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Historie Politiker am Scheideweg - Affären in Ostbayern

Der bevorstehende Prozess gegen den Regensburger OB Joachim Wolbergs (SPD) wecken Erinnerungen. Immer wieder standen Politiker in Ostbayern im Zentrum politischer Affären. Und immer ging es dabei ums Geld.

Von: Uli Scherr, Katharina Häringer

Stand: 03.05.2018

Eine Hand steckt einen Umschlag mit Geldscheinen in die Jackentaschen | Bild: picture-alliance/dpa

Die Affäre Hans Schröpf

Hans Schröpf (CSU) war 31 Jahre lang Oberbürgermeister von Weiden. 2007 legte er sein Amt nieder. Da war er bereits zweifach vorbestraft wegen Betrugs und Steuerhinterziehung. Schon 2005 hatte er einen Strafbefehl über mehr als 20.000 Euro wegen Betrugs akzeptieren müssen, weil er Nebeneinkünfte nicht ordnungsgemäß abgeführt hatte. 2006 stand dann Schröpf mit seiner Ehefrau gemeinsam vor Gericht: Die OB-Gattin hatte Einnahmen aus einer alljährlichen Benefiz-Gala in fünfstelliger Höhe für sich behalten.

Unabhängig davon hatte der Kommunale Prüfungsverband mehrfach die Amtsführung des CSU-Politikers gerügt. Aus dem Amt schied Schröpf offiziell übrigens aus gesundheitlichen Gründen - mit Billigung der Stadtratsmehrheit. Auf diese Weise konnte er seine Pensionsansprüche erhalten.

Hans Schröpf starb im November 2012 im Alter von 74 Jahren.

Die Affäre Ludwig Mayer

Ludwig Mayer (CSU) war seit 1972 Landrat des damals neugegründeten Landkreises Rottal-Inn. Nach wiederholten eigenmächtigen Entscheidungen bei der Finanzierung der landkreiseigenen Krankenhäuser muss Mayer 1983 sein Amt niederlegen und wird aus der CSU ausgeschlossen. Bei den Neuwahlen 1984 tritt Mayer als unabhängiger Kandidat an und wird mit deutlicher Mehrheit als Landrat wiedergewählt. Sein Amt darf er allerdings nicht mehr ausüben. 1987 hebt das Verwaltungsgericht Regensburg die Wahl wieder auf. Schon zuvor war Mayer wegen seiner Verfehlungen zu einer Geldstrafe von 24.000 D-Mark verurteilt worden.

Nachfolgerin von Ludwig Mayer als Landkreis-Chef wird seine damals 40 Jahre alte Ehefrau Bruni. Sie amtiert dann 24 Jahre lang und scheidet 2011 als damals dienstälteste bayerische Landrätin aus dem Amt.

Ludwig Mayer hat das nicht mehr miterlebt. Er starb 2006 im Alter von 71 Jahren.

Spesen- und Käsehäppchen-Affäre

Ende der 90er-Jahre kommen Unregelmäßigkeiten im Oberpfälzer Bezirkstag ans Licht. Der Regensburger CSU-Stadtrat und langjährige zweite Bürgermeister Alfred "Sched" Hofmaier hatte über Jahre beim Bezirk Spesenabrechnungen eingereicht für die Teilnahme an angeblichen Pflichtterminen in seiner Eigenschaft als Bezirksrat - darunter fiel auch die Teilnahme an Fronleichnamsprozessionen und Richtfesten. Hofmaier zahlte schließlich 18.000 Mark an ungerechtfertigt kassierten Spesen zurück und verlor sein Bezirkstagsmandat.

Kurz darauf wurde bekannt, dass Bezirkstagspräsident Hans Bradl (CSU) über Jahre insgesamt 16.000 Mark an Sitzungsgeldern kassiert hatte, die ihm nicht zugestanden hätten. Auch Bradl musste das Geld zurückzahlen. Weitere Vorfälle wurden bekannt: So soll er eine Mitarbeiterin attackiert haben, weil sie bei einer Veranstaltung nicht rasch genug für Schnittchen-Nachschub sorgte. Die Affäre hatte ihren Namen ("Käsehäppchen") und Bradl verlor seinen Posten als Bezirkstagspräsident. Er amtierte aber bis 2008 weiter als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Postbauer-Heng. Das Amt bleibt in der Familie, heute regiert dort Bradls Neffe.  

