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Ab dem Jahr 2022 Südostbayernbahn will von Diesel auf Strom umschalten

Die Südostbayernbahn will künftig nicht mehr mit Dieselzügen aus Mühldorf nach München hineinfahren. Sie lässt dafür einen neuartigen Zusatzwagen entwickeln, der Dieselloks mit Strom aus der Oberleitung versorgen soll.

Von: Lorenz Storch

Stand: 25.04.2018

Fotomontage zu Elektro-Zusatzwagen der Südostbayernbahn | Bild: Deutsche Bahn

Der Zusatzwagen wird dem Tender an einer Dampflok ähneln – nur dass darin keine Kohle lagert – stattdessen hat er einen Stromabnehmer für Oberleitungen. Im betriebsinternen Sprachgebrauch heißt er bei der Südostbayernbahn "Speisewagen" – weil er Strom aus der Oberleitung in Dieselloks einspeisen soll.

Dieselelektrische Loks können Diesel ausschalten

Die Südostbayernbahn will die Bombardier 245 Dieselloks künftig auch elektrisch betreiben.

Der besondere Charme bei dieser Idee: Die neue Technik ergänzt Loks der Baureihe 245 von Bombardier, die bereits jetzt auf dem Netz der Südostbayernbahn fahren und Doppelstockzüge zwischen München und Mühldorf antreiben. Es handelt sich dabei um so genannte dieselelektrische Loks. Das heißt:  sie verfügen sowieso bereits über einen Elektromotor, der die Achsen antreibt. Der Strom dafür wird aber mit vier Dieselmotoren erzeugt, die Generatoren antreiben.

Brückentechnologie bis mehr Strecken elektrifiziert sind

Christoph Kraller von der Südostbayernbahn zeigt die Dieselmotoren im Inneren der Lok.

Wenn der neue Stromversorgungswagen angekoppelt ist, können die Züge aus Mühldorf künftig auf ihrer Fahrt zum Münchner Hauptbahnhof ab Markt Schwaben die Diesel ausschalten, weil die Lok stattdessen Fahrstrom für seinen Elektroantrieb aus der Oberleitung kriegt. Weil sich die Leistung der Lok damit erhöht und sie schneller beschleunigen kann, dürfte es dann laut Bahn auch weniger Verspätungen geben.

Natürlich wäre es besser, wenn die Strecke München-Mühldorf schon voll elektrifiziert wäre, heißt es von der Bahn.

"Das ist eine Brückentechnologie bis zu dem Zeitpunkt, wo es mehr Fahrdrähte gibt. Es ist ja auch erklärtes Ziel des Freistaats, mehr Strecken zu elektrifizieren."

Christoph Kraller, Südostbayernbahn

Neue Technik ab 2022 einsatzbereit

Südostbayernbahn und Bombardier entwickeln den neuartigen Stromversorgungswagen mit Unterstützung der TU Dresden und der TU Chemnitz. Besonders heikel ist dabei die störungsfreie Verbindung des Zusatzwagens zur bestehenden Lok. Bis die neue Technik einsatzfähig ist, dauert es noch eine Weile. Ein Prototyp soll 2022 fahren, der Regelbetrieb dann im Jahr danach folgen. Ob Doppelstockzüge mit solchen Zweisystemloks später auch in den zweiten Stammstreckentunnel fahren dürfen, steht bisher noch nicht fest.

Die Südostbayernbahn hofft, den Stromversorgungswagen gemeinsam mit Bombardier später auch erfolgreich weitervermarkten zu können. Eine Studie der Hochschule Deggendorf hat dafür große Potenziale ergeben, vor allem im Güterverkehr, der mit der neuen Technik Lokwechsel einsparen könnte.


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Südsachse, Mittwoch, 25.April, 13:35 Uhr

3. Super Neuigkeit - und die sogar von der Bahn!

Warum nicht? Also, eigentlich sollte hier sogar der Daumen hoch gehen, ihr Bayern! Immer vorne weg, da staunt man nur so...

