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Prozess in Regensburg Mollath-Psychiater: "Prognose war ungünstig"

Im Wiederaufnahmeverfahren hat der erste psychiatrische Gutachter seine Mollath-Einschätzung verteidigt. Er gab allerdings auch zu, dass die Prognose ungünstig gewesen ist. Ein anderer Zeuge berichtete von angeblichen Racheplänen.

Stand: 16.07.2014

Wiederaufnahmeverfahren Gustl Mollath | Bild: Bayerischer Rundfunk

Weil Mollath sich einer Untersuchung verweigert habe, habe er nicht mit ihm gesprochen, erläuterte der erste psychiatrische Gutachter am Mittwoch (16.07.14). Der Mann hatte in der ersten Verhandlung vor dem Amtsgericht Nürnberg 2004 bei Gustl Mollath eine gravierende psychische Störung im Rahmen einer Psychose attestiert. Zweimal habe er den Angeklagten zu einer Untersuchung in seine Praxis eingeladen, erschienen sei Mollath jedoch nicht.

Mollaths Verteidiger reagiert emotional

"Ich habe eine polizeiliche Vorführung des Angeklagten zur Begutachtung angeregt", sagte der Zeuge. Da dies nicht geschehen sei, habe er seine mündliche Einschätzung aufgrund der Aktenlage und der Schreiben des Angeklagten abgegeben. "Als Psychiater kann man daraus durchaus Schlüsse ziehen", betonte der Zeuge. Die Prognose sei ungünstig gewesen wegen des uneinsichtigen Verhaltens von Mollath.

"Haben Sie etwas falsch gemacht?", fragte Mollaths Verteidiger Gerhard Strate. Es sei nicht mit der erforderlichen Sicherheit auszuschließen gewesen, dass keine Psychose vorliege, so der Psychiater aus Nürnberg. "Deshalb habe ich auch eine weitere Aufklärung gefordert. Ich hatte gehofft, dass ein bisschen mehr Selbstkritik kommt", ließ sich der Verteidiger daraufhin zu einem emotionalen Kommentar hinreißen und entschuldigte sich prompt dafür.

Autohändler glaubt: Mollath war der Reifenstecher

Zuvor hatte ein Zeuge vor dem Landgericht von Racheplänen des Angeklagten berichtet. Mollath habe ihm bei einem Besuch 2005 gesagt, dass er allen Menschen schaden werde, die seiner Ex-Frau und ihrem neuen Freund geholfen hätten, sagte der Autohändler aus Nürnberg. Er sei sich sicher, dass Mollath die Reifen zerstochen habe, so der Zeuge. Rund 50 Reifen seien auf dem seinem Gelände platt gewesen. Mollath kenne er aus Kindertagen, habe ihn aber nicht mehr gesehen, bis er vor zehn Jahren bei ihm aufgetaucht sei.

Mollath habe ihn zweimal aufgesucht, sagte der ehemalige Autohändler. Dabei habe Mollath ihm von der Scheidung und seinem Weltbild erzählt. Er habe über Amerikaner, Palästinenser und den Einfluss von Juden in Banken gesprochen. Der Zeuge hatte den Eindruck, Mollath verkrafte die Scheidung nicht.

"Er war halt a bissl sprunghaft in Unterhaltungen."

Autohändler über Mollath

Der Zeuge kennt den neuen Ehemann von Mollaths Ex-Frau. Die beiden sind befreundet. 2003 hatte der ehemalige Autohändler seinem Kumpel ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt, damit er den Hausrat seiner damaligen neuen Freundin Petra M. abholen konnte.

Das Fahrzeug trug eine rote Nummer, deshalb wollte Mollath den Autohändler in einem ersten gemeinsamen Gespräch beim Ordnungsamt anzeigen. Im Gegenzug sehe er von der Anzeige ab, wenn der Autohändler ihm die Telefonnummer des jetzigen Ehemanns der Ex-Frau gebe, berichtete der 59-jährige Autohändler am Mittwoch vor Gericht.

"0-8-15-Haushalt"

Ein Gerichtsvollzieher bezeichnete Mollaths Wohnung am achten Verhandlungstag als "0-8-15-Haushalt". Dabei soll Mollath nach eigenen Angaben antike Möbel gehabt haben. Diese hatte der Angeklagte im Prozess als Grund für ständig herunter gelassene Rolladen angegeben. Er habe sie vor Sonneneinstrahlung schützen wollen, sagte Mollath vergangene Woche. Der Gerichtsvollzieher fand jedoch keine antiken Möbel vor.

Der Gerichtsvollzieher hatte zwei Ferraris, zwei Alfa Romeos und ein Motorrad bei Mollath gepfändet. Er erinnere sich auch ganz genau an den Tag der Festnahme Mollaths zur Zwangsbegutachtung in einem Bezirkskrankenhaus. Der Gerichtsvollzieher habe sich zu einem Termin angekündigt, fast zeitgleich sei auch die Polizei gekommen, von der Mollath überrascht gewesen sei.

