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Neue EU-Vorgabe Datenschutzverordnung: Oberpfälzer Vereine sehen Ehrenamt bedroht

Ab Freitag sollen persönliche Daten besser geschützt werden. Die neue EU-Datenschutzgrundverordnung stellt Vereine in der Oberpfalz aber vor Probleme. Sie bedeutet Bürokratie und eine Bedrohung fürs Ehrenamt.

Von: Sarah Beham

Stand: 24.05.2018

Datenschutz im Verein | Bild: BR

Andreas Michalczyk hat ein Problem. Seit Januar sucht er einen Datenschutzbeauftragten für seinen Verein, den TSV Wacker Neutraubling. In der neuen Datenschutzgrundverordnung steht nämlich: Wenn mehr als neun Personen regelmäßig auf Mitgliederdaten zugreifen, muss ein Datenschutzbeauftragter ernannt werden. Michalczyk als Vorstand darf das nicht machen, intern fand er auch niemanden. Jetzt braucht er einen externen Datenschutzbeauftragten - und der kostet. Michalczyk ist sauer auf die EU: "Die schauen nicht, wo wir das Geld hernehmen oder wie wir das stemmen sollen."

150 Euro monatlich für den Datenschutzbeauftragten

Andreas Michalczyk

Michalczyk rechnet mit 150 Euro monatlich für den Datenschutzbeauftragten plus einmalig 2.000 Euro für das Anlegen des Datenschutzes. Weil sich der Verein das eigentlich nicht leisten kann, muss jetzt der Mitgliedsbeitrag erhöht werden. Nicht alle Mitglieder sind davon begeistert, meint Michalczyk. Aber er wolle keine Strafen riskieren:

"Wenn wir keinen Datenschutzbeauftragten haben, dann wird eine Strafe im fünfstelligen Bereich fällig. Und dann können wir den Verein zusperren."

Andreas Michalczyk, Vorstand TSV Wacker Neutraubling

Das sieht Franz Hohenleutner vom BLSV anders. Er will Vereine beruhigen: Kontrollen gibt es keine, meint er. Das Landesamt für Datenschutz schalte sich nur ein, wenn Beschwerden vorliegen. Außerdem wären jetzt erst einmal die großen Firmen für die Ämter interessant, nicht die Vereine. Die sollen sich nur mit dem Datenschutz beschäftigen. "Ich finde, es ist noch ehrenamtlich zu stemmen. Man muss einfach anfangen und dann schaffen wir das auch", sagt Hohenleutner.

Genehmigung für jedes Foto

Dennoch: Michalczyk findet die EU-Verordnung übertrieben. Für jedes Mannschaftsfoto, für jedes Video, für jedes Foto eines Verstorbenen braucht er jetzt Genehmigungen. Heißt für ihn: mehr Bürokratie, mehr Seminare im Bereich Datenschutz und weniger Zeit für die wirkliche Vereinsarbeit mit Kindern und Sport.

"Die Zeit, die wir opfern, die kann man nicht entschädigen. Die EU-Verordnung greift das Ehrenamt an."

Andreas Michalczyk, Vorstand TSV Wacker Neutraubling

Anton Zimmermann

Was Michalczyk ärgert, geht mehreren Vereinen so. Wie dem Freien Turn- und Sportverein in Regensburg. Die EU-Grundverordnung mache den Weg für Vereine noch steiniger als er bisher schon sei, findet Präsident Anton Zimmermann. Er selbst würde jetzt nicht mehr ehrenamtlich helfen wollen: "Mir ist das jetzt schlichtweg zu viel. Es wird immer engmaschiger und kleinteiliger, sodass ich auch die Lust verliere, zum Beispiel Feste zu organisieren, weil man die Bedingungen fast nicht mehr erfüllen kann."


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Nebensache, Freitag, 25.Mai, 17:30 Uhr

3. Nur weiter so!

Ich bin in mehreren Vereinen aktiv und zudem Vorsteher eine Jagdgenossenschaft und Feldgeschworener. Dies alles nur, weil sich sonst niemand mehr fand, es zu machen. Nach dieser Aktion der EU bin ich jedoch nicht mehr bereit, diese Ämter weiterzuführen, da letztendlich die Verantwortung auf mir lastet und die Anforderungen an die ganze Datenverarbeitung über meine freie Zeit und die einzugehende Risikobereitschaft hinausgeht. Selbst als Feldgeschworener muß ich für die Aufwandsentschädigung eine Rechnung schreiben, die zwingend aus steuerrechtlichen Gründen die Erfassung der Auftraggeber vorschreibt. Wie bereits das Urteil zu Kulmbach wird nun diese DSGVO weitere Menschen davon abhalten, ehrenamtlich aktiv zu werden oder zu bleiben.

Gamer Verein e.V. – Regensburg, Donnerstag, 24.Mai, 10:12 Uhr

2. Datenschutzbeauftragten / Bilder

Das mit dem Datenschutzbeauftragten konnten wir so lösen in dem wir gezielt darauf geachtet haben, das kein 10 Leute regelmäßig auf die Daten Zugriff haben. Das mit den Bildern ist eine richtige Katastrophe. Gerade die spontanen Fotos (z.B.bei einer Grillfeier) sind doch häufig die schönsten, aber allein der Verwaltungsakt im Nachgang die Unterschriften zu sammeln und diese Genehmigungen für die Dauer, in großen verschließbaren Schränken aufzubewahren, macht die ganze Freude über ein schönes Bild zunichte. Auch ist mir völlig unklar wie mit alten, um nicht zu sagen historischen Bildern verfahren werden kann, welche vor der DSGVO entstanden sind. Einige der abgebildeten Personen sind vielleicht nicht mehr auffindbar bzw. bereits verstorben. Theoretisch bleibt einem, durch die DSGVO, nur noch diese Schätze zu vernichten.

Schneider, Donnerstag, 24.Mai, 08:59 Uhr

1. Überforderung

Die Überschrift sugerriert ja, dass "nur" Vereine aus der Oberpfalz betroffen sind, ganz Resteuropa anscheinend wohl nicht oder kommen die mit den Herausforderungen einfach klar ? Oder interessiert das schlicht keinen aus der Oberpfalz ?

  • Antwort von HP, Donnerstag, 24.Mai, 11:13 Uhr

    @Schneider,
    sollten Sie Mitglied eines "nichtoberpfälzischen" Vereins sein, der auch Probleme mit der neuen Datenschutzverordnung hat, dann wenden Sie sich doch an den Bayrischen Rundfunk, vielleicht bekommen Sie ja dann auch eine eigene Überschrift

  • Antwort von Schneider, Donnerstag, 24.Mai, 12:14 Uhr

    @HP: natürlich kann ich aus datenschutzrechtlichen Erwägungen NICHT mitteilen in welchem Verein ich bin, aber ist was das anbelangt nicht jeder Europäer ein Oberpfälzer ?

  • Antwort von HP, Donnerstag, 24.Mai, 13:28 Uhr

    @Schneider
    ...im Übrigen befinden wir uns hier auf der "Oberpfalzseite" und da macht es wenig Sinn, wenn sich hier über die Sorgen und Probleme in untergeordneten Provinzen aus gelassen wird ---Witz Ende---

  • Antwort von Schneider, Donnerstag, 24.Mai, 14:28 Uhr

    Gibt es für die schöne Oberpfalz eigentlich endlich die eigene Internetkennung....obp oder opf ?