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Festspiele Bayreuth Was am Grünen Hügel bleibt und was anders wird

Die Bayreuther Festspiele 2016 sind beendet, was bleibt ist das Sicherheitskonzept und Dirigent Hartmut Haehnchen. Zudem werden die Premierenkosten teurer und die NS-Vergangenheit soll aufgearbeitet werden.

Stand: 29.08.2016

Nach fünf Wochen ist am Grünen Hügel in Bayreuth der letzte Vorhang in der Spielsaison 2016 gefallen. Bei einer Pressekonferenz am Sonntag (28.08.16) hat die Festspielleitung nun Bilanz gezogen. "Wir sind mit der Saison selbstverständlich zufrieden. Wir haben alle Finanzziele erreicht", so Geschäftsführer Holger von Berg.

Sicherheitskonzept bleibt

Die Premiere der diesjährigen Festspiele lief allerdings anders als geplant. Die Angst vor Terror, die Anschläge von Würzburg und Ansbach und der Amoklauf von München hatten den Beginn der Festspiele überschattet: kein roter Teppich, kein Staatsempfang, Politiker sagten ab. Im Laufe der Festspiele hat sich die Stimmung aber entspannt. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberfranken lief die Spielsaison 2016 problemlos. Die Besucher hätten Verständnis für die schärferen Sicherheitsvorkehrungen, etwa Taschenkontrollen, gehabt. Dennoch: Das im Vorfeld viel diskutierte Sicherheitskonzept wird bleiben. Gespräche zwischen Stadt, Festspielleitung und der Polizei sind für Oktober geplant. Dabei soll es um mögliche Verbesserungen gehen.

NS-Vergangenheit aufarbeiten

Hitler – Gast bei Winifred Wagner

Dass die Familie Wagner in Bayreuth enge Beziehungen zu Adolf Hitler unterhielt, ist bekannt. Noch immer wurden nicht alle Unterlagen in Privatbesitz veröffentlicht. Festspielleiterin Katharina Wagner bedauerte auf der Pressekonferenz, dass Teile der Familie immer noch Unterlagen zur NS-Vergangenheit der Festspiele zurückhielten. Da es sich aber um Privateigentum handle, könne sie nichts dagegen unternehmen. Konkret geht es um Material, dass sich in den Händen einer Enkelin von Winifred Wagner befindet.

Mit einem neuen Projekt sollen die umstrittene Vergangenheit besser aufgearbeitet werden. Für 2017 ist eine Fachtagung geplant. An ihr sollen auch ausgewiesene Kritiker der Festspiele teilnehmen, so Wagner. Auch das Richard-Wagner-Museum in Bayreuth soll in die Vorbereitungen einbezogen werden.

Premierenkarten werden teurer

In der kommenden Festspielsaison sollen die Premierenkarten um 25 Prozent teurer werden. Der besonderes Andrang der Wagner-Fans auf die Eröffnungsvorstellung am 25. Juli sei der Grund für die Erhöhung, so Geschäftsführer Holger von Berg. Die teuerste Karte liegt somit bei rund 400 Euro. Auch Neuproduktionen werden rund 15 Prozent teurer werden.

Ab 12. Februar 2017 sind Karten auch wieder online erhältlich. Bereits im Oktober werden schon schriftliche Bestellungen bearbeitet.

Hartmut Haenchen bleibt in Bayreuth

Der Nachfolger für den abgesprungenen Dirigenten Andris Nelsons, Hartmut Haenchen, wird auf dem Grünen Hügel auch im kommenden Jahr den "Parsifal" dirigieren. "Dank des großen Erfolgs, den er dieses Jahr hatte", so die Begründung von Festspielleiterin Katharina Wagner. Nelsons hatte ursprünglich die Wagner-Oper in diesem Jahr wie auch im nächsten dirigieren sollen, war aber Ende Juni überraschend aus Bayreuth abgereist, Haenchen war eingesprungen. Die genauen Gründe für Nelsons' Abgang waren unklar geblieben. Wer die Oper von 2018 an dirigieren wird, gab Katharina Wagner noch nicht bekannt.

Kommt Anna Netrebko?

Offen ist noch die Frage, ob Anna Netrebko als Elsa im "Lohengrin" nach Bayreuth kommen wird. Darüber wollte Festspielleiterin Katharina Wagner noch keine Auskunft geben. Netrebko selbst hatte erst kürzlich in einem Interview betont, dass sie sich keine deutschen Texte merken könne.

"Wir sind im Gespräch. Und Verhandlungen können aus unterschiedlichsten Gründen auch scheitern."

Katharina Wagner, Festspielleiterin

Festspiel-Sprecher Peter Emmerich betonte zwar, die Verhandlungen liefen noch. Doch die Besetzung der Elsa scheint offen – ebenso wie die Frage, wer im Jahr 2020 den neuen "Ring" inszenieren wird.


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