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Von Berlin nach Oberfranken Umstrittenes "avenidas"-Gedicht von Eugen Gomringer an Hausfassade in Rehau

In Berlin soll das umstrittene Gedicht "avenidas" von Eugen Gomringer noch in diesem Jahr von der Fassade einer Hochschule entfernt werden. Im oberfränkischen Rehau (Lkr. Hof) findet das Gedicht ab sofort eine neue Heimat.

Von: Christiane Scherm

Stand: 03.05.2018

Eugen Gomringers Gedicht "Avenidas" an der Fassade der Berliner Alice-Salamon-Hochschule | Bild: Bayerischer Rundfunk

Ein Malerunternehmen bringt das Gedicht des Lyrikers Eugen Gommringer mit einer Schablone an der Fassade des Museums mitten in Gomringers Heimatstadt Rehau (Lkr. Hof) an. Ein Wandbild an der Hauswand sei vorher mit heller Farbe überstrichen worden, sagte der Maler dem Bayerischen Rundfunk. Bis Donnerstagabend (03.05.18) soll das großflächige spanische Gedicht fertig sein. Nach dem Wirbel um das angeblich sexistisches Gedicht an der Fassade einer Berliner Hochschule zieren die Zeilen nun bald eine oberfränkische Hauswand. Am 2. Juni soll das Kunstwerk bei einem großen Fest offiziell enthüllt werden.

Heftige Diskussion

Ende Januar hatte sich der Stadtrat von Rehau dafür ausgesprochen, das Gedicht an prominenter Stelle im öffentlichen Raum zu zeigen. Die Kommunalpolitiker hatten auf die Entscheidung der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin reagiert, die das Gedicht nach sieben Jahren an der Fassade übermalen will. International war diese Entscheidung heftig diskutiert worden. Das Gedicht war in die Kritik geraten, weil es Frauen gegenüber als diskriminierend aufgefasst werden könnte. Dabei geht es vor allem um die Schlagworte "Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer". Damit würden Frauen zum Objekt männlicher Bewunderung degradiert, so die Kritiker.

Mitten in der Stadt

In Rehau hingegen werde das Gedicht nicht als sexistisch beurteilt, heißt es aus dem Rathaus. "Wir haben in Rehau unseren schönen Maxplatz im Zentrum der Stadt, die geraden Straße mit den angelegten Baumreihen, das sind die Alleen. Auch bei uns gibt es Blumen und auch Frauen sind in unserer Innenstadt unterwegs. Für das Schöne in Rehau gibt es sicherlich auch den einen oder anderen Bewunderer, weshalb es nur richtig ist, dieses Gedicht in der Mitte unserer Stadt zu präsentieren“, so Bürgermeister Michael Abraham (CSU).

Gedicht im öffentlichen Raum

Das Gedicht "avenidas" ist bereits seit Jahren auch auf einer Fassade in der hessischen Stadt Hünfeld zu sehen. Nach der Entscheidung der Berliner Hochschule wollen auch die Städte Bielefeld und Schaffhausen (Schweiz) das umstrittene Gedicht im öffentlichen Raum zeigen.

Erfinder der konkreten Poesie

Lyriker Eugen Gomringer

Der mittlerweile 93-jährige Eugen Gomringer stammt aus Bolivien, ist in der Schweiz aufgewachsen und lebt seit 1976 in Rehau. Dort betreibt er das "Institut für konstruktive Kunst und konkrete Poesie". Der Lyriker gilt als Erfinder der konkreten Poesie. Viele seiner Gedichte werden im Deutschunterricht an Schulen behandelt. Die Alice-Salomon-Hochschule hatte ihren Poetik-Preis im Jahr 2011 an Gomringer verliehen. Deshalb war sein Gedicht "avenidas" an der Hauswand der Hochschule angebracht worden.


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Also, Freitag, 04.Mai, 08:37 Uhr

3. Hirnrissig

Diese Damen und Herren vom Berliner ASTA, die sich durch Gomringers "Avenidas" so arg "unangenehm an sexuelle Belästigung, der Frauen alltäglich ausgesetzt sind" erinnert fühlen, sollten umgehend einer psychiatrischen Begutachtung unterzogen werden.

Otto Normalo, Donnerstag, 03.Mai, 21:02 Uhr

2. Ja bitte, erhaltet diese schönen Verse!

Gott sei Dank gibt es noch Menschen mit gesunden Verstandsknospen. Dank sei euch gewiss! Es ist, mal ehrlich geschrieben, beinah so schlimm geworden, wie das bislang aus Erzählungen bekannt wurde aus schlimmen Tagen. Es begann damals auch mit Neusprech, dann folgte Zensur, später Bücherverbrennungen. Vielleicht muss man studiert haben, um diese Wiederholung nicht zu erkennen, mein simpler Verstand aber schlägt bei solcher Ähnlichkeit bereits Alarm...

Gerd, Donnerstag, 03.Mai, 19:38 Uhr

1. "avenidas"-Gedicht

Ich habe kein Problem mit dem Inhalt des Gedichtes,
Aber in Deutschland so groß an die Wand gepinselt, und dazu noch in einer anderen Sprache geschrieben.
Was kommt dann als nächstes, Chinesische Weisen, Japanische Lyrik, Kyrillische Werbung ect..
Da gab's doch mal was! - "Deutschland schafft sich ab" :-(
Reicht nicht schon das immer mehr werdende dengisch?.
Ach so, wir werden ja immer mehr Global.
mfG

  • Antwort von Wolf, Freitag, 04.Mai, 07:42 Uhr

    Ach je....wer lesen kann:der Auror stammt aus Bolivien,erstaunlicherweise spricht man da Spanisch.

  • Antwort von Gerd, Freitag, 04.Mai, 13:20 Uhr

    @Wolf
    Warum wird es dann nicht in Bolivien (in Spanisch) an die Wand gepinselt.
    Und bei uns in Deutsch!
    mfG

  • Antwort von Wolf, Freitag, 04.Mai, 15:04 Uhr

    Warum? Natürlich nur um sie zu ärgern.....