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Lehrerverband übt Kritik Lehrerabwanderung aus der Oberpfalz: "Ungerechtigkeit ist nicht hinnehmbar"

Über drei Viertel der ausgebildeten Junglehrer für Grund- und Mittelschulen in der Oberpfalz dürfen im kommenden Schuljahr nicht dort unterrichten, sondern werden zum Dienst in Oberbayern verdonnert - das stößt auf Kritik beim Lehrerverband.

Von: Kilian Neuwert

Stand: 20.07.2018

Unterrichtssituation, Lehrerin an der Tafel | Bild: BR

Von 250 in der Oberpfalz ausgebildeten Junglehrern müssen zum kommenden Schuljahr über 190 ihren Dienst in Oberbayern antreten. Das teilte die Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) für die Oberpfalz, Ursula Schroll, mit. Konkret geht es um Lehrerinnen und Lehrer für Grund- und Mittelschulen.

Unterschiedliche Beurteilung des Familienstands

Im Gespräch mit dem BR bezeichnete Schroll diese Abwanderung als "krasse Ungerechtigkeit". Die Oberpfälzer Junglehrer würden im Vergleich zu ihren Kollegen aus anderen Bezirken benachteiligt. So müssten nicht nur alle ledigen Junglehrer, sondern auch alle verheirateten ohne Kinder ihren Dienst in Oberbayern antreten. Andernorts dürften etwa Verheiratete bleiben.

"Es kann nicht sein, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird und der soziale Status in unterschiedlichen Regierungsbezirken unterschiedlich zählt." Ursula Schroll, Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes

Schroll fordert, die Einstellung der Junglehrer zum kommenden bayernweit zu korrigieren. "Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit des Lehrerausgleichs ist diese offensichtliche Ungerechtigkeit nicht hinnehmbar."

Bedarf in Oberbayern groß

Im Freistaat werden Lehrer nach Bedarf eingesetzt. In Oberbayern gilt dieser derzeit im Bereich der Mittel- und Grundschulen als groß. Einem Landtagsbeschluss zufolge soll der Familienstand der Lehrer bei der Frage nach dem Einsatzort entscheidend sein. Schroll zufolge wird dieser Beschluss aber nicht flächendeckend berücksichtigt.


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Ungläubig, Samstag, 21.Juli, 13:14 Uhr

5. Kuschen und Kuscheln beim Schulrat???

@oberpfälzer Probleminsider:
Wieso lassen Sie sich sowas gefallen? Den Personalrat muss man doch irgendwo anzeigen können! Sicher nicht für Arroganz, aber für Verschwiegenheitspflichtverletzung!

Josef, Samstag, 21.Juli, 08:24 Uhr

4. Verstehe die Aufregung nicht

Wurde doch im Anstellungsvertrag unterzeichnet das er oder sie im Freistaat überall einsetzbar ist, wird auch entsprechend belohnt, außerdem sammeln sie Erfahrungen welche ihnen nicht schaden!

  • Antwort von Gebranntes Münchner-Einsatz Kind, Samstag, 21.Juli, 14:04 Uhr

    Josef, präzisieren Sie doch bitte mal die "Belohnung"!
    Sie erfahren irgendwann im August, dass Sie nach München versetzt werden und können sich dort bis zum Schulbeginn eine Wohnung suchen (Viel Erfolg!). Für Ihre derzeitige dürfen Sie nach erfolgter Kündigung noch drei Monate Miete zahlen.
    Sie bekommen im teuren Oberbayern so viel bezahlt wie Ihre Kollegen in den Oberfränkischen Dörfern, die schön an ihrer Karriere basteln und bis Sie wieder zurück versetzt sind, längst die tollen Jobs haben.
    Sie selber haben sich an einer Brennpunktschule den A... aufreißen lassen und sind mit allen möglichen Jugendhilfeprojekten inner- und außerschulischer Art bestens vertraut. Nach Rückkehr in Ihren alten Regierungsbezirk bekommen Sie von Schulleiter und Schulrat zu hören, "sowas" brauche man hier nicht, hier gebe es keine solchen Problemschüler. Sie werden wie ein Alien von Schule zu Schule verschoben, misstrauisch und abfällig beäugt, als hätten Sie das Böse eingeschleppt.
    Belohnung???

