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Naturschutz BN-Chef nennt geplantes Gewerbegebiet in Weiden skandalös

Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) macht weiter Front gegen die geplante Erweiterung eines Gewerbegebietes in Weiden. Der neue BN-Landeschef Richard Mergner bezeichnete das geplante Gewerbegebiet bei einem Ortstermin am Mittwoch als eines der aus ökologischer Sicht aktuell schlimmsten Projekte in Bayern.

Von: Von Kari Kungel

Stand: 16.05.2018

Naturschützer protestieren gegen geplantes Gewerbegebiet in Weiden | Bild: BR/Kari Kungel

Die Pläne für die Erweiterung eines Gewerbegebietes im Staatswald bei Weiden sind Naturschützern in der Region schon seit langem ein Dorn im Auge. Das Gewerbegebiet soll im Weidener Westen auf einer Gesamtfläche von 65 Hektar entstehen. Die bisherige Gewerbefläche dort würde damit noch einmal um etwa ein Drittel wachsen.

BN-Chef Mergner fand bei einem Ortstermin am Mittwoch deutliche Worte:

"Dieses geplante Gewerbegebiet ist eines der schlimmsten, flächenzerstörenden Projekte in ganz Bayern."

Richard Mergner

Die BN-Aktivisten kritisieren vor allem, dass für das Projekt zahlreiche Bäume im Staatswald gefällt werden müssten. Mergner appellierte am Mittwoch an Bayerns neue Landwirtschafts- und Forstministerin Michaela Kaniber (CSU), das Projekt zu stoppen. Gerade vor dem Hintergrund der Debatte um eine zu starke Flächenversiegelung im Freistaat sollte Kaniber hier einschreiten und die Waldvernichtung im Staatswald des Freistaats verhindern, sagte der BN-Chef. 

Kritik am Flächentausch

Als skandalös bezeichnet der BN-Vorsitzende das Verfahren, wie man im Fall "Weiden West" die geforderten Ausgleichsflächen für das benötigte Gelände organisiert habe. Zwar würden den Bayerischen Staatsforsten als Ausgleich Flächen zur Aufforstung zur Verfügung gestellt. Diese Flächen lägen aber gar nicht in der Region Weiden, sondern im weit entfernten Mittelfranken.

Stadt weist Kritik zurück

Tatsächlich haben die Verantwortlichen in der Stadt Weiden die Ausweisung des neuen Gewerbegebietes wiederholt mit dem Hinweis auf die Ausgleichsflächen verteidigt. Aber auch darüber hinaus nennt Stadtkämmerin Cornelia Taubmann das neue Gewerbegebiet unverzichtbar. Es gebe für heimische und neue Unternehmen keine geeigneten Flächen mehr. Allein schon um die bestehenden Arbeitsplätze zu schützen, sei das neue Gewerbegebiet notwendig.


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Hubert Frank, Mittwoch, 23.Mai, 10:06 Uhr

2. Arbeitsplätze müssen zu den Menschen, nicht umgekehrt!

"Zwei Drittel der 28 000 Arbeitnehmer in Weiden sind Pendler aus der näheren Umgebung", sagte der Weidener OB Seggewiß der Süddeutschen Zeitung (Ausgabe v. 20.05.). Da fehlts doch an der Logik: Die Riesenzahl von Pendlern wohnt also in den umliegenden Landkreisen! Wobei "nähere" m. E. untertrieben ist (verhübschender Politikerjargon).
Warum weist man erforderliche Gewerbegebiete nicht in den dortigen Gemeinden aus? Das wäre menschen- und umweltfreundlicher sowie solidarischer gegenüber diesen Gemeinden.
Wenn die bayerische Staatsregierung dem Waldtausch zustimmt, führt sie ihre eigene Landesplanung ad absurdum!

Sonja Schuhmacher, Mittwoch, 16.Mai, 22:22 Uhr

1. Retten wir den Wald!

Es geht nicht nur darum, dass zahlreiche Bäume gefällt werden sollen. Es wird vielmehr ein Lebensraum zerstört, der zahlreichen, auch gefährdeten Arten eine Heimat bietet, der maßgeblich zum Hochwasserschutz beiträgt und in der Frischluftschneise der Stadt Weiden liegt. Der Wald ist für die Weidener ein unverzichtbarer Erholungsraum, der für körperliche und seelische Regeneration sorgt. Heilsam ist allein schon der Aufenthalt im Wald, wie japanische Forscher nachgewiesen haben. Waldbaden liegt im Trend!
Das Arbeitsplatzargument ist nicht haltbar: In und um Weiden gibt es viele Hektar Industriebrachen, die saniert und neu bebaut werden können. Zudem haben die Nachbargemeinden große, bereits erschlossene Gewerbegebietsflächen im Angebot, die deutlich preisgünstiger sind, als es dieses Gebiet je sein kann.