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Minoritenweg 1 Experten fordern Gestapo-Dokumentation für Regensburg

Am 24. April 1945 wurde in Regensburg der Domprediger Johann Maier auf dem heutigen Dachauplatz erhängt. Das Zimmer, in dem ein Standgericht Maier in der Regensburger Polizeidirektion verurteilt hat, bleibt erhalten. Aber damit ist es nicht getan sagen Experten.

Von: Thomas Muggenthaler

Stand: 24.04.2018

Die frühere Zentrale der Gestapo in Regensburg im Minoritenweg 1. | Bild: BR/Thomas Muggenthaler

Die Gestapo Regensburg stand mit der Adresse "Minoritenweg 1" ganz offiziell im Adressbuch der Stadt Regensburg von 1939. Die Rolle der Geheimen Staatspolizei im Dritten Reich rückt immer mehr ins Zentrum des Interesses sagt Jörg Skriebeleit, der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg (Lkr. Neustadt an der Waldnaab).

"Nachdem man sich die letzten Jahrzehnte mit guten Gründen hauptsächlich den Opfern zugewendet hat, kommen jetzt immer mehr Fragen nach Tätern und Täterschaft. Natürlich spielt auch das Gebäude, das sich jetzt im Umbau befindet, da eine nicht unwesentliche Rolle."

Jörg Skriebeleit

Gestapo organisierte Hinrichtungen

Hier am Minoritenweg 1 wurden die Hinrichtungen polnischer Zwangsarbeiter organisiert, wie in Michelsneukirchen im Landkreis Cham oder in Hütting im Landkreis Passau. Die Polen wurden meist ermordet, weil sie Liebesverhältnisse mit deutschen Frauen hatten.

Fast immer vor Ort: Der stellvertretende Gestapo-Chef Sebastian Ranner. Sein Kollege Luitpold Kuhn hat in Niederbayern und der Oberpfalz unter den sowjetischen Kriegsgefangenen sogenannte unbrauchbare Elemente ausgesondert.

"Die Gestapo Regensburg war in vielen schrecklichen Funktionen unterwegs - bei der Aussonderung von sowjetischen Kriegsgefangenen zur Exekution nach Flossenbürg oder bei der Deportation Regensburger Juden."

Jörg Skriebeleit

Am Minoritenweg wurde die Verfolgung politischer Gegner wie der sogenannten Neupfarrplatzgruppe in Regensburg betrieben. Bis heute erinnert in Regensburg nichts an das Wirken der Gestapo.

"Man muss sich dem Thema stellen"

Auch in anderen Städten dauerte es lange, sagt Johannes Tuchel, der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin. In Berlin vergingen 20 Jahre, bis die Zentrale der Gestapo entdeckt und das bekannte Museum "Topografie des Terrors" errichtet wurde.

"Schauen Sie sich an, wie lange es auch in Stuttgart gedauert hat, bis das 'Hotel Silber' in seiner historischen Bedeutung erkannt wurde. Oder was jetzt in Hamburg passiert, dass dort in eine hyperteuere Schickimicki-Meile eingebaut wird, wo früher das Stadthaus des Hauptquartiers der Gestapo war. Alleine diese Beispiele zeigen, welche Bandbreite von problematischen Umgängen es mit der Geschichte der Gestapo gibt. Alleine die Tatsache, dass wir uns heute im Jahr 2018 noch darüber unterhalten, wie man damit umgehen muss, macht ja die Dimension des Problems deutlich."

Johannes Tuchel

Regensburg war neben Nürnberg und München die dritte bayerische Gestapostelle. Man muss sich dem Thema stellen, sagt Johannes Tuchel, einer der führenden NS-Experten in Deutschland. Wenn eine Großstadt eine frühere Gestapo-Stelle habe sei es selbstverständlich, eine Basisinformation anbieten zu müssen, sagt Tuchel. Dies könne man auch mit wenigen Mitteln in Regensburg erreichen.


