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Ein Jahr nach Abschlussbericht Ehemaliges Missbrauchsopfer: "Heute wäre ich gerne Domspatz"

Vor einem Jahr ist der Abschlussbericht zum Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen veröffentlicht worden: Hunderte Kinder erlebten teils brutale Gewalt, einige wurden Opfer sexuellen Missbrauchs. Der Bericht brachte die Aufklärung. Ein Betroffener spricht über die bisherige Aufarbeitung.

Von: Oliver Römhild

Stand: 18.07.2018

Alexander Probst, Vertreter der Missbrauchsopfer | Bild: BR/Bastian Girg

Alexander Probst ist bald 60 Jahre alt, lange schon verheiratet, zweifacher Vater, hat eine Hundeschule im Altmühltal. Er hat als Domspatzenschüler in den 70er-Jahren am eigenen Leib Gewalt und Missbrauch erlebt. Er war einer der Ersten, der vor acht Jahren das Schweigen brach. Am Anfang sei das ein harter Kampf gewesen, erinnert er sich. Heute ist Probst Mitglied im Aufarbeitungsgremium und kann endlich entspannt über die Zusammenarbeit mit dem Bistum Regensburg sprechen - sie laufe optimal.

"Das Zusammenarbeiten mit dem Bistum war so, wie man es sich nur wünschen kann. Denn: Jeder Beteiligte hat Seines dazugetan, dass die Ergebnisse, die zu erwarten waren und auf die wir jetzt auch noch hinarbeiten, tatsächlich erreicht werden." Alexander Probst

Seit letztem Juli hat ein Gremium zur Aufarbeitung des Missbrauchs jeden einzelnen Fall weiterbearbeitet - Verantwortliche gesucht, Zusammenhänge aufgezeigt, Strukturen erklärt, die den Missbrauch möglich machten. Daneben arbeitet ein Gremium zur Anerkennung - es entscheidet über die Entschädigung jedes Einzelnen.

Aufarbeitung mit Bischof Voderholzer

Alexander Probst in seiner Zeit bei den Regensburger Domspatzen.

Alexander Probst hat nicht vergessen, wie schwer sich das Bistum Regensburg schon allein mit der Aufklärung anfänglich getan hat. Unversöhnlich standen sich ab dem Jahr 2010 ehemalige Domspatzenschüler und die Kirche gegenüber. Erst 2015, als der neue Bischof Rudolf Voderholzer auf die Betroffenen zuging, ist der Durchbruch gekommen, sagt Alexander Probst.

"Die Entwicklung, die die gesamte Aufarbeitung und Anerkennung bei den Regensburger Domspatzen genommen hat, ist mindestens zu einem genauso großen Teil uns wie Bischof Voderholzer zu verdanken. Er hat das Bistum so weit geöffnet und so viel Anteilnahme an dem Schicksal aller Betroffenen gezeigt, dass man wirklich sagen kann: Er hat sich effektiv für diese Seite eingesetzt und will immer noch, dass bis zum Kleinsten aufgearbeitet wird. Das ist ihm sehr hoch anzurechnen." Alexander Probst

Folgende Generationen sollen profitieren

Zwei Studien sollen die Arbeit im nächsten Jahr abschließen. Sie gehen den Fragen nach, wer die Verantwortlichen waren, wieso Eltern damals das brutale System solange geduldet haben und wie sich auch nur jeder Anflug einer Wiederholung verhindern lässt. Auch Probst will erreichen, dass die Domspatzen von heute und die Generationen die da kommen werden, von der Aufarbeitung auch profitieren.

"Ich war selbst vor Kurzem im Gymnasium der Regensburger Domspatzen. Ich hab mir auf Einladung mal angesehen, wie es heute ist und ich hätte es nie geglaubt, dass ich mal solche Worte sage, aber: Heute wäre ich da gerne Domspatz! So ist mein innerer Friede mittlerweile geworden." Alexander Probst

Das Bistum will sich auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks zur Entwicklung der Aufarbeitung nicht äußern. Eigentlich seien es die Geschädigten, die an dieser Stelle zu Wort kommen sollten, so das Bistum in seiner Antwort. Die Geschädigten seien es, die beurteilen könnten, was getan wurde und was noch zu tun ist. Diesem Urteil wolle das Bistum nichts hinzufügen.