Mollath habe er als sehr redselig erfahren, so der Gerichtsvollzieher. Was genau ihm der 57-Jährige aber alles erzählt habe, wisse er nicht mehr. "Da rein, da raus", schilderte er. Dennoch habe es zwischen ihm und Mollath "verbal immer geknistert".

Das wird Mollath vorgeworfen

Was bisher geschah

Gustl Mollath | Bild: Bayerischer Rundfunk zum Thema Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath Freispruch nach 16 Tagen Verhandlung

Laut Mollaths Anwalt Strate dauerte der erste Prozess gegen seinen Mandaten nur vier Stunden. Daraufhin saß der Nürnberger sieben Jahre in der Psychiatrie. Bis zum Freispruch in Regensburg nahm sich das Gericht 16 Verhandlungstage Zeit. [mehr]

Der 57 Jahre alte Mollath muss sich wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung verantworten. Unter anderem soll er 2001 seine damalige Ehefrau körperlich misshandelt und eingesperrt haben. Laut Anklage hat Gustl Mollath sich an Menschen rächen wollen, die an seiner Scheidung von seiner Frau beteiligt waren oder sich sonst irgendwie gegen ihn gewandt hatten. Die Verteidigung geht von manipulierten Vorwürfen aus.

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte Mollath im Jahr 2006 von den Vorwürfen wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen und ihn in die Psychiatrie eingewiesen. Der Fall hatte eine Debatte über die Unterbringung in psychiatrischen Kliniken ausgelöst.


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Martin Bast, Freitag, 18.Juli, 10:53 Uhr

13. Psychiatrie in Deutschland

Juristisch kann man in die Psychiatrie weggesperrt werden, wenn man einen "Sachschaden" (Plakate kleben, Malereien) von über 100 000 Euro anrichtet, um z.B. Kriminalität und Dummheiten der Behoerdendemokratie aufzudecken Allein das läßt schon darauf schließen, daß die Psychiatrie nicht nur dazu dient angebliche "Kranke" wegzusperren. Sie dient auch dazu Menschen aus dem Weg zu räumen, die die Wahrheit aufdecken wollen.
Da immer mehr Menschen und immer länger weggesperrt werden, kann man durchaus folgern, daß es sich hier auch um ein Geschäft handelt .
Profiteure: Justiz, Anwälte, Psychiater, Pfleger, Betreuer, Bewährungshelfer, Pharmaindustrie, Gutachter, Psychologen
Verlierer: die Weggesperrten, die Allgemeinheit (ca. 7 500 Euro pro Monat Kosten bezahlt aus dem Landeshaushalt) Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Ka., Donnerstag, 17.Juli, 18:30 Uhr

12.

- Der Gerichtsvollzieher überschätzt sich. Mir wurden auch schon antike Möbel als "nichts wert, Sperrmüll" bezeichnet. 3 Jahre später verkaufte ich sie für mehrere tausend Euro an Liebhaber. So viel zur Sachkenntnis eines Gerichtsvollziehers, was den Wert alter Möbel angeht.

- WARUM meint der Reifenhändler denn, Mollath sei es gewesen? Gibt es da irgendwas stichhaltigeres, als das auf Behauptungen und Hörensagen basierende "Der wirkt auf mich komisch und wollte sich an der halben Welt rächen"? Wahrscheinlich nicht.

- Der Gutachter hat wohl nicht verstanden, dass ohne Diagnose erstmal eine Psychose festgestellt werden müsste. Sonst stünde jeder Mensch unter Generalverdacht und müsse die Abwesenheit einer Psychose beweisen (lassen).

iSinn, Donnerstag, 17.Juli, 18:04 Uhr

11. Im Vergleich zu anderen

ist er doch harmlos. Nicht wirklich gemeingefährlich.

Meine Güte …

f&f, Donnerstag, 17.Juli, 17:28 Uhr

10.

Na, dann hat ja die (nicht nur hier) absolut einseitige Berichterstattung unter Weglassung sämtlicher Entlastungstatbestände ihren Zweck erfüllt.

Zufälle gibts ;-)

Bast Martin, Donnerstag, 17.Juli, 14:20 Uhr

9. Psychiatrie

Die Verfahrensweisen dieser Justiz Mafia nur zu gut. Mich haben sie 26 Monate weggesperrt für Plakate kleben und Malereien (= ART 5 GG Meinungsfreiheit). Eine angeb. Körperverletzung die sie mir unterschieben wollten, konnte ich mit einem Artikel einer Tageszeitung entkräften, in dem stand , das ich mich widerstandslos festnehmen lies.

In der Psychiatrie haben sie dann selber Körperverletzung begangen um mich zum zurückschlagen zu provozieren.

Wer Kriminalität der Behoerden und Politik aufdeckt wird weggesperrt. Die Psychiatrie dient den "Justiz" Behoerden zur Abschreckung v. whistleblowern
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