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Franziska, Mittwoch, 25.April, 15:24 Uhr

3. Sühne und Vergebung

Wie viele äußerten bei der Vergewaltigung durch Roman Polanski im Jahre 1972 die Sache, aufgrund der Zeit welche vergangen war, ruhen zu lassen.
Die Kirche tut sich auch sehr schwer Ihren Kindsmissbrauch, obwohl seither erst max. 50 Jahre vergangen sind, endlich aufzuarbeiten obwohl so manche der Täter noch leben. Aber die immer leidige Geschichte Hitlers und deren Geschehnisse aufzuwühlen, durchzukauen und auf die Tagesordnung zu bringen finde ich dermaßen überzogen. Es sind seit Kriegsende 73 Jahre vergangen, wer soll da bitte noch zur Verantwortung gezogen werden? Selbst wenn ja noch jemand lebt von den Tätern sind Sie am Ende doch Verhandlungsunfähig und gehen wieder als freie Menschen aus dem Gerichtssaal- leider. Schauprozesse sind das ebenso diese Debatte um diese abscheuliche Tat welche aber, bei allem Verständnis, 73 Jahre her ist.

lieselotte bhatia, Mittwoch, 25.April, 09:57 Uhr

2. Gestapo - Geschichte

Bis noch vor wenigen Monaten/Jahren galt die Gestapo als eine selbstherrliche aber eben geheime Nebenerscheinung der Polizei. Es muß aber unbedingt klar gestellt werden, daß die Gestapo von Himmler nicht nur beauftragt war, sondern viel weitreichendere Befugnisse hatte als die Kriminalpolizei. Dadurch entstand teilweise ein Konkurrenzwettlauf zwischen Polizei und Gestapo, der immer als Gewinn für die Gestapo endete und somit die schlimmsten Auswirkungen für die Opfer hatte. In einem Kriegsverbrecherprozess (Curio-Prozesse Hamburg 1947/48) bezeichnete ein englischer Richter diese beiden Polizei-Gebilde als hostile brothers. Da die deutsche Nachkriegsjustiz sich in erster Linie mit Tätern beschäftigte, die mit Gewehr/Pistole töteten, blieben die Angehörigen von Gestapo und Polizei allenfalls als Zeugen unberührt im Hintergrund. Die Gestapo war eben keine Ansammlung von Freischärlern, es war eine exakt eingesetzte Macht der NS.

El Gringo, Dienstag, 24.April, 20:55 Uhr

1. Mord

Jeder Mord muss gesuehnd und jeder Moerder verurteilt werden ! Da gibt es keine Frage warum und wieso ! Aber waren denn die Moerder immer nur die Deutschen und die Opfer die anderen?? Die Morde an den Fluechtlingen in Polen und Tschechei, Bomben Terror auf Zivilisten Die Kinder wurden auf dem Weg zur Schule von den tapferen Fliegern der Befreier mit Bordwaffen beschossen , eben so die Bauern auf den Feldern !! ,Die Morde an deutschen Kriegsgefangenen auf den Rheinwiesen und den Lagern in Russland geschahen nach dem Krieg !! Aber das waren ja NUR Deutsche und die haben in Deutschland nun mal keine Lobby! Wie gesagt , alle Moerder gehoeren bestaft und aller Opfer gedacht ,aber ALLE und ALLER !! !!

  • Antwort von Wolf, Mittwoch, 25.April, 17:50 Uhr

    Schon mal über die Schuldfrage nachgedacht? Nee,gell....oder mal die Opferzahlen verglichen? Auch nicht? Mach dich erst mal schlau!
    Und nee,es waren nicht alle Deutschen im Widerstand. Wer für den größten,grausamsten und menschenverachtenden Genozid in der Geschichte der Menschheit verantwortlich ist sollte den Mund besser nicht ganz so voll nehmen,oder auf der Zugspitze "Grüßen" ,dann ist eh alles klar.