient weltweit am Verkauf von Raubkopien indischer Filme. Auch in den USA wurden schon DVDs beschlagnahmt , die zu ihr zurückverfolgt werden konnten. Ursprünglich eine rein kriminelle Organisation, war die D-Company 1993 für einen schweren Bombenanschlag in Mumbai verantwortlich, bei dem mehr als 250 Menschen ums Leben kamen. Die D-Company enthält Verbindungen zu Al Qaida und den Taliban.


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