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Fall Gustl Mollath Psychiaterin: "Mollath kannte ich gar nicht"

Sieben Jahre war Gustl Mollath in der Psychiatrie. Vor Gericht hat am Donnerstag (10.07.14) eine Psychiaterin ihr Gutachten verteidigt. Ohne Mollath je getroffen zu haben, hatte sie bei ihm eine psychiatrische Störung vermutet.

Stand: 10.07.2014

Gustl Mollath im Treppenhaus des Landgerichts Regensburg (Wiederaufnahmeverfahren) | Bild: picture-alliance/dpa

Die Medizinerin aus dem Bezirkskrankenhaus Erlangen schilderte vor dem Landgericht Regensburg ein Treffen mit der damaligen Ehefrau Mollaths im Jahr 2001 oder 2002. Mollaths Ehefrau war die Bankberaterin der Psychiaterin.

"Beim Kaffee erzählte sie mir, dass sie mit ihrem Ehemann nicht mehr zurechtkomme und eine Wesensveränderung bei ihm wahrgenommen habe."

Ärztin des Bezirkskrankenhauses Erlangen als Zeugin vor Gericht

Dieses Verhalten habe die Medizinerin oft bei ihren Patienten in der Klinik erlebt. "Ich hatte den Eindruck, dass eine psychiatrische Störung vorliegen könnte", erklärte die 54-Jährige vor Gericht. Weiter habe die Ehefrau geschildert, dass Mollath nach einem wirtschaftlichen Misserfolg in einer eigenen Welt lebe und die Zimmer durchgehend abgedunkelt sein mussten, sagte die Ärztin aus. Mollaths Ehefrau habe ihr auch von körperlichen Übergriffen berichtet.

Ärztin: "Frau Mollath wollte dieses Schreiben"

Alles zum Prozess

Gustl Mollath | Bild: Bayerischer Rundfunk zum Thema Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath Freispruch nach 16 Tagen Verhandlung

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Die Psychiaterin hatte dann 2003 eine Stellungnahme geschrieben, in der sie eine "ernstzunehmende psychiatrische Krankheit" bei Gustl Mollath vermutete. Dieses Schreiben basierte allein auf Schilderungen der Ex-Frau von Mollath. "Herrn Mollath kannte ich gar nicht", sagte die Ärztin. In dem Schreiben heißt es, dass bei Mollath "mit großer Wahrscheinlichkeit eine schwerwiegende psychiatrische Erkrankung vorliegt und eine Fremdgefährdung zu erwarten ist". Die Medizinerin schlägt darin auch eine psychiatrisch-nervenärztliche Untersuchung vor. "Frau Mollath wollte dieses Schreiben als Verstärkung für ihre Rechtsanwältin haben" , so die Ärztin.

Später wurde diese Stellungnahme im Strafverfahren gegen Mollath eingebracht und führte zu dessen Zwangsbegutachtung im Bezirkskrankenhaus Bayreuth. Mit Mollath selbst habe sie nicht gesprochen, sagte die Ärztin. Diese Stellungnahme über eine dritte Person sei nur üblich, wenn Gefahr im Verzug ist, betonte sie.

"Wenn ich nichts gemacht hätte und sie wäre ums Leben gekommen, wie wäre man dann an mich herangetreten?"

Ärztin des Bezirkskrankenhauses Erlangen als Zeugin vor Gericht

Freund Mollaths belastet Ex-Frau

Am Donnerstagvormittag (10.07.14) hatte ein ehemaliger Freund des Ehepaares vor Gericht ausgesagt und über ein mutmaßliches Komplott der Ex-Frau berichtet. Der Freund, ein Zahnarzt aus Bad Pyrmont (Niedersachsen), schilderte ein Telefonat mit der Ex-Frau. Darin habe sie im Mai 2002 gesagt: "Wenn Gustl mich oder meine Bank anzeigt, mache ich ihn fertig. Der ist doch irre. Ich lasse ihn auf seinen Geisteszustand überprüfen. Dann hänge ich ihm etwas an." Von Schlägen ihres Ehemannes, Bissen oder blauen Flecken habe sie nichts berichtet, sagte der 66 Jahre alte Zeuge.

