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Kanu-Fahrer ja – Stand-up-Paddler nein Streit über geplantes SUP-Verbot auf der Altmühl

Auf der Altmühl wird es eng: Bayerns langsamster Fluss wird von Urlaubern überlaufen. Das freut die Tourismus-Branche, gefährdet aber die Natur, vor allem den Fischbestand. Ein Verbot für Stand-up-Paddler soll helfen – sorgt aber für großen Streit.

Von: Susanne Pfaller

Stand: 07.06.2018

Stand-up-Paddler Daniel Nagl auf der Altmühl | Bild: BR/Susanne Pfaller

Ausgerechnet in der touristischen Hauptsaison, im Mai und im Juni, laichen in der Altmühl die heimischen Fische. Angler Rolf Rippich sorgt sich um ihren Bestand.

"Es geht um die Barbe und die Nase. Sie sind im Bestand gefährdet."
– Angler Rolf Rippich –

Immer weniger Jungfische

Seit Jahren sinkt hier an der Altmühl bei Obereichstätt die Zahl der Jungfische. Neben der Landwirtschaft macht der Vorstand des Eichstätter Anglervereins den touristischen Bootsverkehr auf der Altmühl dafür verantwortlich.

"Am Tag rauschen hunderte von Booten durch. Der Strom an Booten reißt quasi gar nicht ab. Und wenn das in der Zeit ist, in der die Jungfische in ihren Laichplätzen aufwachsen, dann ist das nicht so gut."
– Angler Rolf Rippich –

Problem der Kanus und Boote

Ausgerechnet in der Laichzeit – rund um die Pfingstferien – tummeln sich tausende von Kanus und Bootsfahrer auf dem Wasser. Dabei rutschen sie auch schon mal über die Kiesbänke, die Kinderstuben der Fische.

Das Problem sieht auch Christoph Würflein. Als Geschäftsführer des Naturschutzparks Altmühltal versucht er den Spagat zwischen Tourismus und Naturschutz hinzubekommen.

"Nachdem die Altmühl auch EU-Schutzgebiet ist, soll es zu keiner Verschlechterung des gegenwärtigen Zustandes kommen. Das ist das Mindeste."
– Naturpark-Chef Christoph Würflein –

Landratsamt will Nutzung der Altmühl beschränken

Deshalb feilt das Landratsamt Eichstätt an einer Verordnung. Sie soll die Nutzung der Altmühl beschränken. Im ersten Entwurf der Verordnung steht ein Fahrverbot für Stand-up-Paddler. Und das, obwohl bislang auf der Altmühl nur ein paar Dutzend SUPs unterwegs sind. Gerade wegen ihrer geringen Zahl hat Naturpark-Chef Würflein die Stand-up-Paddler im Visier.

"Nachdem jetzt noch sehr, sehr wenige Stand-up-Paddler unterwegs sind, hat sich die Gruppe an Behörden überlegt, der Anfänge zu wehren. Für diejenigen, die sich vielleicht ein Stand-up-Paddle anschaffen wollen: Die Altmühl ist vielleicht nicht das richtige Revier."
– Naturpark-Chef Christoph Würflein –

Stand-up-Paddler sehen sich als Bauernopfer

Bei den Stand-up-Paddlern sorgt das für Empörung. Sie sehen sich als Bauernopfer für den kommerziellen Tourismus, vor allem mit Blick auf die gewerblichen Bootsverleiher. Für ihre 1.000 Miet-Kanus enthält der Verordnungsentwurf nämlich keine Beschränkungen.

"Der Freizeit-Sport droht auf der Strecke zu bleiben."
– Stand-up-Paddler Daniel Nagl –

Als Sprecher seiner Sportart weist Nagl darauf hin, dass die Stand-up-Paddler gerne bereit wären, Abstriche zugunsten der Natur zu machen.

"Wir sind offen dafür, zu sagen: Wir machen zeitliche Befahrungen. Das kann auf die Vogelbrut abstellen. Das kann auf die Fischlaichzeit abstellen. Das ist nur gut und richtig, zu sagen: Der Fluss ist das ganze Jahr da – die Tiere vermehren sich nicht das ganze Jahr. Lasst und einen Kompromiss finden!"
– Stand-up-Paddler Daniel Nagl –

Kompromiss würde Tourismus Millionen kosten

Nur: So ein Kompromiss mit den Stand-up-Paddlern, also ein zeitliches oder räumlich begrenztes Fahrverbot auf der Altmühl während der Brut- und Laichzeit, bedeutet für den kommerziellen Tourismus auf der Altmühl ein Millionenschaden. Für Naturparkchef Würflein kommt er deshalb nicht in Frage.

"Das wäre der Super-Gau. Gerade wenn das Tolle, das Bootfahren, wegfallen würde, wäre es jammerschade."
– Naturpark-Chef Christoph Würflein –

Studie der Uni Eichstätt soll Lösung bringen

Was also tun? Wie kann die Altmühl geschützt und gleichzeitig genutzt werden? Dazu erstellt die Uni Eichstätt derzeit eine Studie. Für Angler Rolf Rippich steht jedoch schon fest: Trifft die Verordnung nur die wenigen Stand-up-Paddler, hilft das den Fischen nicht.

"Die Bootsmasse ist deswegen immer noch da. Die Beeinträchtigungen werden mit Sicherheit dadurch nicht weniger."
– Angler Rolf Rippich –

Nachbar-Landkreis gibt sich entspannter

Im benachbarten Altmühl-Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen hält man übrigens nichts von einem Fahrverbot für Stand-up-Paddler. Dort will das Landratsamt keine solche Verordnung erlassen.


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