Railfriend, Mittwoch, 25.April, 10:12 Uhr

2. Stromtender

Es gibt bessere Dieselantriebe,

denn der Stromtender ist nicht nur eine halbe Lösung, sondern erhöht auf oberleitungsfreien Strecken die Abgassemission.
Zielführender wäre z.B.
- das von der DB prämierte HyRec-Bremserngienutzungskonzept der Hochschule München und
- die Umstellung von fossilem auf sauberen PtL-Kraftstoff auf Grünstrombasis
Diese Technologien sind ebenso umwelt- und klimafreundlich wie Oberleitungsbetrieb. Allerdings mit dem Unterschied, dass dabei weniger Menschen und Tiere durch Stromunfälle umkommen.

PtL wird ab dem Jahr z.B. am Wasserkraftwerk Laufenburg/Schweiz produziert.

  • Antwort von Harald, Mittwoch, 25.April, 12:43 Uhr

    PtL mag ja ganz interessant sein für Wissenschaftler. Den Wirkungsgrad der Erzeugung des Treibstoffs möchte ich nicht nachrechnen müssen. Von den derzeitigen Kosten mal ganz abgesehen. Die einschlägigen Suchergebnisse im Netz sprechen Bände.
    Bei Weiterverwendung der bisherigen Verbrennungsmotoren bleibt außerdem nach wie vor die Erzeugung einer Längsbewegung (des Zuges) über eine Drehbewegung (von Achsen, Getriebe und Kurbelwelle) aus einer Hin-und-Her-Bewegung (der Kolben) im Verbrennungsmotor. Und das ganze bei explosionsartigen Verbrennungsvorgängen mit hohen Wärmeverlusten und notwendiger Abgasreinigung. Durch die Verbrennung mit Luft, welche bekanntlich zu rund 79% aus Stickstoff besteht, kommt man auch bei PtL nicht um eine NOx-Nachbehandlung herum.
    Brennstoffzellen in der Leistungsgröße einer ganzen Lok sind bis auf Weiteres noch Fehlanzeige und vor allem unbezahlbar.

  • Antwort von Railfriend, Mittwoch, 25.April, 13:35 Uhr

    PtL auf Grünstrombasis verbrennt entgegen Ihrer Behauptungen ruß-, schwefel- und CO2-frei. Der NOx-Ausstoß ist heute bis zur Nachweisgrenze reduzierbar. Desweiteren lässt sich der WG des Verbennungsmotors durch PtL auf über 50 % steigern. Der Bahnhersteller Talbot konzipiert PtL-Dieseltriebwagen.

    Zur Energieeffizienz meine Lesempfehlung: Eisenbahningenieur EI 3/2018, S. 69:
    Die Zillertalbahn fährt in Zukunft mit BZ-Antrieb auf Wasserkraftstrombasis, und zwar ohne Mehrenergiekosten gegenüber einer Elektrifizierung. Und dies, obwohl der BZ-Antrieb mehr als die zweifache Strommenge benötigt. Nachteilig für den Oberleitungsbetrieb sind dessen Leistungspreis und Jahres-/Tagesgang. Abgesehen davon, dass Strom bei Dunkelflaute im Zuge der Energiewende noch teurer wird. Die bessere Energieeffizienz des OL-Betriebs hilft hier nicht weiter.
    Zwischen H2-BZ und PtL-Dieselhybridlantrieb auf Grünstrombasis bestehen keine wesentlichen Unterschiede im Gesamtwirkungsgrad.

Müller, Mittwoch, 25.April, 09:25 Uhr

1. Vermessen

Es wäre schon vermessen zu erwarten, dass so kurze Zeit nach Entdeckung des elektrischen Stroms Bahnstrecken in größerem Umfang elektrifiziert sein können !

Wer waren nochmal die letzten Verkehrsminister ?