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Grenzland Oberpfälzer Traditionsfirmen im Umbruch

Waldsassen in der Oberpfalz liegt nur fünf Kilometer von der deutsch-tschechischen Grenze entfernt. Ein Besuch einzelner Traditionsunternehmen in der Stadt, in der das Kloster der Zisterzienserinnen auch heute den wirtschaftlichen Mittelpunkt bildet.

Von: Susanne Ilse

Stand: 29.06.2018

Das Kloster der Zisterzienserinnen in Waldsassen. Schwester Sophia ist eine von acht Nonnen hier und leitet das Gästehaus. Frische Wäsche kommt hier von den Stiftlandwerkstätten in Mitterteich, wo Menschen mit Handicap arbeiten.

"Das ist natürlich auch in dieser Region hier in der Oberpfalz wichtig, dass für die behinderten Menschen hier eine Möglichkeit gibt, eine Arbeitsstelle zu füllen. Und als Kloster sind wir ja auch verpflichtet, die schwächeren Menschen in der Gesellschaft zu unterstützen und ihnen auch eine Möglichkeit zu geben, sich zu integrieren."

Schwester Sophia, Kloster Waldsassen

Kloster als Besuchermagnet für alt und jung

Rund 6700 Übernachtungsgäste im Jahr heißt Schwester Sophia in den mittelalterlichen Mauern willkommen. Vor 24 Jahren noch völlig marode, ist das Kloster heute ein Motor für das Wirtschafts- und Sozialleben in der Stadt im Stiftland. Ganz in der Nähe liegt die Glashütte Lamberts. Glaszylinder für farbige und antike Fenster werden hier hergestellt. Das können nur noch drei Betriebe weltweit. Die meisten der etwa 70 Mitarbeiter kommen aus der Region, einige aus Tschechien.

Die Glashütte stand bereits kurz vor dem Aus

Das Unternehmen hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Noch vor neun Jahren stand die 1934 gegründete Traditionsfirma kurz vor dem Aus. Als geschäftsführender Gesellschafter übernahm Hans Reiner Meindl den Betrieb. Seine Strategie: die Qualität verbessern und weltweit um Kunden werben. Heute liegt der Jahresumsatz bei über vier Millionen Euro.

"Also, Sprachkenntnisse sind bei uns auch ganz wichtig. Wir müssen möglichst nah an den Kunden rankommen. Mit einem Tschechen oder einem Russen zu versuchen, auf Deutsch oder Englisch zu reden, ist bei weitem nicht so erfolgreich, als wenn man eben Tschechisch spricht."

Hans Reiner Meindl, Gesellschafter Glashütte Lamberts

Mittelständische Tradition und soziales Miteinander

Südwestlich vom Kloster: die Kondrauer Mineral- und Heilbrunnen. Schon im 13. Jahrhundert schöpften die Zisterzienser hier ihr Wasser. Derzeit sprudelt es aus vier Quellen. Seit fast 100 Jahren ist die Firma in Familienbesitz. Kleine mittelständische Traditionsunternehmen gehören zur Stadt wie eben auch das Kloster. In diesem soll ein inklusives Wohnprojekt entstehen.

Gestalten, über viele Generationen hinweg, und soziales Miteinander: zwei Elemente, die Waldsassen bis heute prägen.


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