69

Festakt fürs Gipfel-Gotteshaus Wendelinkapelle auf dem Wendelstein wird 300 Jahre alt

Sie ist klein, rund, komplett mit Schindeln verkleidet und steht ganz oben auf dem Wendelstein neben dem Gipfelkreuz auf 1.838 Meter Höhe: Die Wendelinkapelle wird 300 Jahre alt - und das wird gefeiert.

Von: Martin Binder

Stand: 25.05.2018

Die Wendelinkapelle ist nicht zu verwechseln mit der Kirche auf dem Wendelstein unterhalb des Gipfels. Dem Sixtenbauern Georg Klarer aus Bayrischzell waren anno 1718 zwei Rösser auf den Almweiden am Wendelstein verloren gegangen.

"Der hatte das versprochen: wenn er die Rösser wieder findet, dann lässt er an der Stelle eine Kapelle bauen. Und so war da eigentlich die Vorgeschichte."

Toni Egger

Unter der Obhut der Gebirgsschützen

Vor 300 Jahren also hat der Bauer dann die Kapelle auf dem Wendelstein errichtet, erzählt Toni Egger, Hauptmann der Gebirgsschützenkompanie Bayrischzell. Seit 1989 haben die Gebirgsschützen die Pflege der gerade mal vier Quadratmeter großen Kapelle übernommen, wie viele vor ihnen. Sehr zur Freude von Pfarrer Josef Spitzhirn aus Fischbachau.

"Man merkt daran auch die Treue der Menschen zum Glauben, weil die Kapelle ja seit 300 Jahren immer wieder übergeben worden und weitergegeben worden ist. Und jetzt haben's Gottseidank die Gebirgsschützen in der Pflege, und es ist ein wunderschönes Kleinod."

Pfarrer Josef Spitzhirn aus Fischbachau

Der Anfang war nur ein Bretterverschlag

Dabei hat dieses Kleinod in seinen Anfangszeiten eher wie ein Bretterverschlag ausgesehen, erst später hat man es dann "g'scheid" gemacht.

"Die Vermutung ist die, dass das eigentlich ein reiner Holzbau war, natürlich nicht geschützt, und so ist das dann zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg mit Blech ummantelt worden, so dass es ein besserer Schutz war und dann da ein Altar gebaut worden ist drinnen."

Toni Egger

Heute wird die Kapelle von Toni Egger und den Gebirgsschützen jedes Jahr nach dem Winter wieder hergerichtet, und den Sommer über geht es immer mal wieder nauf zu ihrem Schützling auf den Wendelstein. In der Kapelle liegt auch das Gipfelbuch für den Wendelstein. Neben den üblichen Einträgen findet man dort auch immer wieder den Dank von Bauern an den Heiligen Wendelin, der ja wie auch Sankt Leonhard als Schutzpatron der Hirten und Viehhalter gilt:

"Da steht viel drinnen, dass sie Probleme haben mit den Viechern und dann als Dank da aufigehen und sich dann bedanken bei den Schutzpatronen."

Toni Egger

Jubiläumsgottesdienst auf dem Gipfel

Heute nun wird das Jubiläum gefeiert mit einem Gottesdienst auf dem Wendelstein. Pfarrer Josef Spitzhirn wird ihn zelebrieren, für ihn sind solche Messen unter freiem Himmel etwas ganz Besonderes:

"Es fasziniert mich immer wieder, wenn Gottesdienste im Freien angesetzt sind,dass wesentlich mehr Menschen kommen. Die Leute haben einen Himmel über sich, das ist vielleicht ein Grund, warum das die Leute so anzieht."

Pfarrer Josef Spitzhirn aus Fischbachau

Um 11.30 Uhr gibt es den Gedenk-Gottesdienst auf dem Wendelstein für die Wendelin-Kapelle mit Musikern und Fahnenabordnungen aus Bayrischzell. Bei schlechtem Wetter findet der Gottesdienst in der Münchner Stube des Wendelsteinhauses statt.


69

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Max Rothfischer, Freitag, 25.Mai, 14:45 Uhr

2. Drei Kreuze

Drei Kreuze sind auf dem Bild zu sehen - eines vor und zwei auf der Kapelle.
Mehr sog i net.

  • Antwort von Wolf, Freitag, 25.Mai, 19:11 Uhr

    Den Unterschied zwischen einer Amtsstube und einer Kapelle kennst aber scho,oder? Mehr gibt's ned zum sogn.

Barbara, Freitag, 25.Mai, 13:22 Uhr

1. Die Vita des Hl. Wendelin stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Danach war er ein iroschottischer Königssohn und soll zur Zeit des Trierer Bischofs Magnerich im Waldgebirge der Vogesen als Einsiedler gelebt haben und im Jahre 617 gestorben sein. Sein Name bedeutet im Althochdeutschen "Wanderer" oder "Pilger". Er ist ein beliebter Kapellen-Heiliger, ebenso wie der Hl. Leonhard. In der Kunst wird der Hl. Wendelin ähnlich wie der Hl. Leonhard dargestellt.