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Wenn der Lohn nicht mehr reicht Immer mehr Polizisten mit Nebenjobs

Viele Polizisten in Bayern sind auf ein zusätzliches Einkommen angewiesen. Vor allem, wenn sie jung sind, noch wenig verdienen und in einer teuren Stadt leben. Laut einem Sprecher des Innenministeriums haben derzeit 5.000 Beamte einen Nebenjob angemeldet.

Von: Sebastian Kraft und Julia Kammler

Stand: 21.10.2017

Zwei bayerische Polizisten in Uniform | Bild: pa/dpa/Andreas Reimund

Vor allem die jungen Polizisten der unteren Besoldungsgruppen haben Nebenjobs, wenn sie in teuren Städten wie München wohnen und arbeiten. Denn die so genannte Ballungsraumzulage beträgt nur 80 Euro im Monat. Die SPD fordert nun eine deutliche Erhöhung.

"Wenn die Ballungsraumzulage 200 oder 250 Euro betragen würde, was angemessen wäre, dann würden viele Polizeibeamte nicht noch zusätzlich arbeiten, sondern sagen: OK, das reicht mir dann."

Peter Paul Gantzer, Sicherheitspolitischer Sprecher der SPD

Mit Familie wird's finanziell eng

Eine Erhöhung der Ballungsraumzulage fordert auch die Gewerkschaft der Polizei. Deren Chef hatte in jungen Jahren selbst einen Nebenjob. Viele Polizisten haben Spaß daran, sagt er, sobald aber eine Familie mit Kindern zu ernähren sei, werde das Geld oft knapp.

"Dann hast du einfach einen höheren Aufwand, die Familie durchzubringen. Wenn dann vielleicht die Frau sogar reduzieren muss oder vielleicht ganz daheim bleiben muss, das sind die Punkte, wo die Kollegen auch aus der Not heraus einen Nebenjob angehen."

Peter Schall, Landesvorsitzender Gewerkschaft der Polizei

Auch Ehrenamt gilt als Nebenjob

Rund 5.000 bayerische Polizisten haben einem Sprecher des bayerischen Innenministeriums zufolge einen Nebenjob. Die Zahl sei wegen der strikten Anmeldepflicht so hoch. Denn jeder Nebenjob muss genehmigt werden - wegen Interessenskonflikten sind die Hürden hoch.

"Tatsächlich ist es aber so, dass ein Teil dieser Beamten tatsächlich beispielsweise auch ehrenamtliche Aufgaben macht, sich sozial engagiert oder auch zeitweise als Filmkomparse arbeitet. Das heißt, dass nicht jeder der 5.000 tatsächlich auf ein zusätzliches Einkommen angewiesen ist."

Michael Siefener, Pressesprecher Innenministerium


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Sparfuchs, Samstag, 21.Oktober, 21:34 Uhr

12. Es gibt nicht nur Polizisten mit Nebenjobs...

Seit der Agenda 2010 und dem fulminanten Beschäftigungswunder gibt es auch noch ein paar andere soziale Gruppen, dürften mindestens auch einige Millionen an Mitmenschen betreffen, die nur mit Mehrfachjobs halbwegs über die Runde kommen...Insofern ist das ganze etwas zu relativieren, und in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext zu stellen.
Und als angehender Beamter weiß man ja vorher, welche Verdienstmöglichkeiten, und Berufsperspektiven einen erwarten.
Gemäß Alimentationsprinzip hat der Staat seine Beamten angemessen zu versorgen, insofern habe ich da meine Zweifel, dass der Nebenjob eine zwingende Notwendigkeit darstellt, den Lebensunterhalt zu sichern.
Nachdem ja der Job als Polizist mitunter sehr fordernd sein kann, sollte auch aus diesem Grund die Genehmigung von Nebenjobs sehr restriktiv gehandhabt werden.

