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Hitzewelle Photovoltaik in Bayern lohnt sich wieder

Die Hitze macht den Landwirten zu schaffen, die Betreiber von Photovoltaikanlagen sind jedoch begeistert. Durch die vielen Sonnenstunden in diesem Sommer sind die Stromeinnahmen deutlich gestiegen.

Von: Daniel Knopp

Stand: 02.08.2018

Montage von Photovoltaik Modulen. | Bild: MEV/Jonas Krüger

Bei "Freising Solar" im Ortsteil Sünzhausen stehen die Telefone nicht mehr still. Geschäftsführer Martin Hillebrand hat alle Hände voll zu tun. Je heißer der Sommer wird, je mehr Kunden interessieren sich wieder für eine Photovoltaikanlage.

Hitzewelle gut für Interesse an Photovoltaik

Photovoltaik lohnt sich wieder, das hat sich mittlerweile rumgesprochen. Schon im letzten Jahr hat der Neubau von Photovoltaik-Anlagen in Bayern deutlich zugenommen, im Vergleich zum Jahr 2016 war es eine Steigerung um 33 Prozent. Der Trend setzt sich fort, nicht zuletzt aufgrund des außergewöhnlichen Sommers.

Die Krise der Branche sei nun längst Vergangenheit, so Martin Hillebrand. Das Interesse ziehe deutlich an. "Ich würde jetzt im Jahr 2018 schon von 30 Prozent zusätzlichen Interessenten und Aufträgen sprechen", sagt er.

Boom der Photovoltaik ab 2011

Schon seit 2011 ist die Photovoltaik die zweitwichtigste erneuerbare Energiequelle für die Stromerzeugung in Bayern. Der Anteil der Photovoltaik hat sich im betrachteten Zeitraum von 4,8 Prozent im Jahr 2010 auf 13,2 Prozent im Jahr 2016 an der bayerischen Bruttostromerzeugung fast verdreifacht. Grund ist, dass in den Jahren ab 2010 sehr viele Anlagen gebaut wurden.

2013 endete der Boom schlagartig

Doch die Boomjahre der Photovoltaikbranche endeten 2013 schlagartig, nachdem die staatliche Förderung massiv abgesenkt wurde. Seither erholt sich die Branche nur langsam. 2017 war das erste Jahr, in dem sich plötzlich ein starker Zuwachs zeigte.

Die Gründe dafür seien vielschichtig, sagt Martin Hillebrand. "In den Krisenjahren hat sich bei der Bevölkerung abgespeichert, dass sich Photovoltaik nicht mehr rentiert." Danach habe es lange gedauert, bis viele gemerkt hätten, dass die Lage wieder besser sei. Der zweite Grund, warum nun der Verkauf so steigt, ist seiner Meinung nach, dass man jetzt den Strom in einer Batterie speichern kann und somit mehr Unabhängigkeit hat.

Photovoltaik-Anlagen kosten nur noch halb so viel wie vor einigen Jahren

Für den Kauf einer Photovoltaikanlage hat sich auch die Familie Schmidt in Sünzhausen bei Freising entschieden. „Wir sind einfach im Gespräch darauf gekommen, dass es sich wieder rentieren würde“, sagt Heidi Schmidt. Schon im letzten Jahr hat sie darüber nachgedacht. Aber da waren ihr die Speicher noch zu teuer und die Batterien zu schlecht. "Aber jetzt können wir mit dem Strom, den wir tagsüber einnehmen, nachts auskommen."

Etwa 5.000 Euro kostet mittlerweile der Batteriespeicher einer Photovoltaikanlage fürs Eigenheim. Die gesamte Anlage kommt auf etwa 15.000 Euro. Etwa doppelt so hoch war der Preis einer solchen Anlage noch vor sieben Jahren.

Trotz geringerer Förderung könne sich eine PV-Anlage bei hohem Eigenverbrauch deswegen wieder rentieren, sagt Martin Hillebrand. "Wir denken, dass man mit einer jährlichen Rendite von etwa 3-4 Prozent rechnen kann."

Momentan können Eigenheimbesitzer noch mit einer Einspeisevergütung von etwa 12 Cent pro Kilowatt rechnen. Daran wird der ertragreiche Sommer vermutlich auch nichts Wesentliches ändern, denn noch sind die Förderkassen reichlich gefüllt. Laut bayerischem Energieministerium weist das EEG-Konto derzeit ein Guthaben von 4,6 Milliarden Euro auf.


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Egon, Freitag, 03.August 2018, 11:23 Uhr

1. Die Feuerwehren wird's freuen.

Hoffentlich sind die Anlagen dann so ausgeführt, dass im Einsatzfall der Feuerwehr niemand zu Schaden kommt. Nicht, dass vor lauter Rendite auf nützliche Sicherheitstechnik verzichtet wird ! Aber bei den $-Zeichen im Auge vergisst mancher schon mal solche Dinge. Werden die Anlagen eigentlich wiederkehrend nach VDE kontrolliert und kennst sich der "Erzeuger" mit seiner Anlage aus, wenn z.B. ein Erdkabel des Netzbetreibers in der Straße repariert werden muss (Schutz vor Rückspannung ...) Ich denke, da könnte man noch einiges an elektrotechnischem Grundwissen vermitteln und nicht einfach hinschrauben und Geld kassieren !

  • Antwort von Bäda, Freitag, 03.August, 13:44 Uhr

    @ Egon
    Anlagen die nicht nach anerkannten Regeln der Technik aufgebaut und bis aufs i-Tüpfelchen dokumentiert sind nimmt der Netzbetreiber gar nicht erst ans Netz. Und was den Schutz vor "Rückspannung" betrifft: Seit den 1990er Jahren müssen Eigenerzeugungsanlagen mit einer selbsttätigen Netzüberwachung und Freischalteinrichtung ausgestattet sein. Anders dürfen die entsprechenden Komponenten gar nicht verkauft werden. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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