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Strömungsmechanik Münchner Forscher studieren den Falkenflug

Der Falke Sokrates ist der Hauptdarsteller bei einem bionischen Experiment. Er fliegt in einem Windkanal, während Kameras seinen Flug filmen - strömungsmechanische Grundlagenforschung.

Von: Caroline von Eichhorn und Jana Roller

Stand: 10.08.2016

Martin Heinold startet die Turbine. Sie erzeugt den Wind in dem Windkanal: 15 Meter pro Sekunde. Sein Team steht draußen und starrt gebannt durch eine ausgeleuchtete Fensterscheibe in den Windkanal. Bis auf ein monotones Brummen ist es mucksmäuschenstill. Alle warten auf Sokrates, den zehnjährigen Falken. Er sitzt in der zwei Meter hohen Röhre auf dem Arm eines Falkners, während ein zweiter ein paar Meter vor ihm eine Stange hochhält. Daran baumelt eine tote Wachtel.

Und zack: Da war er. Nur zwei Sekunden lang hat Sokrates Flug an der Scheibe vorbei gedauert, kaum zu sehen. Zielsicher hat er sich die Wachtel geschnappt und hält sie mit den spitzen Krallen fest.

"Das sah gut aus. Der sah ziemlich gut aus. Also, man sieht’s relativ schnell, wenn der Vogel schon schön erleuchtet ist, wenn man ihn einfach nur mit dem Auge schön erleuchtet sieht, dann ist die Aufnahme vermutlich auch gut. Jetzt müssen wir mal die Daten anschauen, ob’s wirklich so gut geworden ist."

Martin Heinold, Versuchsleiter

Eine der zehn Hochgeschwindigkeitskameras

Zehn Hochgeschwindigkeitskameras filmen den Flug des Falken. Anschließend setzt sie Martin Heinold zusammen. So entsteht ein dreidimensionales Bild. Das Ganze hat einen hochwissenschaftlichen Hintergrund. Warum kann der Vogel so perfekt fliegen? Das wollen die Forscher herausfinden.

"Das ist Neuland. Wir denken, dass wir hier die Möglichkeit haben mit diesem System aus zehn Hochgeschwindigkeitskameras und eben dass wir den Vogel nicht manipulieren müssen, dass wir eben bessere Ergebnisse erhalten, als es andere Arbeitsgruppen derzeit weltweit versuchen zu bekommen."

Professor Christian Kaehler vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik.

3D-Aufnahme des Falkenflugs, zusammengesetzt aus den Bildern der einzelnen Kameras.

In erster Linie geht es den Wissenschaftlern darum, den Flug des Vogels aus aerodynamischer Sicht zu begreifen - Grundlagenforschung. Diese Erkenntnisse könnten später möglicherweise aber auch technisch genutzt werden. Denn Vögel können sehr energieeffizient sehr weite Strecken fliegen.

"Wenn man zum Beispiel auf den Mars blickt, da gibt es bislang so kleine Rover. Sie schaffen fünf, sechs Kilometer. Mehr haben sie noch nicht von diesem Riesenplaneten entdeckt. Wenn man jetzt etwas hätte, was ohne großen Energieaufwand ziemlich weit fliegen kann, könntzeja da immer ein Problem ist, da hätte man da eventuell die Möglichkeit sowas zu nutzen."

Martin Heinold, Versuchsleiter

Falke Sokrates (10) hat sich nicht groß durcheinander bringen lassen, durch das Experiment.

Daraus könnte man ein starres Flugzeug bauen, was ein ähnliches Profil hat wie der Falke. Vielleicht also fliegt irgendwann in ferner Zukunft ein Fluggerät über den Mars, für das der Würgfalke Sokrates mit seinem Flug im Windkanal die Grundlagen gelegt hat. Heute hat er noch ein paar Versuche hat er vor sich. Er ist ganz ruhig, meint Falkner Helmut Achatz.

"Ich denk so sieben, acht Versuche wird er heute machen und dann lassen wir’s gut sein mit ihm. Er putzt sich, schüttelt sich, das heißt er ist ganz entspannt, es ist alles in Ordnung."

Falkner Helmut Achatz


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