"Ich hätte anrufen müssen"

Erst acht Jahre nach dem Telefonat mit Mollaths Ex-Frau habe er von der Unterbringung seines ehemaligen Freundes in der Psychiatrie erfahren, sagte der Zahnarzt. "Da habe ich den Eindruck gewonnen, in was für eine Hölle er geraten ist." Auf die Frage des Gerichts, wieso er sich damals nicht sofort mit Mollath in Verbindung gesetzt habe, räumte er ein: "Jeder normale Mensch hätte das getan. (...) Ich hätte anrufen müssen. Diesen Vorwurf muss ich mir machen lassen."

Gericht vereidigt Zeugen

zeitlicher Ablauf

Gustl Mollath | Bild: SWR/Report Mainz zur interaktiven Anwendung Gustl Mollath Chronologie der Ereignisse

Sieben Jahre saß Gustl Mollath gegen seinen Willen in der Psychiatrie. Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte seine Unterbringung angeordnet, dann erfolgte die Wiederaufnahme des Verfahrens. Das Urteil: Freispruch. [mehr]

Der Zeuge erzählte von seinem ersten Treffen mit dem Ehepaar Mollath 1985 bei einem privaten Autorennen in Italien: "Es herrschte eine große Harmonie zwischen den beiden." Das Ehepaar sei zu den Rennen mit einem kleinen Bus gefahren, der als Wohnmobil und Werkstatt benutzt wurde. Später seien die Mollaths sogar gemeinsam Rennen gefahren. Der Zahnarzt wusste nach eigenen Angaben auch von der beruflichen Tätigkeit der Ehefrau: "Gustl erzählte mir, dass er mit den Geldgeschäften nicht einverstanden war. Darüber entstand dann eine gewisse Disharmonie."

Die Staatsanwaltschaft und der Anwalt der Nebenklägerin befragten den Freund Mollaths intensiv und kritisch. Er wurde vom Landgericht Regensburg vereidigt.


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Roland, Donnerstag, 10.Juli 2014, 23:40 Uhr

10. Recht auf Heilung auch für Gustl Mollath!

Die zur Zeit berufstätige Psychiater-Generation ist mittlerweile dafür bekannt, dass sie sehr häufig Machtmissbrauch betreibt, indem sie Menschen mit ihren Diagnosen ein Leben lang stigmatisiert und psychiatrisiert.
Wenn die Therapie nicht auf Heilung hin ausgerichtet ist, sondern das Ziel der Behandlung in der lebenslangen Verwahrung besteht, dann kann auch nichts wieder gut werden.
Jedoch finde ich, das jeder Mensch das Recht auf Heilung und Reintegration in die Gesellschaft besitzt.

Niel Püsch, Donnerstag, 10.Juli 2014, 22:51 Uhr

9. Psycho

Na, was haben wir da wieder gelernt? Richtig:
Auch Psychiater sind ganz normale Menschen wie Du und ich. Außer, es entwickeln sich
"Eindrücke" bei ihnen. Da werden sie mitunter etwas wunderlich.
Ist es ihre Schuld, wenn gerade das von manchen Auftraggebern geschätzt wird?

GerdaB, Donnerstag, 10.Juli 2014, 22:31 Uhr

8. So einfach gehts das mit einer Einweisung in die Psychiatrie?

Na Klasse!!! Und diese Dame war ja auch Bankkundin bei Frau Mollath....
Wäscht da eine Hand die andere?
So gesehen wäre es also ganz einfach, seinen missliebigen Nächsten mit dem entsprechenden Vitamin B in die nächste Psychiatrie zu verfrachten und ihn dort dann Jahre lang schmoren zu lassen.
Und solche "Fachleute" sorgen dann auch dafür, dass Kinderschänder vorzeitig entlassen werden??? D i e kommen eher raus als ein Gustl Mollath und können dann ihr Handwerk weiter betreiben.
Mir wird schlecht!

achill, Donnerstag, 10.Juli 2014, 19:51 Uhr

7. Ferngutachten

man sollte dieser ärztin die appropation entziehen. man muss sich das mal vorstellen,
ohne einen Menschen gesehen zu haben, oder mit ihm ein gespräch geführt zu haben, eine diagnose (gefälligkeit) zu erstellen. zu solchen ärzten soll man vertrauen.... ohne worte!!!

Fassungslos, Donnerstag, 10.Juli 2014, 19:04 Uhr

6.

Was ist denn bei uns im Land verkehrt????
Da muss man ja wirklich Angst haben!

Da sind sich zwei Frauen einig und der Mann wird für 7 Jahre seines Lebens weggesperrtt!?

Mir fehlen die Worte!