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Neues Buch Wackersdorf: Was führte wirklich zum Aus der WAA?

In Wackersdorf (Lkr. Schwandorf) hätte vor 30 Jahren eine Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll gebaut werden sollen. Zu Tausenden haben die Menschen dagegen demonstriert - mit Erfolg: Die WAA wurde nie gebaut. In einem neuen Buch schreibt der ehemalige WAA-Leiter aber: Das Aus hatte andere Gründe.

Von: Sebastian Grosser

Stand: 14.03.2018

WAA-Gegner liefern sich am Bauzaun ein gefecht mit der Polizei (1986) | Bild: pa/AP

Gert Wölfel hält ein Stück deutsche Geschichte in seiner Hand: ein Teil des Bauzauns, mit dem die Demonstranten von der Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf ferngehalten werden sollten. Es waren wilde Zeiten. Mittendrin: Gert Wölfel, verantwortlich für Betrieb und Bau der WAA.

"Hier haben schon Dinge stattgefunden, die mehr als kriminell waren. Ich kann mich noch an die Krähenfüße, die da immer noch ausgestreut waren, erinnern. Und wie ich mal persönlich den damaligen Innenminister Edmund Stoiber wie ich den mal aus der Anlage über Schleichwege ausgefahren habe."

Gert Wölfel, ehemaliger Leiter der WAA Wackersdorf

Wölfel auch im Fokus der RAF

Gert Wölfel

Als Verantwortlicher für die WAA galt Wölfel als Feind. Er wurde bedroht, soll als - Zitat - "Atomschwein" auch im Fokus der RAF gewesen sein. Er stand deshalb unter besonderem Schutz. Obwohl Wölfel in der WAA eine Chance für die Region gesehen hat, sieht er die Atomtechnologie differenziert. "Da ist Charakter gefragt, denn man geht doch mit gefährlichen Stoffen um", sagt Wölfel. Er ist daher um Aufklärung bemüht.

In einem Buch beschreibt der 79-jährige nun, warum die WAA zwar politisch gewollt, technisch machbar, aber: betriebswirtschaftlich unsinnig war. Denn die Wiederaufbereitungspreise der englischen und französischen Anlagen seien viel niedriger gewesen, als die voraussichtlichen Kosten in Wackersdorf, erklärt Wölfel. Bundeskanzler Helmut Kohl hätte daraufhin erklärt, dass man Verträge mit Frankreich schließen würde. "Dadurch hat man die Verpflichtung, die Anlage zu bauen, aufgegeben", so Wölfel.

Mythos: WAA-Ende wegen Ausschreitungen

Ein Stück Bauzaun

Dass die Ausschreitungen und Bürgerbewegungen zum Aus der WAA geführt haben sollen, ist für Wölfel ein Mythos. "Das nehmen zwar Einige für sich in Anspruch. Die Demonstrationen waren am Ende ja nicht mehr nennenswert", sagt Wölfel. 1989 kam das Aus. Um die zehn Milliarden D-Mark hat der Bau bis dahin gekostet. Wölfel hätte in gut bezahlte Jobs wechseln können. Doch er blieb, aus Verantwortung, wie er sagt.

"Wenn ich eine Region rebellisch mache, dann muss ich auch dazu stehen, was machbar ist, den Schaden auch so gering wie möglich zu halten."

Gert Wölfel, ehemaliger Leiter der WAA Wackersdorf

Wackersdorf floriert

Wölfel setzte sich dafür ein, dass sich auf dem Gelände der WAA große Firmen wie Sennebogen, Wilden oder Stahl ansiedelten. Dazu kamen Fördergelder von insgesamt knapp 1,5 Milliarden Euro. Andere Gemeinden konnten davon nur träumen. Alles für eine nicht gebaute Wiederaufbereitungsanlage. Trotzdem ist Wölfel zufrieden mit der Entwicklung.

"Im Grunde genommen bin ich glücklich, dass die WAA nicht gekommen ist. Durch den politischen Entschluss, die Kernkraftwerke auslaufen zu lassen, wäre das eine Art Industrieruine geworden."

Gert Wölfel, ehemaliger Leiter der WAA Wackersdorf


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Voermaier, Mittwoch, 14.März, 15:09 Uhr

2. Ursache

Einzig der Tod eines Herrn Dr. Strauß führte zum Verzicht auf dieses Bauwerks

Wolfgang, Mittwoch, 14.März, 12:49 Uhr

1. Die Standortwahl war ein Verbrechen!

2600km Stromaufwärts des Schwarzen Meeres, durch dicht besiedeltes zentraleuropa im Störungsfall radioaktive Brühe!

Shellafiel, La Hague, der schottisch Brüter direkt am Meer.

Die US-Brennstofffabrik Hanckock_River im äusserst dünn besedelten Nordwesten der USA.

Und die sibirischen Ströme fliessen auch nur durch äusserst dünn besiedelte Gegenden. Im Zulauf des Baikalsees gibt es keine russischen Atomanlagen.