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Landkreis Hof Eugen Gomringer erhält Kulturpreis

Der weltweit gefeierte Lyriker Eugen Gomringer hat am Samstag den Kunstpreis des Landkreises Hof erhalten. Damit würdigte der Landkreis den 93-Jährigen auch als Kulturvermittler.

Von: Annerose Zuber

Stand: 02.06.2018

Eugen Gomringer | Bild: BR/Markus Konvalin

Gomringer war unter anderem beim Porzellanhersteller Rosenthal jahrzehntelang für die Verpflichtung renommierter Künstler wie Dali, Hundertwasser oder Vasarely verantwortlich. Direkt im Anschluss an die Preisverleihung wird mit einem großen Fest mitten in der oberfränkischen Kleinstadt, wo der gebürtige Schweizer seit Jahrzehnten lebt, das Gedicht „Avenidas“ übergeben – es ist nun rund zehn Meter groß an der Fassade des Museums zu lesen.

Sexismus-Kritik

Damit reagierte der Rehauer Stadtrat auf die Entscheidung der Berliner Alice-Salomon-Hochschule, das Gedicht in Berlin zu übermalen, wo es seit 2011 an einer Fassade stand. Studierende der Hochschule hatten das Gedicht als „sexistisch“ bewertet. Gomringer beschreibt mit den vier Worten „Alleen, Blumen, Frauen und ein Bewunderer“ in verschiedenen Konstallationen eine sommerliche Stadtszene. Entstanden ist es bereits 1951 - als eines der Ur-Gedichte der „Konkreten Poesie“. Gomringer gilt weltweit als Begründer dieser Lyrik-Form, bei der Inhalt und Form verbunden sind.

Luftballons und Blumen

Gomringers Gedichte wie „Ping-Pong“ oder „Schweigen“ sind in Anthologien rund um den Globus als Standard-Werke verzeichnet und gehören auch für viele Schulkinder zur Pflichtlektüre. Bei der feierlichen Übergabe von „Avenidas“ steigen um 14 Uhr Luftballons auf – und passend zum Gedicht flanieren festlich gekleidete Gäste rund um den Maxplatz mit den alleenartigen Bäumen und Jugendliche verteilen bunten Blumen an Frauen und Männer.

Gedicht an mehreren Fassaden auf der ganzen Welt

Am Nachmittag war "Avenidas" dann offiziell Thema einer Gesprächsrunde im Kunsthaus Rehau, wo Gomringer und seine Familie seit Jahren im Auftrag der Stadt Ausstellungen und Lesungen organisieren. Während das Gedicht nun in Berlin entfernt wird, ist es nicht nur in der oberfränkischen Kleinstadt Rehau zu sehen - nach der umstrittenen Berliner Entscheidung wurde es auch in andere Haus-Fassaden geschrieben, zum Beispiel in Bielefeld, Braunschweig, Zürich und New York.

Auch in Bielefeld soll das Gedicht an eine Fassade gemalt werden - und in Berlin wird nach einem neuen Ort dafür gesucht. Gomringer konnte die Kritik nie nachvollziehen:

"Es war schlimm, ständig dieselben Fragen beantworten zu müssen."

Eugen Gomringer

Kritiker entdecken in dem Gedicht eine patriacharlische Sichtweise und damit eine sexistische Richtung des Textes. Doch genau das sei nicht der Fall, sagte Thomas Wohlfahrt, Leiter des Berliner Hauses für Poesie, am Samstag in Rehau.

"Ein Bewunderer ist kein geiler Grapscher."

Thomas Wohlfahrt, Leiter des Berliner Hauses für Poesie

Das Bewundern sei eine Anerkennung mit Freude und reinem Herzen.


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Kommentare

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Max, Samstag, 02.Juni, 18:19 Uhr

1. gut

ein Zeichen der Vernuft gegen die immer grotesker werdende " political correctness".

  • Antwort von Wolf, Sonntag, 03.Juni, 19:27 Uhr

    Absolut grotesk wäre es Gomringer vor den Karren der "politisch Unkorrekten" spannen zu wollen.