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Urmel, Samstag, 21.Juli, 13:34 Uhr

10. Therapiekosten

Die Kosten der Therapie übenimmt übrigens meine Krankenkasse. - Wohin kämen wir denn, wenn sich die Kirche an den Therapiekosten beteiligen würde! Der Priester gab sogar die Taten zu. Er ist jetzt im deutschsprachigem Ausland tätig. Dort wurde er bei einer Veranstaltung durch Zufall gesichtet! In einem kirchlichen Radiosender trat er dann auch noch auf! Dreist! - Das ist kein Witz. Auch gibt es weitere Opfer. - Das ist wirklich so. Das ist keine Fake News! - Und lügen tue ich nicht! Ich kann es selber nicht fassen. Der reinste Wahnsinn was da abgeht. Ich kann das auch alles belegen.

Urmel, Samstag, 21.Juli, 09:15 Uhr

9. Was sich geändert hat?

Die tun alle jetzt so fromm im Bistum Regensburg. Warum will sich das Bistum wieder nicht äußern? Viele Opfer sind bis heute suzidgefährdet durch die Einschüchterungen der Kirche und brauche Unterstützung und Therapie. Der Respekt vor den Opfern fehlt bis heute in der Kirche. Es geht um Entschuldigung und Anerkennung! Geändert hat sich nichts! Nur auf Druck ist was passiert. Kirche = Klatsch und Tratschverein. Ich bin selber Opfer. Auf mir zeigt man bis heute auf den Finger auf der Straße. Werde bis heute gebrandtmarkt. Hinzukommt, dass ein Verwandter, der als Pastoralreferent in der Kirche arbeitet, also der auch kath. Theologie studiert hat, der auch von meinen Fall weiß, meidet mich und meine Eltern, als ob ich Aussatz hätte. Wie der mich angegriffen hat. Das ist nicht normal. - Und was ich da schreibe, sind keine Fake News! - Lügen tue ich nicht! - Was sich geändert hat: Es wurde stiller. Die Stille (das Nichtstun) der Kirche macht auch einen kaputt!

Ehemaliger Domspatz, Samstag, 21.Juli, 08:07 Uhr

8. 10 Millionen Euro

Betreff; 10 Millionen Euro
Ich habe zum Thema nur den Kenntnisstand, dass man die Immobilien ( HVB Haus in Regensburg + die Mietshäuser von Königswiesen in Regensbrug + Supermarkt ) deshalb auch schnell veräußert hat, damit man an Geld (' das Grundkapital ) für den Bau der neuen Domspatzen - Grundschule in der Reischstrasse in Regensburg komme.
Deswegen diese 10 Millionen Euro.

Ehemaliger Domspatz, Samstag, 21.Juli, 07:48 Uhr

7. Reinen Wein einschenken

@ Reinen Wein einschencken
Sehr richtig, aber dieses Prozedere geht jetzt schon seit dem Jahr 2010. Ein Zitat vom jetztigen Choormanager Herrn Christof Hartmann lautet;Nein, die von Etterzhausen gehören nicht zu uns,das hat er so gesagt! Die Regensburger Domspatzen haben vor Jahren schon mit der Verschmelzung der Stiftungen eben das ganze Vermögen von Etterzhausen / Pielenhofen mit einkassiert. Heute brüstet man sich als die Moderne Schule überhaupt in Regensburg. So kann,s nicht sein. Die Presse, auch der BR pickt sich nur immer viellechtt einige Punkte heraus, berichtet falsch - und liefert dann nicht die ganze Geschichte. Es wird nach meiner Meinung falsch in Szene gesetzt und bei einigen Themen immer nur zu schnell Instrumentalisiert. Es gibt derartige Missstände bei der Antragstellung und diese Auszahlungen verzögern sich. Bemerkenswert ist auch; das Bistum Regensburg möchte etwas freiwillig zahlen, aber setzte uns Opfern eine Frist zum 30.Dezember 2017, wegen der Antragstellung!

Hutzelwutzel, Freitag, 20.Juli, 22:13 Uhr

6. Die Worte hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!

Durchaus anerkennenswert was hier eines von mutmasslich über 1200 Opfern nunmehr für sich feststellen kann.
Zu bedauern ist, dass die Aufklärung so lange dauerte, und hier stimme ich den entsprechenden Vorkommentatoren zu, keineswegs komplett aufgeklärt ist. Man erlebt es immer dann, wenn man mit Geistlichen der Diözese Regensburg vertraulich spricht. Kein einziger Geistlicher weiß einem von vollständiger Aufklärung zu sprechen.
Nun ist Mißbrauch, auch sexueller Mißbrauch kein Phänomen der Röm.-Kath. Kirche allein. Nur diese macht aber so viel Geheimnis daraus. Ehrlich wäre auch die Altfälle der Diözese Regensburg wie die früheren Leiter und Präfekten der Domspatzen-Einrichtung intensiver zu betrachten, und den Gläubigen reinen Wein einzuschenken.