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Dem Widerstand verschrieben Holocaustüberlebender Martin Löwenberg ist tot

Der Holocaustüberlebende und antifaschistische Widerstandskämpfer Martin Löwenberg ist tot. Wie Freunde der Familie mitteilten, starb er am Ostermontag wenige Wochen vor seinem 93. Geburtstag. Bis ins hohe Alter engagierte sich Löwenberg gegen Rassismus und Neofaschismus.

Von: Thies Marsen

Stand: 05.04.2018

Martin Löwenberg zur Feier seines 80. Geburtstags | Bild: Löwenberg

Löwenberg wurde als Sohn eines jüdischen Vaters in Breslau geboren und engagierte sich früh in der sozialistischen Jugendorganisation "Die Falken". Mit 17 schloss er sich dem organisierten Widerstand gegen das Nazi-Regime an und unterstützte zwei Jahre lang Zwangsarbeiter aus Osteuropa, die von den Deutschen verschleppt worden waren. Schließlich wurde er von der Gestapo verhaftet, gefoltert und ins oberpfälzer KZ Flossenbürg deportiert, in dessen Außenlagern er unter anderem für die Firma Osram Zwangsarbeit leisten musste.

Politisch aktiv bis ins hohe Alter

Martin Löwenberg beim Ostermarsch auf dem Podium.

Nach seiner Befreiung lebte Löwenberg in München und war weiterhin politisch aktiv: Als Kommunist wurde er in der jungen Bundesrepublik politisch verfolgt und von der mit Altnazis durchsetzten Justiz mehrfach zu Gefängnisstrafen verurteilt. Zuletzt verurteilte ihn im Jahr 2002 das Amtsgericht München, weil Löwenberg die Teilnehmer einer antifaschistischen Kundgebung dazu aufgefordert hatte, sich einem Neonazi-Aufmarsch durch die Münchner Innenstadt in den Weg zu stellen. Das Urteil löste breite Proteste aus, der Kabarettist Dieter Hildebrandt thematisierte es in seiner letzten TV-Sendung "Scheibenwischer".

Er berichtete vor Schulklassen und bei Zeitzeugenveranstaltungen

Martin Löwenberg bei einer Anti-Nazidemo.

Löwenberg wurde unter anderem mit der Medaille "München leuchtet" und der Carl-von-Ossietzky-Medaille geehrt, ausgezeichnet wurde er auch vom Münchner Schülerbüro, weil er regelmäßig vor Schulklassen von seinen Erlebnissen während der Nazizeit berichtete. Martin Löwenberg hat sein politisches Engagement rückblickend einmal so kommentiert: "Bei meiner Befreiung aus dem KZ hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich mein ganzes Leben gegen Faschismus, Antisemitismus und Rassismus, gegen Militarismus und Krieg kämpfen muss."


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