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Wohltätiges Silvester Spenden statt Böller in Ramsau

Rund 130 Millionen Euro verballern die Deutschen im Schnitt in der Silvesternacht mit Feuerwerkskrachern und Raketen. Aber nicht in der Ramsau, im Nationalpark Berchtesgaden. Eine ganze Gemeinde verzichtet auf die Silvesterknallerei und tut stattdessen Gutes - und das bereits zum zweiten Mal.

Von: Hans Häuser, Christine Kerler

Stand: 27.12.2017

Zu Besuch im Bergsteigerdorf Ramsau | Bild: BR; Georg Bayerle

Im vergangenen Jahr haben sie es getan, heuer machen sie es wieder. Die Ramsauer Bürger wollen auf die Silvesterknallerei verzichten. Die Gemeinde hat eine Aktion unter dem Motto "Tradition bewahren – Menschen helfen" ins Leben gerufen. Statt Raketen, Geräuschorgeln und Knallfrösche zu kaufen, wird dazu aufgerufen, das Geld lieber für einen wohltätigen Zweck zu spenden. Aus gutem Grund: Ramsau im Berchtesgadener Land ist ein sogenanntes Bergsteigerdorf, das sich für ökologischen und nachhaltigen Tourismus stark macht, und da passt so eine Aktion natürlich ins Konzept.

Ein bisschen Krach muss sein

Das einzige, was in der Silvesternacht in der Ramsau Krach machen soll, sind die Weihnachtsschützen. Sie schießen traditionell das alte Jahr hinaus und das neue herein - insgesamt knallt es etwa 600 Mal, denn jeder der 30 Weihnachtsschützen lässt es 20 Mal krachen. Privatleute und Hoteliers sollen dagegen auf das Abbrennen von Feuerwerkskörpern verzichten.

Großer Erfolg im Vorjahr

Vergangenes Jahr war die Aktion stark beachtet worden. Unter anderem auch, weil die gesammelten Spenden in Höhe von rund 11.000 Euro damals an Erdbebenopfer in Umbrien gingen. Bürgermeister Herbert Gschoßmann (CSU) freute sich über den, so wörtlich, "internationalen Anklang". Die Aktion passe zum Dorf, deshalb wolle man sie wiederholen.

"Die Raumsau hat sich da wahnsinnig gut verkauft, die Ramsau hat also hier gezeigt, dass es auch anders geht. Und das passt zu uns als Bergsteigerdorf. Wir wollen uns ein bisschen anders darstellen, und darum wollen wir das in diesem Jahr wiederholen."

Herbert Gschoßmann, Bürgermeister Ramsau

In diesem Jahr sollen mit den Spenden Bedürftige im Berchtesgadener Talkessel unterstützt werden. Das Geld geht deshalb an den Verein "Berchtesgaden hilft", der 1999 gegründet wurde.

Zustimmung bei Bürgern

Auf der Straße hört man überwiegend positive Stimmen. Viele Ramsauer finden die Idee gut, auf das ihrer Meinung nach sinnlose Verballern von Millionen von Euro zu verzichten. Und schließlich habe man dann auch viel weniger Müll. Außerdem sei es in der Gegend Brauch, dass die Weihnachtschützen einen ordentlichen Krach machen - und das genügt den Ramsauern.

Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern setzt enorme Mengen Feinstaub frei. Das Bergsteigerdorf Ramsau grenzt an den Nationalpark Berchtesgaden und hat sich dem sanften, nachhaltigen Tourismus verpflichtet.


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Jürgen Richterich, Dienstag, 02.Januar, 19:23 Uhr

17. Spenden statt Böller

Sehr geehrter Bürgermeister Gschoßmann,

vielen Dank für Ihr vorbildliches Engagement. Ich selbst engagiere mich im Sinne des Tierschutzes für ein Verbot privater Feuerwerke und Böllerei. Ich habe mein Anliegen auch den lokalen Vertretern unserer Kommune näher gebracht. Leider sehen diese Herren nicht die Notwendigkeit zu handeln und warten mal wieder auf eine Weisung "von oben".

Gerade deshalb begrüße ich Ihre Aktion, da Sie selbst das Zepter in die Hand genommen haben und aktiv geworden sind.

Ihr Beispiel sollte Schule machen und als Lehrstunde für unbelehrbare Kommunalpolitiker verwendet werden.

Hochachtungsvoll,
Jürgen Richterich

Dietmar Loibl, Sonntag, 31.Dezember, 19:08 Uhr

16. endlich verbieten...!

Respekt Ramsauer!
Umwelt und Tierschutz soll uns das in ganz Bayern Wert sein. Diese dumme Böllerei, die noch dazu jedes Jahr Schwerverletzte nach sich zieht gehört in Bayern flächendeckend verboten! Vom Dreck ganz abgesehen!
Gratulation nach Ramsau, unser Dorf ist noch lange nicht so weit.

Monika Wiesböck, Donnerstag, 28.Dezember, 15:53 Uhr

15. Sylvester

Ich wohne in Kreuth a.Teg. Da sollten sich die Bürgermeister mal ein Stück von Euch abschneiden und eine solche Aktion initiieren. Da gäb's dann endlich mal gute Nachrichten aus unserem von Touristen und Möchtegerns überflutetem Tal. Dank' schee.

Wolfgang, Donnerstag, 28.Dezember, 12:00 Uhr

14. Forschungsaufgabe, neue Treib- und Wirkmittel für Raketen und Böller

Forschungsaufgabe:

1. Hüllen für Raketen und Böller aus unimprägnierter Pappe, mit Wasser und Mikroben voll abbaubar.

2. Die Chemie daß nur Gase oder Flüssigkeiten übrig bleiben ( N2, CO2, CO, NO, H2SO3 ), bei Leuchtmitteln ggf. organisch abbaubare in den Spuren ungiftige Salze wenn Feststoffe.

Gundi, Donnerstag, 28.Dezember, 00:34 Uhr

13. das sollte Schule machen

Auch wenn München kein Nationalpark ist, so leben hier doch anderthalb Millionen Menschen, darunter auch viele kleine Kinder, Alte und Allergiker, die unter dem Feinstaub und der Luftverschmutzung sehr leiden.
Für Kleinkinder, aber auch Menschen, die einen Krieg erlebt haben, ist die Knallerei bedrohlich.
Die letzten Vögel in den grünen Teilen der Stadt geraten in Panik, Haustiere sind verängstigt.
Die HNO-Kliniken füllen sich mit Menschen, die ein Knalltrauma erlitten haben.
In den folgenden Tagen liegt der Dreck auf allen Gehwegen und Rasenflächen, Plastik, das wir doch eh weniger verwenden sollten.

Auch verstehe ich nicht, dass man in Zeiten der Terrorismusangst solche "Schreckschusswaffen" mit echter Schadwirkung frei verkauft.