Chiemgauer, Samstag, 21.Oktober, 15:53 Uhr

11. Ja mei, dees kimmd davo

wenn da Großteil der Bevölkerung Jahrzehntelang das selbe wählt. Unter Merkel hat sich das Lohngefälle rapide verändert. Unter dieser Person haben sich die prekären Beschäftigungsverhältnisse extrem nach oben entwickelt. Dass die Mieten in s unbezahlbare steigen ist von Frau Merkel abgesegnet, denn Herr Draghi hat freie Hand, kann seine schwächelnden Südländer mit Milliarden stärken und uns, wo wir leicht 2 bis 3 % Zinsen vertragen würden, verweigert er diese. Frau Merkel ist das schlimmste was den Menschen die in Arbeit gehen passieren konnte. Die DAX Konzerne freuen sich umso mehr. Ein Rekord jagt den nächsten, die Dividenden steigen, das Geld sprudelt für die Zocker am Markt. Aber eigentlich egal, denn so schlecht kann s denn Menschen im Land nicht gehen, sieht man ja an den Wahlergebnissen. Von mir aus sammeln auch Polizisten und Staatsanwälte Flaschen. Und für die Raute Unterstützer noch eins. Die Kluft zwischen Arm und Reich war unter keinen anderen Kanzler so hoch, wie bei der.

Angestellter, Samstag, 21.Oktober, 14:07 Uhr

10. Beamte=Sicherer Job

Gibt's Polizisten, die ihren sicheren Beamtenjob aufgegeben haben, und in der Privatwirtschaft arbeiten? Bei vergleichbaren Jobs im Handwerk oder am Bau muss jeder mehr nachweisbare Leistung erbringen fürs gleiche Geld. Welche nachweisbare Leistungen erbringen Polizisten im Streifendienst? Bei Einstellungsterminen sind die Bewerberzahlen für den Polizeidienst sehr hoch. Weil der sichere Beamtendienst, höhere Altersversorgung und weniger Arbeitsdruck lockt, und dort Leistung etwas völlig anderes ist als in der Privatwirtschaft, wo der Arbeitsdruck und Leistungsanforderungen immer größer werden. Ist für mich nur jammern auf hohem Niveau.

Barbara, Samstag, 21.Oktober, 13:43 Uhr

9. Was sollen denn da die rund 15 Millionen Gering-Verdiener sagen,

die nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen? Viele können sich gar keine Familie leisten, sondern haben als Alleinstehende zu kämpfen, daß sie überleben, weil sie unterhalb der Armutsgrenze von nur 400 Euro Rente leben müssen.

  • Antwort von Kats, Samstag, 21.Oktober, 17:19 Uhr

    Knapp 13 Millionen Menschen in Deutschland leben in relativ armen Verhältnissen, weil ihr Einkommen weniger als 60 Prozent des gesellschaftlichen Mittelwerts beträgt. Immerhin ein Drittel der Betroffenen, mehr als 4 Millionen, steigen aber innerhalb eines Jahres in eine höhere Einkommensschicht auf. Jedem Zehnten gelingt direkt der Aufstieg in die Mittelschicht. Das zeigen neue Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die der F.A.Z. vorliegen. Sie stützen sich auf das Sozioökonomische Panel, eine Datenbank von Befragungsergebnissen für die Sozialwissenschaft.

    Für Barbara zur Ansicht ! Soviel zu Ihren übertriebenen Angaben !

Therese L, Samstag, 21.Oktober, 12:57 Uhr

8. Kein Grund für Mitleid

Wo liegt das Problem? Die bayerische Justiz nötigt Menschen ihre Nahrung in Abfalleimern zu suchen, weil sie ihnen das letzte Hemd genommen. Dagegen wehren können sich die entwürdigten nicht, weil ihnen dazu die Finanzen fehlt. Klassenjustiz, nennt sich das. Hat hingegen schon jemand einen Polizisten aus einem Abfalleimer essen sehen?