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Hatschi! Landesamt für Gesundheit knüpft Pollennetzwerk

Noch fliegen sie nicht umher, aber bald werden in Bayern wegen ihnen wieder Nasen laufen und Augen tränen – die Pollen machen im Frühjahr vielen Allergikern zu schaffen. Künftig sollen die Betroffenen wenigstens zuverlässig vorgewarnt werden, durch ein elektronisches Polleninformationsnetzwerk - unter der Federführung vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).

Von: Johannes Reichart

Stand: 21.02.2017

Arbeit an einem Pollenvorhersagenetz in Bayern | Bild: BR / Johannes Reichart

Zuletzt gab es in Bayern nur noch zwei Pollenfallen, die von Ehrenamtlichen manuell ausgetauscht wurden, künftig sollen die Daten digital übermittelt werden.

Birkenblüten - Allergiker können ein trauriges Lied von ihnen singen

Acht moderne Pollenmonitore sollen bayernweit Echtzeit-Informationen liefern. Hasel, Erle oder Birke – Eine hochauflösende Kamera und ein Mikroskop im Gerät analysieren alle sechs Minuten den Pollenflug, sagt Jeroen Buters, der Wissenschaftler vom Zentrum für Allergie und Umwelt.

"Viele Apps, die eine ist besser wie die andere, behaupten, dass sie das wissen.. Und wir möchten diese Behauptung ersetzen, durch richtige Messungen."

Wissenschaftler am Zentrum für Allergie und Umwelt Jeroen Buters

Hasel, Erle und die Birke – in Bayern gibt es acht Pollenzonen, in jeder wird ein Pollenmonitor stehen. Umwelt- und Gesundheitsministerium wollen mit dem 2 Millionen Euro-Projekt Allergikern helfen.

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml

"In Deutschland ist etwa jeder Fünfte betroffen von einer Überempfindlichkeitsreaktion oder wirklich von einer Allergie. Das heißt auch zwei Millionen Menschen hier in Bayern und da ist es eben wichtig, dass man weiß, wenn man frühmorgens aus dem Haus geht, könnte heute was auf mich zukommen? Muss ich vielleicht meine Medikamente so oder so dosieren?"

Bayerischer Gesundheitsministerin Melanie Huml

"Die Technologie ermöglicht, dass man von jedem Ort in Bayern auf seinem Handy sehen kann, wie dort der Pollenflug ist."

Wissenschaftler am Zentrum für Allergie und Umwelt Jeroen Buters

Ursachen von Heuschnupfen

Übertriebene Hygiene

Das menschliche Immunsystem ist dafür ausgelegt, ständig gegen krankmachende Keime zu kämpfen. Weil die Menschen heute aber seltener mit Krankheitserregern in Kontakt kommen, kommt das Immunsystem ins Ungleichgewicht und sucht sich neue Gegner.

Umweltgifte

Der Körper nimmt immer mehr Giftstoffe wie Pestizidrückstände, Zusatzstoffe in Lebensmitteln und Luftschadstoffe auf. Die Schadstoffe "bahnen" sozusagen den Weg für die allergische Reaktion. "Das heißt, sie verändern einmal die Natur, den Pollen, und machen diesen aggressiver. Auf der anderen Seite machen sie uns Menschen empfänglicher für die Entwicklung von Allergien", so Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann, Umweltmedizinerin, TU München. Der Hintergrund: Feinstaub und Stickoxide führen zu Entzündungsreaktionen, die das Entstehen von Allergien begünstigen können.

Antibiotika

Der zunehmende Gebrauch von Antibiotika schon bei kleinen Infekten und ab dem frühen Kindesalter schwächt das Immunsystem.

Vererbung

Allergien sind vererbbar. Kinder von Allergikern haben ein deutlich erhöhtes Risiko, selbst an Allergien zu erkranken.

Ab 2019 soll das System in Betrieb genommen werden, die Daten werden dann im Internet auch privaten Wetter-App-Anbietern zur Verfügung gestellt.


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