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Facebook und Wahlen "Politiker machen Politik eigentlich für Likes"

Die Parteien haben erkannt, dass leicht konsumierbare, verkürzte Aussagen die größte Wirkung in sozialen Medien entfalten. Facebook und Co. könnten dadurch eine Gefahr für die Demokratie sein, sagt Datenwissenschaftler Simon Hegelich.

Von: Max Muth

Stand: 21.03.2018

Prof. Dr. Simon Hegelich | Bild: BR

Was war echt und was Fake im deutschen Bundestags-Wahlkampf in den Sozialen Medien? Das war die Frage, die die Daten-Spezialisten der TU München beantworten wollten. Die Antwort: Zwar gab es auch im deutschen Wahlkampf rechte Gruppen, die versucht haben, Diskussionen zu beeinflussen; und ein Grundrauschen in Sozialen Medien durch sogenannte Social Bots, also computergenerierte Posts computergenerierte Posts zur Verstärkung von Aussagen und Meinungen.

AfD erfolgreichste Partei in sozialen Medien

Eine deutlich größere Gefahr für die Demokratie geht laut Professor Simon Hegelich von der TU München aber von den Plattformen selbst aus. Auf Facebook und Co. seien einfache, leicht konsumierbare und deshalb oft verkürzte Wahrheiten gefragt - eine Tatsache, die die AfD zuerst erkannt hat. Die Partei ist in sozialen Medien erfolgreicher als alle anderen.

Doch mittlerweile, so Hegelich, haben sich auch andere Parteien darauf eingestellt: "Inzwischen sieht auch einiges danach aus, dass nicht nur die Kommunikation, sondern auch die Politik sich verändert, dass jetzt Politiker Politik eigentlich für 'Likes' machen und nicht mehr für politische Inhalte."

Likes versus rationale Argumente

Doch für erfolgreiche Politik seien eben nicht Likes entscheidend, sondern der zähe Austausch von rationalen Argumenten. Hegelich fordert deshalb eine umfassende gesellschaftliche Debatte, wie Facebook und andere soziale Medien stärker in die Verantwortung genommen werden können, notfalls auch durch staatliche Regulierung.


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