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Fall Peggy Fast 80 neue Hinweise nach "Aktenzeichen XY"

Nach der Ausstrahlung der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" sind fast 80 neue Hinweise zum Fall Peggy eingegangen. Einige davon seien "überprüfungswert", sagte der Leiter der SOKO Peggy in Bayreuth, Uwe Ebner.

Von: Annerose Zuber

Stand: 14.07.2016 | Archiv

Auch am Tag nach der Sendung hätten sich noch Anrufer bei der Polizei gemeldet, erklärte Polizeisprecher Jürgen Stadter dem Bayerischen Rundfunk. "Die Ermittler der Sonderkommission befassen sich derzeit mit der Bewertung und Abarbeitung der Hinweise, von denen einige Anlass zu weiteren Prüfung geben", heißt es in einer Presseerklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Hinweise aus der Bevölkerung sammeln

Die Ermittler wollten mithilfe der Fernsehsendung nochmals Hinweise aus der Bevölkerung sammeln. Dabei ging es vor allem um das Waldstück nahe dem thüringischen Rodacherbrunn in dem die sterblichen Überreste des Mädchens gefunden worden waren. Die Polizei hofft, dass sich Spaziergänger, Sportler oder Waldarbeiter, die am 7. Mai 2001 in der Nähe waren, an verdächtige Menschen oder Fahrzeuge erinnern.

Weiterhin Suche nach Spuren

Für erfahrene Profiler wie etwa Axel Petermann, der lange für die Polizei Bremen gearbeitet hat, ist der Fundort aufschlussreich.

"Es spricht für eine nicht vorbereitete Tat, für ein schnelles Agieren des Täters, er wollte das tote Kind wegbringen. Dort, wo er das Kind getötet hat, durfte das Kind nicht gefunden werden. Und zum anderen kann es aber auch für eine Vertrautheit des Täters mit dem Ort sprechen. Er kennt diesen, er kann das Risiko dort einschätzen."

Axel Petermann, Profiler, in BR-Kontrovers

Weiter unklar ist allerdings die Todesursache und auch der Todeszeitpunkt von Peggy. Dazu sei es noch zu früh, so SOKO-Leiter Ebner. Die Polizei sucht weiter auch nach dem pink-gelb-orangenen Schulranzen des Mädchens, an dem seitlich eine Diddl-Maus hing.

Skelettfund in Thüringen

Hintergrund: Peggys rätselhaftes Verschwinden

Am 7. Mai 2001 verschwindet die damals neunjährige Peggy Knobloch spurlos in ihrem Heimatort Lichtenberg im Landkreis Hof. 2004 wird ein geistig behinderter Nachbar vom Landgericht Hof in einem aufwändigen Indizienprozess wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt und aufgrund weiterer Delikte in der Psychiatrie untergebracht. In einem Wiederaufnahme-Verfahren spricht das Landgericht Bayreuth den Mann Jahre später frei, er wird 2015 entlassen.

Auch die Ermittlungen gegen weitere Tatverdächtige bringen keine Spur: Ehemalige Bekannte der Familie aus Halle/Saale geraten ins Visier der Fahnder. Diese Spur bringt jedoch keinen Durchbruch, inzwischen gelten sie nicht mehr als Verdächtige.

Immer wieder gibt es teilweise spektakuläre Untersuchungsaktionen: In einer Talsperre in Sachsen wird nach einem Hinweis nach dem Schulranzen von Peggy gesucht. In einem Garten in Lichtenberg wird 2013 gegraben. Die Ermittler finden dort zwar Knochenreste, sie stammten aber nicht von Peggy. Ebenso ohne Erfolg bleibt eine Grabungsaktion am Lichtenberger Friedhof Anfang 2014. Erst Anfang Juli 2016 findet ein Pilzsammler Knochen von Peggy in einem Waldstück nahe dem thüringischen Rodacherbrunn – rund 15 Kilometer von Lichtenberg entfernt.

Chronologie im Fall Peggy


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