Alfred "Sched" Hofmaier starb 2010 in Regensburg. Hans Bradl starb 2016.

Die Affäre Hans Wallner

1997 deckt die Verwaltung des Bayerischen Landtags auf, dass der Mietrachinger CSU-Abgeordnete Hans Wallner an seinem Dienstapparat Telefongebühren von fast 27.000 D-Mark verursacht hat. Wallner hatte mehr als 400 Mal bei teuren Sex-Hotlines angerufen und dann oft stundenlang mit den Damen geflirtet. Zur Landtagswahl 1998 wird er von seiner Partei nicht mehr nominiert. Wegen der Sex-Telefonate wird Wallner nach Ende seiner politischen Laufbahn wegen Betrugs zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Schon vorher war Wallner in Kontakt mit der Justiz gekommen: Einmal kassiert er einen Strafbefehl über 8.000 Mark wegen eines rasanten Fahrmanövers, 1995 wird er zu 9.000 D-Mark Strafe verurteilt, weil er Parteifreunden mit Enthüllungen gedroht haben soll für den Fall, dass sie ihn nicht erneut als Landtagskandidat nominieren. Ungeachtet all dieser Eskapaden holt Wallner dreimal hintereinander das Deggendorfer Direktmandat als Landtagsabgeordneter.

Hans Wallner ist heute 67 Jahre alt. Er lebt zurückgezogen in Deggendorf.

Die Affäre Heinz Wölfl

Trauergottesdienst für Heinz Wölfl in der Stadtpfarrkirche von Regen.

Erst mit seinem Suizid sind seine Machenschaften bekannt geworden: Der Regener Landrat Heinz Wölfl (CSU) tötete sich am 16. August 2011 im Alter von 58 Jahren bei einem Autounfall selbst. Wölfl war spielsüchtig und zockte um immens hohe Summen. Mehrere Hunderttausend Euro hatte er sich insgesamt von Personen - darunter Politiker und Unternehmer aus der Region - ausgeliehen. Zum Zeitpunkt seines Todes warteten etwa 60 Gläubiger auf Rückzahlung. Wölfl sah keinen anderen Ausweg mehr. Nach seinem Tod tauchte ein Abschiedsbrief auf, in dem er sich bei seinen Gläubigern entschuldigte. Zuvor war Wölfl 17 Jahre lang Landrat im Kreis Regen, davor elf Jahre Bürgermeister von Regen.

Nach Bekanntwerden von Spielsucht und Schulden ging es vor allem um eine Frage: War Wölfl bestechlich? Zwei Wochen nach seinem Tod nahm die Deggendorfer Staatsanwaltschaft in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei Landshut Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorteilsgewährung auf. Die Staatsanwaltschaft stellte Akten in mehr als 30 Gebäuden sicher, darunter auch im Regener Landratsamt. Die Ermittlungen konzentrierten sich auch auf Banken. Der Verdacht: Verantwortliche sollen Wölfl Kredite gewährt haben. Gegen sie wurde wegen des Verdachts der Untreue ermittelt.

Erst im Mai 2013 wurden die Ermittlungen vollständig abgeschlossen. Insgesamt wurden alle Verfahren eingestellt, bei zwei Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage an eine gemeinnützige Einrichtung. Die Staatsanwaltschaft konnte "nicht hinreichend sicher feststellen", dass durch die gewährten Darlehen auch Einfluss auf Wölfls Dienstausübung genommen worden sei, hieß es damals.

Die Affäre Michael Adam

Michael Adam ist 2008 der Shooting-Star der bayerischen SPD. Der 23-jährige Student, der offen schwul lebt, gewinnt die Bürgermeisterwahl in Bodenmais. Adam ist damit der jüngste Bürgermeister Deutschlands. Als 2011 der Landrat von Regen, Heinz Wölfl, stirbt, wird Adam zu seinem Nachfolger gewählt. Wieder ist er der jüngste Landkreis-Chef in der Bundesrepublik.

