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Nach Sicherheitspanne 330 Flüge am Münchner Flughafen ausgefallen

Wegen der Sicherheitspanne am Münchner Flughafen sind zwischen Samstagmorgen und Sonntagmittag rund 330 Flüge ausgefallen. Mehr als 32.000 Passagiere seien betroffen gewesen, sagte ein Sprecher des Flughafens München.

Von: Martin Breitkopf, Peter Solfrank, Birgit Grundner

Stand: 29.07.2018

29.07.2018, Bayern, München: Die Freunde Andi (l) und Davis aus Zürich sitzen im Terminal 2 am Flughafen in München auf einem Feldbett.  ++ | Bild: dpa-Bildfunk/Matthias Balk

Es hakt weiter im Flugplan des Münchner Airports –  25 Flüge wurden heute annulliert, viele andere hatten und haben immer noch Verspätung. Den ganzen Tag standen Passagiere in langen Warteschlangen an den Umbuchungs- und Serviceschaltern im Terminal 2, das ausschließlich von der Lufthansa und ihren Partner-Airlines genutzt wird.

700 Feldbetten im Einsatz

2000 Passagiere, die gestern nicht mehr weitergekommen waren, mussten umgebucht werden. Bei einem Großteil werde das auch gelingen, hieß es am Nachmittag. Sollte es wider Erwarten anders laufen, stünden notfalls wieder Feldbetten bereit. 700 waren vergangene Nacht im Terminal aufgestellt worden. Danach habe man die Betten nur beiseite, aber noch nicht ganz weggeräumt, sagte ein Sprecher dem Bayerischen Rundfunk.

Am Samstag hatte die Bundespolizei zwei Abflughallen geräumt. Auslöser war ein Fehler einer Sicherheitsfirma: Ihre Mitarbeiter hatten zugelassen, dass eine Frau unkontrolliert in den Sicherheitsbereich von Terminal zwei gelangt war. Daraufhin gab die Bundespolizei Großalarm.

In der Folge mussten bisher rund 330 Flüge annuliert werden. Über 30.000 Passagiere waren betroffen. Etwa 700 Menschen mussten die Nacht zum Sonntag in Feldbetten am Flughafen verbringen. Hunderte weitere Passagiere wurden in Hotels untergebracht, wie ein Flughafensprecher am Sonntagmorgen sagte.

Große Probleme bei der Umbuchung

Viele der gestrandeten Passagiere warten noch auf ihre Umbuchung. Diese gestalte sich jedoch äußerst schwierig - erklärte ein Flughafensprecher im Bayerischen Rundfunk. Das Problem sei, dass auch die Flüge am Sonntag in der Hauptferienzeit meist ausgebucht seien und daher fehle es bei vielen Airlines an Platzkapazitäten, um die zusätzlichen Passagiere aufzunehmen.

Wo ist das Gepäck?

Viele stehen auch ohne Gepäck da, weil sie schon eingecheckt hatten, als das Terminal geräumt wurde. Die Koffer sind zwischengelagert - oder sie kamen noch ins Flugzeug, die Besitzer aber nicht mehr. Zur Frage der Entschädigung für Annullierungen und Verspätungen gibt es noch keine eindeutigen Auskünfte. Bei der Lufthansa heißt es: Die Betroffenen sollten sich an die jeweiligen Fluggesellschaften wenden, alles werde dann "individuell geprüft", so ein Sprecher im Bayerischen Rundfunk.

Passagiere empört über Chaos am Flughafen

Bei den Passagieren staute sich der Unmut über die schlechte Organisation am Flughafen: In einem Tweet hieß es zum Beispiel:
"Seit 17 Stunden am Flughafen München, 1 x 5E Gutschein und Kekse, nennt sich das Verpflegung?" und weiter: "Nachdem sie alle mit Lautsprechern geweckt haben, verdrücken sich die Mitarbeiter, 5 Uhr geht es weiter." #flughafenmuenchen

Ein anderer twitterte: "Keine Getränke und eine überlastete Klimaanlage. Shame on you, "bester Flughafen Europas". Ihr könnt ja nicht einmal Sicherheitskontrolle oder Passagierinformation." #munichairport

Schwerer Fehler eines Sicherheitsdienstes

Ausgerechnet zum Start der Ferien in Bayern war es am Samstag zu einer schweren Sicherheitspanne gekommen. Eine Frau passierte die Sicherheitsschleuse in Terminal 2 unkontrolliert. Entgegen klarer Anweisungen wurde kein Alarm ausgelöst - daher konnte die etwa 40 Jahre alte Frau auch entschwinden.

Die Regierung von Oberbayern sprach in einer Mitteilung bereits von einem individuellen Versäumnis des Personals an der Sicherheitsschleuse. Daher könnte es gut sein, dass die Frau nichts zu befürchten habe - außer den Zorn vieler Tausender Fluggäste.  

Frau war am Sicherheitscheck zurückgeschickt worden

So kam es zum Chaos: Nachdem im Handgepäck der Frau nicht ordentlich verpackte Flüssigkeiten festgestellt worden waren, musste sie das Gepäckstück aus dem Sicherheitsbereich bringen. Die Frau wurde zurückgeschickt, um sich einen der vorgeschriebenen Plastikbeutel zu besorgen. Wie die Auswertung der Videoaufnahmen zeigte, kam die Frau wenig später ohne das beanstandete Gepäckstück zurück und passierte eine noch nicht einsatzbereite Kontrollstelle.

Offenbar hatte das Personal erst verzögert reagiert, deshalb war die Frau auch schon an den kurz hinter der Kontrolle postierten Bundespolizisten vorbei, bevor diese auf den Zwischenfall aufmerksam wurden. Deshalb war anschließend Großalarm ausgelöst worden. Vorsorglich hatte die Bundespolizei die komplette Sperrung des Terminals 2 veranlasst und stundenlang nach der Frau gesucht.

Lange Warteschlangen und verspätete Flüge

Die Bundespolizei machte die Abfertigung im Terminal 2 komplett dicht und räumte den Bereich. Reisende aus ankommenden Flugzeugen durften die Maschinen nicht verlassen, auf Twitter meldeten auch abfliegende Reisende, dass sie die Flieger wieder verlassen mussten, nachdem sie zum Teil stundenlang auf dem Rollfeld gewartet hatten. Vor den Sicherheitskontrollen bildeten sich lange Warteschlangen bis weit in den Check-In-Bereich hinein.

Bundespolizei verteidigt Maßnahmen

Die Bundespolizei verteidigte die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen, sie seien gerechtfertigt gewesen. Das betonte Christian Köglmeier von der Bundespolizei im Bayerischen Rundfunk. Passagiere, die in den Sicherheitsbereich gelangten, müssen vorher lückenlos kontrolliert werden. Geschehe das nicht, müssten "entsprechende Maßnahmen anlaufen".

Der erste Samstag der bayerischen Sommerferien ist in der Regel einer der Tage mit dem höchsten Passagieraufkommen am Flughafen München.


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