Moe, Freitag, 20.Juli, 18:31 Uhr

3. Warum nicht alle?

Gerechter wäre, JEDEN für z.B. drei Jahre nach Oberbayern zu versetzen, aber dann eben auch wieder zurück, statt Unverheiratete über zehn Jahre lang erfolglos Versetzungsanträge stellen zu lassen und sie dafür auch noch blöd anzumachen.
Das wäre absehbar und auszuhalten und auch andere Paare und Familien müssen das aushalten.
Oder zumindest die, die schnell mal heiraten, wenigstens dann noch runter zu versetzen, wenn sie wieder geschieden sind. Gibts viele! Übrigens auch Lehrerehepaare, die gleichzeitig Prüfung abgelegt haben und nicht versetzt wurden.

Wolfgang, Freitag, 20.Juli, 15:34 Uhr

2. Warum sollte der Familienstand zählen?

1. Alle jungen fertig ausgebildeten Lehrer haben Eltern die ggf. pflegebedürftig werden.

2. eine Freundin/ Freund die dann eben kurz geheiratet werden sind nicht sozial wertvoller als gut in einem Sportverein integriert zu sein.

3. Junge Lehrer werden kaum schon schulpflichtige Kinder haben.

4. Für wirklich problematische soziale Lagen glt nicht Bezirk sondern Ortsnähe ist geboten. Dann aber druchaus nur 5 km weiter im Nachbarbezirk....

( Z.B. Neumarkt St.Veit und Massing. )

  • Antwort von Päd, Freitag, 20.Juli, 18:20 Uhr

    Seien Sie beruhigt, @Wolfgang

    Ad 1.: Sie werden schon zum 1.8. versetzt, wenn Ihre Eltern bis zum Stichtag des Versetzungsantrags im Februar eine Pflegestufe nachweisen können, die es Ihnen im Prinzip unmöglich macht, bei deren Betreuungsbedarf überhaupt noch zu arbeiten. Kann allerdings sicher auch sein, dass Sie sich anhören müssen, die Eltern anderer Leute seien schließlich auch in Pflegeheimen untergebracht.

    Ad 2.: Von denen aus meinem Bekannten- und Kollegenkreis, die vor 15 - 20 Jahren "dann eben kurz geheiratet" haben, um der Versetzung zu entgehen ist KEINER mehr mit diesem Partner zusammen.

    Ad 3.: Kinder haben sie auch nahezu keine.

    Ad 4.: Es ist nicht nur der Bezirk, sondern auch der Landkreis entscheidend. Wenn sie an der Landkreisgrenze wohnen, werden sie eben mal über 50 km entfernt für ein paar Jahre an eine Schule am anderen Ende hinbeordert, statt in 5 km Entfernung im Nachbarlandkreis eingesetzt zu werden.

  • Antwort von Päd, Freitag, 20.Juli, 18:22 Uhr

    Nachtrag zu gerade eben:
    Wofgang, Ihre Pippi-Langstrumpf-Welt-Ideen sind toll, aber leider leben wir in ISSO!

  • Antwort von oberpfälzer Probleminsider, Samstag, 21.Juli, 08:34 Uhr

    @Wolfgang, Päd

    Das mit dem traurigen Land "ISSO" stimmt leider!
    Zuerst wird man ein paar Jahre mit Zeitverträgen immer wieder hingehalten, eingestellt, ausgestellt, kriegt die Ferien nicht bezahlt und richtet sich schließlich im Elternhaus eine kleine Wohnung ein und dann kommt man nach Oberbayern. Bei Ablehnung droht Totalentlassung.
    Über zehn Jahre lang, ohne Aussicht auf Rückversetzung.
    Andere, entfernter wohnende Familienmitglieder dürfen sich dann um die inzwischen alt und hilfsbedürftig (aber halt - gottseidank!- ohne entsprechende Pflegestufe) gewordenen Eltern kümmern.
    Diese Familienmitgliedeer wenden sich dann an den örtlichen Personalratsvorsitzenden und bekommen schriftlich die Aussage, dass die Betreuung von Familienmitgliedern Privatsache sei, ebenso wie Vereinsmitgliedschaften, etc. Dieses Schreiben wird dann aus Transparenzgründen gleich an den zuständigen Schulrat weiter geleitet, nicht dass der noch denkt, da würde sich jemand hintenrum für die Lehrer einsetzen.

Päd, Freitag, 20.Juli, 14:58 Uhr

1. Nicht nur das!

Schön wäre auch, wenn man als Unverheiratete nach dem 12. Jahr in Oberbayern und dem 12. Versetzungsantrag mal wieder zurück versetzt werden würde. Nur weil man nicht verheiratet ist heißt das nämlich noch lange nicht, dass man "ungebunden" ist!