2013 muss Adam einräumen, dass er seine Büros im Landratsamt und im Rathaus von Bodenmais mehrfach für Sex-Treffen genutzt hat. Außerdem gesteht er den Konsum von sogenannten Poppers, einem in Deutschland verbotenen Aufputschmittel.

Einen Rücktritt oder eine vorzeitige Landratswahl lehnt Adam ab. 2016 macht er ein Alkoholproblem öffentlich und begibt sich in Behandlung. Im Frühjahr 2017 teilt er mit, dass er auf eine Kandidatur bei den Landratswahlen im Herbst 12017 verzichtet.

Michael Adam lebt heute als Student in Passau.

Die Affäre Uwe Kass

Im Frühjahr 2008 kandidiert der CSU-Kommunalpolitiker und Steuerberater Uwe Kass für das Amt des Oberbürgermeisters von Schwandorf - erfolglos. Er unterliegt dem SPD-Herausforderer. Was damals noch niemand weiß: Kass drücken Schulden in Millionenhöhe, angehäuft nach der missglückten Übernahme einer Steuerkanzlei in München.

Um seine Schulden bedienen zu können, erschwindelt sich der 42-Jährige mit gefälschten Dokumenten und dem Versprechen auf fantastische Renditen bei einer österreichischen Bank und bei einem oberpfälzer Geschäftsmann vier Millionen Euro.

Vier Monate nach der OB-Wahl gesteht Kass in einem Brief seinen Betrug und taucht unter. Der Familienvater flieht zunächst in den Irak, lebt später unerkannt in Nordrhein-Westfalen, während die Polizei ihn mit internationalem Haftbefehl sucht. Seine Ehefrau lässt sich in dieser Zeit von ihm scheiden. Drei Jahre nach seinem Verschwinden - im Juli 2011 - wird Kass in Düsseldorf verhaftet.

Im März 2012 wird Uwe Kass wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.


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Gretchen, Montag, 20.Juni, 18:32 Uhr

3. Balkanesische Verhältnisse

Im 19. Jahrhundert hieß es, östlich der Isar beginne der Balkan. Wie man sieht, ist da was dran.

Matthias Lehner, Montag, 20.Juni, 13:20 Uhr

2. Ablenkung von der roten Schindluderei

Typisch für das linksgrünrote BR-Team, dass man nun - um den roten OB von Regensburg in Schutz zu nehmen - alte Affären aus der CSU aufwärmt.

Der BR wird immer mehr zu einem linkslastigen Sender, der nicht mehr objektiv sein kann sondern in der Berichterstattung die eigene Meinung einbringt.

  • Antwort von qw, Montag, 20.Juni, 21:10 Uhr

    Ne, ne für ihre vielen Affären sind die CSU- Politiker schon selbst verantwortlich. Und wenn man die grossen Reden dieser Partei über andere Menschen hört ist es nur erlaubt, diesen Herrschaften auch den Spiegel vorzuhalten.
    Es gibt auch Bürger, die nicht alle an Demenz leiden. Wenn man ein öffentliches Amt begleitet muss man eben gewisse Verhaltensweisen sehr gut überlegen. Oft holen einen halt die eigenen Verhaltensweisen dann auch ein. Da kann man nicht andere Menschen oder hier den B R verantwortlich machen.

  • Antwort von Manfred, Montag, 20.Juni, 22:39 Uhr

    Hmmm, da fühlen sich die CSUler wohl wieder auf den Schlips getreten. - Tja mei, so ist das halt in Bayern...

    BR und linkslastig? Haha, schauen Sie mal, wer da so im Verwaltungsrat sitzt...

Chaim, Montag, 20.Juni, 12:51 Uhr

1. Politiker am Scheideweg - Affären in Ostbayern

@Redaktion
und was soll jetzt der ganze Bericht? Ablenkung?
Wahlen stehen noch keine an.