64

Zum Kreuzerlass Auf der Suche nach dem schönsten Kreuz in Neumarkt

Am Freitag tritt der Kreuzerlass der Staatsregierung in Kraft. Ab dann müssen in allen Amtsstuben des Freistaats Kreuze hängen. Die Verantwortlichen müssen also handeln: Kreuze aussuchen oder anfertigen lassen und aufhängen. Ein Besuch beim Finanzamt in Neumarkt in der Oberpfalz.

Von: Markus Ehrlich

Stand: 29.05.2018

Kreuze-Aufhängen in Neumarkt | Bild: BR/Markus Ehrlich

Im Finanzamt in Neumarkt: Leiter Paul Prengel und ein Team von Kollegen stehen um einen blauen Wäschekorb. Darin liegen vier schlichte Holzkreuze. Welches Kreuz hier gleich direkt über dem Eingang des Service Centers hängen wird, will Prengel nicht alleine entscheiden. Deswegen hat er sich Verstärkung aus der Belegschaft geholt. Ein Mitarbeiter hält ein Kreuz nach dem anderen an die Wand über der Eingangstür.

Regionale Schnitzer und Behindertenwerkstätten sollen bevorzugt werden

Ab Freitag gilt die sogenannte Kreuzverordnung der bayerischen Staatsregierung. Dass bis dahin etwa in Bau-, Wasserwirtschafts- und Finanzämtern ein Kreuz hängt, dafür sind die Behörden selber verantwortlich.

"Es gibt eine schriftliche Anweisung, dass Kreuze zu besorgen sind. Da steht auch drin, dass man die regional bevorzugt aussuchen soll, dass man auch Behindertenwerkstätten berücksichtigen soll. Und dass wir die auf unseren eigenen Haushalt nehmen. So haben wir das auch gemacht."

Paul Prengel

Eine Sammelbestellung - bei einem Großhändler etwa - werde es nicht geben, sagte ein Sprecher des Innenministeriums dem Bayerischen Rundfunk.

Im Netz nicht fündig geworden

Dass im Neumarkter Finanzamt ein Kreuz hängen wird, liegt an der stellvertretenden Finanzamtsleiterin Christiane Ehrensperger. Sie nahm sich des Themas an, recherchiert zunächst im Internet: "Aber es war schwierig, was zu finden, was von der Größe her passt. Dann haben wir uns an einen Schnitzer gewandt."

Mitarbeiter: Was denken sie über das Kreuz?

Ob man im Finanzamt überhaupt ein Kreuz braucht? Da gehen die Meinungen bei den Mitarbeitern auseinander. Personalrat Richard Beisig hat mit dem Kreuz selber keine Probleme. Aber: "Ich finde es übertrieben, dass man es jetzt als Zwang machen muss. Ob das dann Bestand haben wird, wird man sehen, wenn entsprechende Leute vor Gericht gehen und es wieder abgehängt haben wollen. Ich sehe das alles als Wahlkampfgeplänkel."

Kreuze in bayerischen Amtsstuben

Sebastian von Zülow

Bedeutet das jetzt volle Auftragsbücher bei Schreinern, Holzschnitzern und anderen Kreuzverkäufern? Sebastian von Zülow aus dem Bayerischen Wald führt die Holzbildhauerei "Herrgottschnitzer" in Bodenmais. Er stellt auch Holzkreuze her. "Von Amtsstuben haben wir jetzt noch keine konkrete Anfrage. Wir haben natürlich auch keine Massenware. Wir produzieren in Einzel- beziehungsweise Sonderanfertigung, per Hand. Vielleicht liegt es dadurch dann auch am Preis", sagt er. Zwischen 20 und 2.000 Euro kann man bei von Zülow für ein Kreuz ausgeben. Eines in der Größe, das Amtsstuben bräuchten, liegt bei gut 200 Euro. Das wäre dann ein klassisches Holzkreuz, ohne Verzierungen. Zu teuer für die meisten Behörden, vermutet von Zülow.

Zurück in Neumarkt. Hier zeichnet sich nach nicht einmal fünf Minuten eine Entscheidung ab. Alle Mitglieder der "Finanzamts-Kreuz-Jury" sind sich einig: Ein schlichtes soll es werden. Kostenpunkt: auf den Cent genau 30 Euro.


64

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Huber, Dienstag, 29.Mai, 13:59 Uhr

2. Falschmeldung

Schon mal falsch, dass in allen Amtsstuben jeweils ein Kreuz ab Freitag hängen muss.....eines pro Behördenstandort reicht...und zwar sogar der Staatsregierung !

Wolfgang, Dienstag, 29.Mai, 13:51 Uhr

1. Ein schrecklicher Erlaß das grausame römische Hinrichtungsinstrument symbolisch

im Amtsstuben einer demokratischen Republik aufzuhängen.

Ich möchte auch nicht symbolisierte Darstellungen von Scheiterhaufen, Richtblöcken mit Henker und Axt, Galgen, elektrische Stühle oder Gaskammern in öffentlichen Gebäuden sehen.

PS.:
Die reformierte christliche Kirche schmückt ihre Gebäude auch nicht mit dem perversen Symbol Kreuz.

  • Antwort von Andrea, Donnerstag, 31.Mai, 11:13 Uhr

    Es geht nicht um die Verherrlichung von 2 Holzbalken der Römer, sondern vielmehr darum, dass Christus für uns Leid auf sich genommen hat, um für die Menschen Vergebung der Sünden zu erbitten. Daran soll erinnert werden. Und Vergebung hat heutzutage die Menschheit nötiger denn je. Andere Länder werden wegen Glaubenssymbolen nicht so massiv angefeindet. Nicht mal in der EU.